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Formel 1 China 2018: Schlüsselfaktoren zum Rennen in Shanghai

Der China GP in Shanghai verspricht ein Formel-1-Rennen der Extraklasse zu werden. Kampf von Ferrari, Mercedes & Red Bull steht unter unzähligen Faktoren.
von Jonas Fehling

1 - S wie Startaufstellung

Ferrari startet den China GP 2018 (morgen live auf RTL, im ORF, SRF und im Live-Ticker von Motorsport-Magazin.com) aus der ersten Startreihe. Erneut wiesen Sebastian Vettel und Kimi Räikkönen Mercedes in die Schranken, nahmen im Qualifying zum Formel-1-Rennen in Shanghai am Sonntag Valtteri Bottas und Lewis Hamilton eine stramme halbe Sekunde ab.

Vielmehr lieferten sie sich einen teaminternen Battle, den Vettel um 0,087 Sekunden per Konter im letzten Moment für sich entschied. Bei Mercedes hatte dagegen erneut der Finne die Oberhand, stellte gegen den Weltmeister im Qualifying-Duell auf 2:1. Hinter Ferrari und Mercedes starten die Red Bull von Max Verstappen und Daniel Ricciardo aus Reihe drei.

Nico Hülkenberg nimmt den China GP einmal mehr von P7 in Angriff. Renault-Kollege Carlos Sainz startet neben Sergio Perez von P8. Romain Grosjean komplettiert die Top-10. Haas-Kollege Kevin Magnussen folgt auf P11 als erster F1-Fahrer mit freier Reifenwahl.

2 - S wie Start

Der Start zum China Grand Prix verspricht 2018 ein ganz besonderes Spannungsmoment. Grund dafür sind die unterschiedlichen Reifen in der Spitzengruppe. Ferrari und Mercedes starten auf den etwas härteren Soft-Mischungen, Red Bull dahinter mit den Ultrasofts. Weil die mehr Grip bieten droht Silber und Rot große Gefahr von den Bullen.

"Wenn wir einen sauberen Launch erwischen, dann können wir mit den Ultrasofts einen Stich setzen", hofft Daniel Ricciardo. "Außerdem ist es hier ein sehr kurzer Run zur ersten Kurve. Wenn es ein langer wäre, hätten sie eine PS-Vorteil", kommentiert der Australier die überlegene Leistung bei Ferrari und Mercedes. "Hier geht es aber mehr um Traktion als Power."

Genau 458,1 Meter sind es nur bis zum Scheitelpunkt der berüchtigten ersten Schneckenkurve des Shanghai International Circuits. Ein kurzer Weg - wie Ricciardo schon sagt -, den Sebastian Vettel fürchtet. Jedoch nicht wegen der Red Bull zwei Reihen hinter ihm, sondern auch wegen Teamkollege Kimi Räikkönen. "Schaut so aus, als wäre auf Kimis Seite mehr Gummi, also brauche ich einen guten Start", warnt Vettel vor der Gefahr im eigenen Rennstall.

3 - S wie schleichender Reifentod

Der Reifenvorteil am Start könnte sich für Red Bull jedoch schnell ins Gegenteil verkehren. Pirelli hält den Ultrasoft im Rennen für nahezu ungeeignet. "Ich glaube, dass die Ultrasofts kein Rennreifen sein können", meint auch Niki Lauda im ORF. Gut möglich, dass Red Bull - so Reifen schonend der RB14 auch sein mag - bereits extrem zeitig zum ersten Boxenstopp kommen muss.

"Red Bull fährt auf Ultrasofts los und wir haben in den letzten Jahren gesehen, dass das hier eine Reifenfresser-Strecke ist", bestätigt Sebastian Vettel den in Shanghai 2018 mehr denn je limitierenden Faktor. "Abschreiben würde ich sie deshalb aber nicht", ergänzt der Ferrari-Star.

Nicht nur an der absoluten Spitzen ruhen die Hoffnungen deshalb auf Problemen der auf ultraweichen Reifen startenden Konkurrenz. "Ich denke, dass diejenigen, die Q3 mit den lilafarbenen Reifen erreicht haben, kämpfen werden, früh und zweimal stoppen müssen und die, die außerhalb waren, den Vorteil haben, nur einmal zu stoppen", hofft McLaren-Oldstar Fernando Alonso. "Es wird morgen definitiv Probleme mit den Reifen geben und vor allem darum gehen, sie so gut wie möglich zu managen."

Esteban Ocon bestätigt entsprechend fast schon glücklich über sein Q2-Aus: "Immerhin haben wir morgen die freie Reifenwahl." Haas-Teamchef Günther Steiner geht noch einen Schritt weiter: "Wenn es einen Ort gibt, wo du auf Platz 11 starten willst, dann ist das hier und genau da sind wir mit Kevin."

4 - S wie Strategie

Genau das führt unmittelbar zum nächsten Schlüsselfaktor: Strategie. "Es geht um einen oder zwei Stopps", sagt Alonso. Ein Stopp dürfte es jedoch nur werden, wenn komplett auf Ultrasoft verzichtet wird. "Eine Ein-Stopp-Strategie ist dann möglich", bestätigt Pirelli-Sportchef Mario Isola. In den Top-10 ist das also nur für Mercedes und Ferrari überhaupt möglich. "Ferrari und wir starten auf den weichen Reifen, was ein strategischer Unterschied zu den Autos direkt hinter uns ist. Das dürfte eine weitere Zutat für ein interessantes Rennen darstellen", sagt Mercedes-Teamchef Toto Wolff.

