Es ist ziemlich genau ein Jahr her, seit Carlos Sainz seinen Wechsel zu Williams ankündigte. Damals sprach er noch von einer Herausforderung, die er "mit Freude und Positivität" angehen werde. Ein Jahr später sind Freude und Positivität ein seltener Gast in der Sainz-Garage. Der Spanier selbst sieht sich vom Pech verfolgt, aber ist das auch so? Oder hat Carlos Sainz in seiner elften Formel-1-Saison mit fehlender Performance zu kämpfen? Motorsport-Magazin.com hat sich sein bisheriges Jahr angesehen, um der Frage auf den Grund zu gehen.
"Pechvogel" Sainz hat in Silverstone die Nase voll
"Ich habe genug. Es ist immer das Gleiche. Ich kann gar nicht erklären, wie man sich als Athlet fühlt. Du tust alles, um ein gutes Resultat zu bekommen. Dann passiert etwas außerhalb unserer Kontrolle und wir sind draußen. Es ist frustrierend und deprimierend", lamentierte Sainz nach dem Großen Preis von Großbritannien.
Tatsächlich konnte er für den Zusammenstoß mit Charles Leclerc in der Schlussphase des Silverstone-Rennens nichts. Sainz wollte den Ferrari-Piloten in Stowe überholen, doch Leclerc rutschte mit seinen frischen Soft-Reifen auf dem noch leicht feuchten Asphalt von der Strecke und beschädigte dabei den FW47.
Eine sichere Punkteplatzierung wurde dank der Kollision zu einem zwölften Platz. Mit nur 13 WM-Punkten reiht sich Sainz zur Saisonhälfte auf Platz 15 in der Fahrerwertung ein, sieben Plätze hinter seinem Teamkollegen Alex Albon.
Die Pechsträhne des Carlos Sainz: Von Melbourne bis Silverstone
Schon bei seinem ersten Rennen in Blau war das Glück nicht auf Sainz' Seite. In der frühen Safety-Car-Phase drehte sich sein Williams-Bolide von der Strecke. Es kam zu einem extremen Drehmoment-Sprung nach einem schlechten Schaltvorgang und er verlor dabei die Kontrolle.
Der nächste Pechmoment kam in Bahrain: Bei einem Überholmanöver crashte Yuki Tsunoda in die Flanke des Spaniers. Sainz hievte seinen FW47 noch einige Runden weiter, aber nach einer 10-Sekunden-Strafe (mehr dazu später) und einer weiteren Kollision mit Tsunoda musste er den Großen Preis von Bahrain frühzeitig beenden.
Ähnliche Schicksale ereilten ihn auch in Miami, Spanien und Österreich. Das größte Pech erlebte Sainz in Kanada, als Isack Hadjar ihn auf seiner finalen schnellen Runde im Q1 behinderte. Sainz musste von einem enttäuschenden Platz 17 aus starten. Albon zeigte derweil, was möglich gewesen wäre, und schaffte es ins dritte Qualifying-Segment.
Carlos Sainz: Die Pech-Momente 2025 im Überblick
| Rennen | Qualifying | Rennergebnis | |
|---|---|---|---|
| Australien | 10 | DNF | Problem mit der Schaltung, Drehmoment-Sprung |
| Bahrain | 8 | DNF | Schaden nach Kollision mit Tsunoda |
| Miami | 6 | 9 | Schaden nach Kollision mit Albon |
| Spanien | 18 | 14 | Frontflügelschaden, überhitzender Motor |
| Kanada | 17 | 10 | Behinderung im Qualifying |
| Österreich | 19 | DNS | brennende Bremsen nach Formationsrunde |
| Großbritannien | 11 | 12 | Schaden nach Kollision mit Leclerc |
Sainz und Williams: Eingewöhnungsphase oder Performance-Schwierigkeiten?
Es war aber nicht alles nur Pech. Nach einem Teamwechsel sind Anfangsschwierigkeiten zu erwarten, aber bei Sainz sieht es in Sachen Performance nicht immer rosig aus. Das größte Problem ist das Qualifying. In China und Monaco blieb er in der zweiten Qualifyingrunde hängen, in Spanien, Kanada und Österreich schaffte es Sainz nicht über Q1 hinaus.
Im Vergleich: Teamkollege Alex Albon konnte sich bisher immer für das zweite Segment qualifizieren. Sainz fehlen zwar durchschnittlich nur 0,121 Sekunden auf den zweiten Williams, aber der Wert wird durch Albons unglückliches Bahrain-Qualifying verfälscht. Ohne das liegt Sainz im Durchschnitt 0,235 Sekunden hinter seinem Teamkollegen. Keine Welt, aber die Erwartungen an den Top-Fahrer Carlos Sainz waren nach dem beeindruckenden Wintertest höher.
Es muss aber erwähnt werden, dass Albon schon seit 2022 für Williams fährt und der FW47 über die Saison ein Problem mit den weichen Reifen entwickelt hat. Seit Spanien kam keiner der Williams-Piloten ins Q3, davor konnten das sowohl Albon als auch Sainz mehrmals schaffen. Sainz muss dazu noch seine gesamte Fahrweise umstellen. Nach dem China-Wochenende verriet er, dass er die Kurvenanfahrt im Williams ganz neu erlernen müsse.
Nicht jedes schlechte Ergebnis kann also Sainz selbst zugeschrieben werden. Im Renn-Vergleich hat Albon zwar auch die Nase vorne, doch Sainz konnte bereits gute Leistungen einfahren: In Saudi-Arabien und Imola kämpfte der Williams-Pilot mit den Spitzenteams und platzierte sich unter den Top-8.
Doch Sainz muss sich auch Fehler ankreiden lassen, die einem erfahrenen Piloten wie ihm nicht gerecht werden. In Bahrain drängte er bei einem aggressiven Überholmanöver Kimi Antonelli von der Strecke und bekam dafür eine 10-Sekunden-Strafe. Beim Miami-Sprint schoss er sich selbst aus dem Rennen, als er Kurve 14 zu eng nahm, die Wand touchierte und sich drehte. Im Qualifying in Österreich ging Sainz mehrmals über den Kerb und in den Kies. Später machte er unter anderem einen beschädigten Unterboden für sein Ausscheiden im Q1 verantwortlich.
Auch die bisherige Rennstatistik des Williams-Piloten sieht eher mager aus. Von zehn Grand Prix, die Sainz beendete, verbesserte er seine Position nur in vier. Und das auch nicht unbedingt aus eigener Kraft: In China profitierte Sainz von drei Disqualifikationen, in Monaco und Spanien verhalfen ihm Ausfälle und Strafen beim Aufstieg im Klassement. In Kanada zeigte er allerdings von Platz 17 eine Aufholjagd in die Punkteränge.
Die erste Williams-Saison von Carlos Sainz verläuft bisher durchwachsen, ob wegen Pech oder fehlender Leistung kann nur gemutmaßt werden. Die instabile Performance des FW47 trägt auf jeden Fall nicht zu einer leichteren Eingewöhnungsphase für Sainz bei. Verbesserung für dieses Jahr ist keine in Sicht. Die Williams-Mannschaft hat ihre Augen bereits auf die Entwicklung für 2026 gerichtet.
Carlos Sainz' ehemaliger Teamkollege, Charles Leclerc, ist seinem Team so treu wie kein anderer Fahrer im Feld. Aber ist die Ferrari-Liebe positiv? Christian und Markus diskutieren, ob Leclerc über einen Wechsel in Anbetracht ziehen sollte:



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