Während der Formel-Nachwuchs ein großes Sorgenkind in Motorsport-Deutschland bleibt, könnte es im GT-Bereich kaum besser laufen. Laurin Heinrich (24) und Max Hesse (24) haben ihren Arbeitgebern Porsche respektive BMW jüngst den Gesamt- und Klassensieg bei den 24 Stunden von Daytona beschert. An diesem Wochenende wollen die beiden jungen Werksfahrer beim 12h-Rennen im australischen Bathurst nachlegen.
Als weiteres Musterbeispiel für den heimischen GT-Nachwuchs gilt Finn Wiebelhaus. Der 19-Jährige hat 2025 auf einem Ford Mustang GT3 von HRT die Meisterschaft im ADAC GT Masters gewonnen - in seiner zweiten Saison und dem gerade mal dritten Jahr im Automobilsport!
Wiebelhaus: "Klares Ziel bleibt der nächste Schritt Richtung DTM"
Wiebelhaus macht aktuell auch abseits der Rennstrecke von sich reden: Er wurde ins Fahrer-Ausbildungsteam von Ford Racing aufgenommen, vor Kurzem in das Motorsport Team Germany berufen und jüngst als 'Motorsportler des Jahres' vom ADAC Hessen-Thüringen e.V. ausgezeichnet. 2022 hatte ihn der zweitgrößte Regionalklub des ADAC bereits als 'Kart-Sportler des Jahres' geehrt.
Trotz seines jungen Alters soll schon bald ein weiterer Aufstieg auf der Karriereleiter erfolgen: Wiebelhaus strebt nach einem Cockpit in der DTM. "Unser klares Ziel bleibt der nächste Schritt Richtung DTM", sagte der Obertshausener. "Noch ist nichts entschieden, aber wir arbeiten mit voller Konzentration daran, diese Chance möglich zu machen."
Ob es 2026 schon klappt mit dem DTM-Aufstieg? Sein Team HRT aus Drees am Nürburgring hat das Aufgebot für die bevorstehende Saison noch nicht bekanntgegeben. Der indische Ford-Werksfahrer Arjun Maini gilt auf einem der Ford Mustang GT3 als gesetzt. Daneben arbeitet sein bisheriger Teamkollege Fabio Scherer aus der Schweiz am Verbleib in der deutschen Traditionsserie. Wie viele Autos HRT dieses Jahr in der DTM an den Start bringen wird, ist noch nicht bekannt.
DTM ist zweitteuerste GT3-Rennserie der Welt
Auch für Wiebelhaus kommt es in erster Linie darauf an, das nötige Budget für die DTM zu stemmen. Für Spitzen-Cockpits werden bis zu 1,5 Millionen Euro jährlich fällig, womit die DTM nach der LMGT3-Klasse der WEC die teuerste GT-Rennserie der Welt ist.
Die Gründe für die hohen Kosten in der DTM sind klar: Zum einen fällt wegen es 'Ein-Fahrer-pro-Auto'-Prinzips im Gegensatz zu anderen GT3-Serien der sogenannte 'Bezahlfahrer' weg, der an der Seite eines Profis den kompletten Einsatz eines Fahrzeuges finanzieren kann. Zum anderen möchte der ADAC als Veranstalter den Anteil der 'Pay-Driver' so gering wie möglich halten, um den sportlichen Wettbewerb nicht zu beeinträchtigen.

"Neben der sportlichen spielt auch die finanzielle Herausforderung eine Rolle"
Was für Wiebelhaus spricht: Neben dem Titelgewinn im ADAC GT Masters setzte er sich auch in der 'Road to DTM'-Wertung durch. Seit 2024 schreibt der ADAC diese Förderung für Nachwuchstalente aus und übernimmt die nächstjährige DTM-Einschreibegebühr für den Sieger - aktuell immerhin im Wert von bis zu 134.000 Euro. Wiebelhaus' Vorgänger, der Finne Elias Sepännen, schaffte den Sprung allerdings nicht.
"Der ADAC hat schon eine gute Förderung auf die Beine gestellt", sagte Wiebelhaus bei der Präsentation des Motorsport Team Germany in München zu Motorsport-Magazin.com. "Es braucht aber zudem Sponsoren, die hinter einem stehen, wenn man das Geld nicht alleine aufbringen kann. Die DTM ist teuer und neben der sportlichen spielt auch die finanzielle Herausforderung eine Rolle. Das ist leider Teil des Motorsports, aber dafür ist es die beste Sportart der Welt."
Der ADAC würde es natürlich begrüßen, wenn mit Wiebelhaus ein 'Road-to-DTM'-Gewinner tatsächlich den direkten Aufstieg schafft. Der DTM-Promoter kann bei Cockpit-Fragen zwar seinen Input geben, nicht aber die Entscheidung treffen. "Uns wäre sehr daran gelegen", bestätigte ADAC-Motorsportchef Thomas Voss gegenüber Motorsport-Magazin.com. "Auch bei den anderen Fahrern hat es nie am Talent gelegen. Es ging immer nur um das Budget."

Manuel Reuter will Wiebelhaus in DTM verhelfen
Wiebelhaus hat mit Manuel Reuter einen weiteren prominenten Befürworter. Der ITC/DTM-Champion von 1996 und zweifache Le-Mans-Sieger betreut die Nachwuchstalente des HRT-Teams seit 2024 und kann Wiebelhaus' Fähigkeiten bestens einschätzen. "Wir arbeiten daran, Finn in die DTM zu bringen", sagte Reuter. "Es ist aber ein harter Weg, der viel Geld kostet."
Für den - man mag es angesichts seiner Top-Form kaum glauben - 64-jährigen Reuter gab es nur lobende Worte von Wiebelhaus, der genau zehn Jahre nach dessen DTM-Titelgewinn geboren wurde: "Ich habe mit 17 Jahren bei HRT begonnen und da brauchst du eine Art Vaterfigur an der Strecke. Für uns ist das Manuel. Das geht von Setup-Fragen bis hin zu allgemeinen Ratschlägen. Mit seiner Laufbahn ist er ein Riesenvorbild und kann uns elementare Dinge mitgeben, um ein guter Rennfahrer zu werden."
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