Red Bull denkt aktuell fast nicht einmal daran, etwas anderes zu versuchen als den Zweistopper. "Wir können es mit dem anderen Reifen hoffentlich interessant machen", kündigt Teamchef Christian Horner noch etwas geheimnisvoll an. Klartext sprechen dann seine Fahrer. "Das [ein Stopp mehr] ist unsere beste Chance. Wenn wir sie undercutten wollen wäre es sonst eine langer Stint auf dem zweiten Reifensatz. Zwei Stopps sind auch aggressiver, das macht immer mehr Spaß. Das ist deshalb Plan A", sagt Daniel Ricciardo zu Motorsport-Magazin.com.

"Wir haben eine andere Strategie", bestätigt Verstappen. Für ihn muss das aber nicht zwingen zwei Stopps heißen. "Das kommt auch auf den Reifenabbau und die Temperaturen an und wie sich die Dinge im Rennen entwickeln", sagt der Niederländer.

5 - S wie Shanghai-Wetter

Was wiederum zum nächsten Schlüsselfaktor in Shanghai führt: Wetter. Im Qualifying erreichten die Außen-, aber vor allem Asphalttemperaturen gerade einmal gut zweistellige Werte. Im Rennen soll das ganz anders aussehen wenn die Wolken verschwinden und direkte Sonneneinstrahlung für Außentemperaturen bis zu 20 Grad Celsius und damit auch einen dramatisch heißeren Asphalt sorgen soll.

Genau das dürfte den Ultrasoft als Rennreifen nur noch weniger brauchbar machen. "Die Bedingungen halfen dem Ultrasoft heute, der hat ein niedriges Arbeitsfenster. Aber das wird sich morgen ändern, wenn sich die Bedingungen ändern", sagt Isola. Helfen könnte der wärmere Wetter erstaunlicherweise mal Mercedes - gewöhnlich gilt das eher als Ferrari-Stärke.

Hintergrund: Soft und Medium haben ein höheres Arbeitsfenster - und schmecken den Silberpfeilen besser. Zumindest bestachen Hamilton und Bottas auf diesen Mischungen schon am Freitag und im Qualfiying bei Einzug in Q3. "Heute war es wirklich windig und kalt, morgen soll hingegen die Sonne scheinen. Wir sahen auf den härteren Mischungen besser aus und wir starten mit den weichen Reifen ins Rennen. Vielleicht können wir das zu unserem Vorteil nutzen", hofft Valtteri Bottas.

"Morgen erwarten wir viel höhere Streckentemperaturen und wir hoffen, dass wir diese Veränderung beim Setup richtig einkalkuliert haben", hofft Wolff auf Rettung durch das Wetter. Denn sonst sieht Mercedes eher schwarz gegen Ferrari. "Ich weiß nicht, ob wir morgen mitmischen können - wir waren heute eine halbe Sekunde hinten. Wir waren schneller im letzten Rennen, aber sie waren in der Lage, bis zum Ende vorne zu bleiben und werden wahrscheinlich morgen dasselbe machen", fürchtet Hamilton. "Aber morgen sollte es wärmer sein, was alles auf den Kopf stellen könnte."

6 - S wie Safety Car

Auf den Kopf stellen kann insbesondere jedoch etwas ganz anderes den China GP wie auch jedes andere F1-Rennen - das Safety Car. Oder nur die virtuelle Ausführung von Bernd Mayländers AMG, siehe Australien. In Shanghai beträgt die Wahrscheinlichkeit für einen Einsatz satte 60 Prozent zieht man nur die vergangenen fünf Ausgaben des China GP heran. Unterschätzen sollten die Teams diesen Faktor in ihren Kalkulationen also auf keinen Fall.

7 - S wie Sieger

Doch wer bewältigt all diese schwierigen Herausforderungen am besten? Der, der am Ende gewinnt. Soweit, so klar. Doch wer wird es sein? "Weiß ich nicht, schwer vorherzusagen", sagt Sebastian Vettel. Bisher ist es am Sonntag eng gewesen. Ich würde die jetzt alle nicht abschreiben. Die drei Top-Teams liegen alle nah zusammen, das sah gestern schon so aus."

Insgesamt wunderte sich Vettel, Mercedes im Qualifying so klar beherrscht zu haben. Ein spezielles Qualifying-Setup, das Ferrari dann im Rennen bestrafen wird, habe die Scuderia jedenfalls nicht erarbeitet. "Normalerweise macht Mercedes zum Samstag einen klaren Schritt. Das ist uns heute gelungen, ihnen nicht so", so Vettel viel einfachere These. Die einleuchtend erscheint, hört man nur an, wie sehr sich Mercedes über Probleme mit den Reifen beklagte, sogar das Comeback der Diva heraufbeschwor.

Im Rennen rechnet sich Mercedes dennoch etwas aus. Vor allem Valtteri Bottas scheint richtig angriffslustig, will nach Bahrain offenbar beweisen, dass er Vettel sehr wohl überholen kann. "Auf dem Papier ist das Überholen auf dieser Strecke einfacher als in Bahrain. Hoffentlich können wir morgen den verlorenen Boden wiedergutmachen", so der Finne.

Hamilton macht sich da schon mehr Gedanken. "Es wird morgen nicht einfach, Kimi und Sebastian zu schlagen. Sie sind auch die Schnellsten auf den Geraden, entsprechend wird es hart, sie zu überholen", fürchtet der Weltmeister. Doch Vettel warnt erneut: "Mercedes ist hier seit fünf, sechs Jahren sehr, sehr stark. Hoffentlich bleibt bei uns der Speed von heute erhalten."


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