1. Warum konnte Hülkenberg nicht starten?

Freud und Leid lagen bei Audi nah beieinander. Gabriel Bortoleto holte beim ersten Formel-1-Rennen der Ingolstädter mit Platz neun zwei Punkte, Nico Hülkenberg konnte vor den Augen von CEO Gernot Döllner gar nicht an den Start gehen.

Schon auf den Sichtungsrunden auf dem Weg in die Startaufstellung verloren die Ingenieure die Verbindung zum RS26 mit der Startnummer 27. Die Telemetrie spielte dem Team einen Streich. Weil es Hülkenberg nicht mehr aus eigener Kraft in die Startaufstellung schaffte, packten Mechaniker an. Deshalb gab es später noch eine Untersuchung, weil das nicht erlaubt ist.

Die Stewards hatten aber Erbarmen, weil Hülkenberg gar nicht erst starten konnte. In der Startaufstellung suchten Mechaniker und Ingenieure nach einer Lösung, konnten ohne Hilfe von Daten aber den Fehler nicht finden. Hülkenberg wurde aus der Startaufstellung zurück an die Box geschoben und musste das Rennen von dort schauen.

2. Wie konnte Piastri in der Sichtungsrunde abfliegen?

Der Australien-Fluch geht weiter. Noch nie stand bei einem Australien GP ein Australier auf dem Podium (abgesehen von Daniel Ricciardo 2014 vor seiner Disqualifikation). 2026 verlor Lokalmatador Oscar Piastri jegliche Chancen schon vor dem Start. Auf einer Sichtungsrunde verlor er in Kurve 4 die Kontrolle über seinen McLaren und schlug ein.

Was auf den ersten Blick nach einem klassischen Fahrfehler aussah, hat aber noch ein weitere Ebene. Der Mercedes-Motor im Heck lieferte plötzlich mehr Leistung. "Ich hatte ungefähr 100 Kilowatt Extrapower, die ich nicht erwartet hatte", so Piastri. Durch die starke Hybridisierung der Motoren haben die Fahrer nicht immer die gleiche Leistung zur Verfügung. An dieser Stelle kann die Zusatz-Leistung der MGU-K bei Vollgas zwischen 200 und 350 kW betragen.

Ganz aus der Verantwortung stehlen wollte sich Piastri aber auch nicht: "Ein Teil, den ich hervorheben will, ist, dass mit Sicherheit ein sehr großes Element ich selbst war." Kalte Reifen und das Überfahren der Kerbs sorgten in Kombination mit der Extra-Power für den Abflug.

3. Wofür wurde Colapinto so hart bestraft?

Franco Colapinto war der Glückspilz des Rennens. Um ein Haar wäre er mit riesigem Geschwindigkeitsdelta ins Heck von Liam Lawson gekracht, weil der Racing Bulle am Start fast stehenblieb. Colapinto konnte erst Lawson und anschließend der Mauer um Haaresbreite ausweichen. Allerdings gab es anschließend Ärger und eine heftige Stop-and-Go-Strafe. Diese Strafe gibt es in der heutigen Formel 1 äußerst selten.

Die Strafe gab es natürlich nicht für seine gute Reaktion am Start. Unmittelbar vor dem Start hatte ein Teammitglied das Auto noch berührt. 15 Sekunden vor dem Start in die Einführungsrunde ist das strengstens verboten. Die heftige Strafe schreibt das Regelbuch vor.

4. Warum wurde das Feld am Start so durcheinandergwürfelt?

Liam Lawson war nicht der einzige Fahrer, der einen schlechten Start erwischte. Grund ist das neue F1-Reglement. Die Motoren haben keinen Elektromotor am Turbolader mehr. Weil eine variable Turbinengeometrie verboten ist und es nur einen einzigen Turbolader geben darf, ist das Turboloch zurück in der Formel 1. Die MGU-K, der verbliebene Elektro-Motor an der Kurbelwelle, darf erst ab 50 km/h anschieben.

Der Start beim Australien GP
Am Start gab es viele Positionverschiebungen, Foto: IMAGO / ABACAPRESS

Ferrari soll einen etwas kleineren Turbolader als die Konkurrenz haben, weshalb das Ansprechverhalten des Ferrari-V6 besser ist. Aber das ist nur ein Teil. Viele Piloten hatten Probleme, ihre Batterie in der Formationsrunde aufzuladen. Deshalb fielen einige Piloten auch erst in der zweiten Phase des Starts zurück, wenn sich die Extra-Leistung des Elektro-Motors bemerkbar macht.

5. Warum kam Ferrari beim VSC nicht an die Box?

Der große Gewinner des Starts hieß Ferrari. Charles Leclerc und Lewis Hamilton kamen von den Plätzen vier und sieben auf eins und drei nach vorne. In dieser Reihenfolge blieb es auch bis zum VSC in Runde 12. Mercedes nutzte die Chance und holte George Russell und Kimi Antonelli zum Reifenwechsel. Ferrari hingegen blieb draußen. "Wir hätten zumindest ein Auto reinholen sollen", funkte Hamilton noch.

"Es war eine bewusste Entscheidung, draußen zu bleiben", rechtfertigte Leclerc selbst nach dem Rennen. Denn zu diesem Zeitpunkt glaubte man bei Ferrari nicht daran, dass es ab Runde 12 möglich wäre, ohne weiteren Stopp durchzufahren. Man wollte lieber auf der idealen Strategie bleiben und hoffte auf eine weitere VSC-Phase. Die kam auch ein paar Runden später, allerdings war die Boxeneinfahrt gesperrt, weil sich der havarierte Cadillac von Valtteri Bottas dort befand.

