"Der Wetterbericht sieht hier besser aus, ich sollte es diesmal leichter haben." - So lautete am Donnerstag die Prognose von Alex Marquez, nachdem er am Sachsenring speziell am verregneten Samstag noch hatte leiden müssen. Von den Ärzten gab es nach dem Handbruch bei der Dutch TT zwei Wochen zuvor ein absolutes Sturzverbot, weshalb die Startnummer 73 im Sprint kein Risiko eingehen konnte und sich letztlich mit P8 zufriedengeben musste. Auch eine Woche später noch nicht vollständig fit, wäre da ein trockenes Brünn-Wochenende nur allzu gerne gesehen gewesen. Doch Marquez erwischte offenbar den falschen Wetterbericht.
Denn der Freitag zum Tschechien-GP verkam zu allem, nur nicht zu einem 'normalen' MotoGP-Trainingstag. Morgendlicher Regen sorgte im FP1 zunächst für Mischbedingungen, ehe das Nachmittagstraining nach Starkregen sogar erst verspätet gestartet werden konnte. "Das war heute ein komischer Tag", blickte Alex Marquez am Freitagabend zurück. Die wirklich prekären Momente für ihn folgten aber erst in der Schlussphase des Trainings.
Dramatisches MotoGP-Training für Alex Marquez: Sturz, Sprint, Scooter, Top-10!
Bereits außerhalb der Top-Zehn auf Platz elf liegend, verlor Marquez knapp sieben Minuten vor Schluss in Kurve sieben die Front seiner Gresini-Ducati und ging zu Boden. Es folgten bange Minuten und ein Wettlauf gegen die Zeit. "Der erste Scooter, den ich nach dem Sturz gesehen habe, war der von Peccos Vater", berichtete Marquez lachend. "Ich habe eine gute Beziehung mit ihm, aber es wäre wohl schwierig gewesen, den zu bekommen. Ich habe dann noch einen weißen Scooter gesehen und mich entschieden, ihn zu nehmen. In Kurve drei haben sie die Service Road verändert, dort kommst du mit dem Scooter nicht mehr durch. Also musste ich dort absteigen, rennen und einen zweiten Scooter nehmen."
Zuvor noch Passagier, setzte sich der 28-Jährige aus Cervera diesmal selbst hinter den Lenker. "Der Erste wollte mich nicht fahren lassen, aber beim Zweiten habe ich dann nicht mehr mit mir reden lassen", scherzte Marquez und führte aus: "Als ich in der Box ankam dachte ich, dass ich zu lange gebraucht hätte. Als ich zum letzten Mal einen Bildschirm gesehen hatte, waren es nur noch fünf Minuten. Dann hörte ich aber jemanden rufen: 'Komm schon, komm schon!' Also war ich doch noch rechtzeitig zurück, hatte abgeliefert. Ich habe heute schon auf dem MotoGP-Bike viel riskiert, aber auf dem Scooter wahrscheinlich noch mehr. Er war am Ende voller Gras."
Getan war die Arbeit damit aber immer noch nicht, denn Marquez musste ja auch noch eine Rundenzeit abliefern, die ihn noch zurück in die Top-10 und damit in Q2 befördern würde. "Als ich die Zielflagge passiert habe, dachte ich zuerst, dass es nicht gereicht hätte. Ich hatte erwartet, dass sich die Anderen viel mehr verbessern würden. Als ich dann auf dem großen Bildschirm Platz neun gesehen habe, dachte ich mir nur: 'Wow!' Ich war richtig erleichtert." Am Samstag in voraussichtlich trockenen Bedingungen hat der Gresini-Mann damit weiter alle Chancen, kann auf den ersten Gang durch Q1 seit Indonesien 2024 verzichten. "Wenn alles gut geht, kannst du hinterher darüber lachen. Aber das ist keine Situation, die ein Fahrer erleben möchte", bilanzierte er schmunzelnd.
Marc Marquez als MotoGP-Vorbild: Alex schaut beim großen Bruder ab
Sturz, Sprint zur Garage und eine schnelle Rundenzeit in letzter Sekunde sind in der MotoGP sonst eigentlich nur von Bruder Marc Marquez bekannt. Das zeigte der achtmalige Weltmeister schon mehrfach - und Alex hat offenbar gut aufgepasst. "Ich habe das zu Moto2-Zeiten in der Box von Marc schon oft miterlebt", verrät der jüngere Marquez-Bruder. "Da lege ich deshalb großen Wert drauf. Ich weiß, dass so etwas passieren kann und sage meinem Team deshalb immer, dass beide Motorräder bereit sein sollen. In FP1 ist mir das egal, aber im Training und im Qualifying muss das zweite Bike jederzeit bereit sein. Wenn du um etwas kämpfst, dann zählt jedes Detail!" Wohl war. Das Gresini-Team war am Freitag bereit und der Lohn folgte mit der direkten Q2-Qualifikation zugleich.
Mit deutlich weniger Dramatik schaffte es am Freitag Rückkehrer Jorge Martin in die Top-Zehn. Wie der Spanier Tag eins seines Comebacks erlebt hat, erfahrt ihr in diesem Artikel:



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