Ein Rookie mischt die DTM auf! Finn Wiebelhaus (HRT-Ford) ist die positive Überraschung nach der ersten Hälfte der Saison 2026. Der Neueinsteiger aus dem Ford-Team HRT errang auf dem Norisring bereits seinen zweiten Podestplatz, nachdem er zuvor am Lausitzring erstmals das Treppchen erklommen hatte.
Welch großes Potenzial in dem 20-Jährigen steckt, hatte Wiebelhaus bereits beim Saisonauftakt am Red Bull Ring mit dem zweiten Startplatz im Sonntags-Qualifying aufblitzen lassen. Der gebürtige Obertshausener belegt den zehnten Platz in der Gesamtwertung sowie Rang eins im Rookie-Klassement und kann mit seiner bisherigen Performance hochzufrieden sein.
Finn Wiebelhaus bei Norisring-Debüt auf dem Podium
Vor allem sein Auftritt auf dem Norisring hat Spuren hinterlassen, denn: Wiebelhaus fuhr am Wochenende zum ersten Mal überhaupt in seiner jungen Karriere (viertes Jahr im Automobilsport) auf dem Nürnberger Stadtkurs! Im Samstagsrennen brachte er den sechsten Startplatz auf derselben Position ins Ziel, am Sonntag belegte er nach P2 im Qualifying den zweiten Platz hinter Doppelsieger Nicki Thiim (Comtoyou-Aston-Martin).
Sicherlich zählte der Ford Mustang GT3 Evo auf dem Lausitzring und am Norisring zu den performantesten Fahrzeugen im Starterfeld - Arjun Main im zweiten HRT-Auto holte eine Pole in der Lausitz und stand am Norisring ebenfalls auf dem Podest - doch gerade ein so junger Fahrer wie Wiebelhaus musste dem Druck erst einmal Stand halten und das Potenzial des Fahrzeuges ausschöpfen.

Manuel Reuter über Wiebelhaus: "Werden noch einiges von ihm hören"
Manuel Reuter, DTM-Ikone und seit 2024 bei HRT für den Nachwuchs zuständig, fand lobende Worte für den Auftritt seines Schützlings, der letztes Jahr das ADAC GT Masters im Mustang gewann. "Ich bin sehr stolz, wie Finn die Dinge umsetzt", sagte der 64-Jährige zu Motorsport-Magazin.com. "Man kann es nicht hoch genug bewerten, am Norisring beim vierten DTM-Wochenende einen fehlerlosen Job zu machen. Das zeigt nur, was für ein Potenzial Finn hat. Von ihm werden wir in den nächsten Jahren noch einiges hören."
Reuter gefiel besonders, wie umsichtig Wiebelhaus gegen die etablierte Konkurrenz zu Werke geht. "Er fährt mit Köpfchen", meinte der DTM/ITC-Champion von 1996 und zweimalige Le-Mans-Sieger. So wie im zeitweise verregneten Sonntagsrennen auf dem Norisring, wo er Aston-Martin-Werksfahrer Thiim gehörig unter Druck setzte, mit dem Sieg vor Augen aber nicht die Brechstange auspackte. "Ich wollte auf dem Weg zum Podium kein zu großes Risiko eingehen, das wäre dumm gewesen", sagte Wiebelhaus später.

"Er hat sich bei den etablierten Jungs einen gewissen Respekt verschafft"
Sicherlich fährt bei DTM-Debütant Wiebelhaus auch eine gehörige Portion Druck mit an Bord, doch selbst von den großen Namen hat er sich bisher nicht einschüchtern lassen. Es sein ein schmaler Grat, so Reuter, einerseits selbstbewusst aufzutreten und andererseits keinen Blödsinn im Auto zu veranstalten: "Du musst hart und fair sein und dann auch mal sechs oder sieben Kurven Tür an Tür fahren. Keine dummen Moves machen. Ich glaube, da hat er sich über die vier DTM-Rennwochenenden bei den etablierten Jungs einen gewissen Respekt verschafft."
Etwa bei Teamkollege Maini, den Wiebelhaus am Lausitzring nach einem rundenlangen Duell auf dem Weg zum letzten Podestplatz niedergerungen hatte. "Es ist toll, einen so jungen, schnellen und talentierten Kerl neben mir zu haben, der mich immer pusht", sagte der stets respektvolle Inder im Anschluss an den Podiums-Fight. Das zahlt sich für ihn und das Team aus: Maini fährt seit vier Rennen konstant schnell und belegt den siebten Platz in der Meisterschaft.

Wiebelhaus und HRT: Das passt
Für Wiebelhaus geht es nun darum, seine steile Lernkurve fortzusetzen und mit weiteren starken Leistungen auf sich aufmerksam zu machen. Ford Racing hat ihn dieses Jahr bereits ins Ausbildungsteam aufgenommen. Beim HRT-Rennstall unter der Leitung von Uli Fritz hat Wiebelhaus ein sportliches Zuhause gefunden, das auch im dritten Jahr der Zusammenarbeit Früchte trägt.
"Dass sich das Team anfühlt wie eine Familie, ist wichtig für Finn", sagte Reuter, der Wiebelhaus als "zurückhaltend, ruhig und empathisch" beschrieb. Und weiter: "Wenn wir ihm dieses Gefühl geben können, und das versuchen wir, dann funktioniert er auch." Beim nächsten Rennwochenende in Oschersleben (24.-26. Juli 2026) hat der Super-Rookie der DTM eine weitere Gelegenheit, sich ins Rampenlicht zu fahren.
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