Auch ein Stopp zu diesem Zeitpunkt hätte Ferrari nichts mehr gebracht, Mercedes hatte den Vorteil der frischen Reifen und die freie Fahrt genutzt. So kamen Leclerc und Hamilton in den Runden 25 und 28 zum etatmäßigen Stopp - verloren aber nicht nur ihre Positionen, sondern auch viel Zeit.

6. Wie schlimm lief das Rennen von Aston Martin?

Die gute Nachricht aus Aston-Martin-Sicht: Beide Autos konnten starten. Das war nach dem bisherigen Wochenende fast schon eine Überraschung. Nach dem Start fand sich Fernando Alonso sogar auf Platz zehn wieder. Ein guter Start und weiche Reifen halfen dabei. Lange dauerte es aber nicht, ehe er wieder nach hinten durchgereicht wurde.

Sowohl Fernando Alonso als auch Teamkollege Lance Stroll mussten während des Rennens längere Pausen in der Garage einlegen, gingen dann aber wieder auf die Strecke. Was genau Honda oder Aston Martin in den Pausen machte, wollte man nicht verraten. Schließlich zog man aber beide Autos zurück. Weil das nächste Rennen in China schon am kommenden Wochenende ist, wollte man die wenigen vorhandenen Motor-Komponenten schonen.

7. Warum schieden Isack Hadjar und Valtteri Bottas aus?

Die erste VSC-Phase wurde von Isack Hadjar ausgelöst. Der Red-Bull-Neuling verlor plötzlich den Vortrieb, aus dem Heck seines Autos stieg Rauch auf. "Mein Motor hat sich von Anfang an ganz komisch angehört, es war klar, dass ich ausscheiden würde", meinte Hadjar. Details zum Defekt nannte Red Bull nicht, doch es klingt stark nach einem Defekt am Verbrennungsmotor.

Wenige Runden nach Hadjar schied Valtteri Bottas aus. Der Finne durfte noch nicht einmal zurück an die Box fahren, er musste seinen Cadillac in der Boxeneinfahrt abstellen. Ein mechanisches Problem am Benzinsystem sorgte für die Aufgabe. Schon in den Runden zuvor hatte es Technik-Probleme gegeben, die dazu führten, dass Bottas für einen Lenkradtausch an die Box kommen musste.

8. Warum gab es Stress zwischen Lawson und Perez?

Ein großer Start-Verlierer war Liam Lawson. Für ihn ging es von Platz acht weit nach hinten. So weit, dass er plötzlich mit den Cadillacs kämpfen musste. Im Zweikampf mit Sergio Perez musste Lawson in Kurve 11 die Strecke kurz verlassen, weil sich Perez innen breit machte. Die Stewards sahen darin kein Problem, Lawson hingegen sehr wohl.

Sergio Perez im Cadillac und Liam Lawson im Racing Bulls
Lawson und Perez haben eine Vorgeschichte, Foto: IMAGO / DeFodi Images

"Dieser verdammte Typ ist echt scheiße", funkte Lawson. In den Interviews nach dem Rennen hatte der Neuseeländer immerhin seine Wortwahl wieder im Griff, inhaltlich blieb er aber bei seiner Meinung. "Er hat nichts Illegales gemacht, aber er hat für P16 gekämpft, als wäre es um den Sieg gegangen." Lawson meint den Grund dafür zu kennen: "Auch zwei Jahre später scheint er noch nicht darüber hinweg zu sein." Lawson hatte im Winter 2024/2025 das Red-Bull-Cockpit von Perez übernommen.

9. Was war zwischen Ocon und Gasly los?

Durch eine persönliche Vorgeschichte wurde auch der nächste Zweikampf besonders hitzig. Dass sich Esteban Ocon und Pierre Gasly nicht besonders gut verstehen, ist bekannt. Selbst als die beiden Teamkollegen waren, führte die französische Rivalität zu Unfällen. 2023 crashten die beiden in Melbourne heftig.

Drei Jahre später kamen sich die beiden wieder sehr nahe. Fast das ganze Rennen kämpften die beiden um den letzten Punkt. Als Gasly Ocon überholte, berührten sich die beiden in Kurve 3 leicht. Beide konnten weiterfahren, aber Gasly beschädigte sich dabei Frontflügel und Unterboden leicht.

"Sonst hätten wir vielleicht gegen Bearman kämpfen können", meint Gasly, der den Kampf um den letzten Punkt immerhin knapp für sich entscheiden konnte. Die Stewards sahen keinen der beiden Fahrer eindeutig in der Schuld. Ausreden werden sich die beiden Streithähne wohl nicht. "Ich habe schon 20 Jahre mit ihm gesprochen, das muss ich jetzt nicht noch einmal", meint Gasly.

10. Warum war Lando Norris so weit zurück?

Lando Norris überquerte 51 Sekunden nach Rennsieger George Russell die Ziellinie. Für den Weltmeister war der Australien GP eine herbe Schlappe. Trotz Regel-Revolution holte McLaren ein Problem aus der Vorsaison ein: Graining. Norris musste im Gegensatz zum Führungs-Quartett zweimal an die Box, weil ihm die Vorderreifen einigingen.

Abgesehen von der Chassis-Performance gibt es bei McLaren aber auch noch größere Schwierigkeiten mit dem Mercedes-Motor. Dabei ist nicht die Zuverlässigkeit das Problem der Weltmeister-Truppe. Teamchef Andrea Stella hadert mit dem Energiemanagement. Dafür macht er auch teilweise Mercedes verantwortlich. Er fühlt sich als Kundenteam im Nachteil und fordert schon seit Wochen bessere Kommunikation.

Lando Norris macht sich nach dem Australien GP nicht nur um die McLaren-Pace Sorgen - auch um die Gesundheit von Fahrer und Fans: