"Lasst uns das morgen wieder machen!", sagte Fernando Alonso und grinste dabei wie das berüchtigte Honigkuchenpferd. Der Formel-1-Doppelweltmeister sicherte sich im Qualifying in Montreal den sechsten Startplatz für den Großen Preis von Kanada und setzte damit seine Serie an Q3-Auftritten fort. Seit Imola tauchte der AMR25 des Spaniers immer im dritten Qualifying-Segment auf.

Am Samstag hatte Alonso den sechsten Platz so gut wie dauergebucht, im dritten Freien Training mischte der Aston-Martin-Pilot bei den vier Top-Teams mit. Wie schon am Freitag verzichtete der 43-Jährige auch im FP3 auf die Medium-Reifen und fuhr nur auf den weichen Pneus.

Es war also klar, was das Team aus Silverstone fürs Qualifying plante. Alonso stellte alle seine Bestzeiten in den drei Segmenten auf dem C5 auf, den Pirelli als mittlere Härtemischung zum Circuit Gilles Villeneuve mitbrachte. "Wir hatten schon in Imola das Gefühl, dass wir auf dem C5 mehr pushen können. Der Medium-Reifen fühlt sich auf unserem Auto besser an", verriet der 32-fache Grand-Prix-Sieger.

Beim Großen Preis der Emilia-Romagna wandte Aston Martin die gleiche Strategie an, zahlte im Rennen aber den Preis dafür: Für die mehreren Safety-Car-Phasen hatten sie keine frischen Reifen mehr zur Verfügung und mussten sich der Konkurrenz geschlagen geben. Das könnte auch in Montreal passieren, Alonso hat nämlich nur noch angefahrene Gummis auf Lager.

Der 43-Jährige sieht darin aber kein Problem: "Wir glauben, dass neue Reifen ein bisschen langsamer sind. Wahrscheinlich sind Mediums, die eine Runde alt sind, beim Start ein Vorteil." Aston Martin ist das einzige Formel-1-Team, das frische Pneus vor dem Rennen ankratzt, um so besser Grip zu generieren.

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Alonso schwört auf F1-Updates: Aston Martin seit Imola im Aufschwung

Nach einem schwachen Start in die diesjährige Formel-1-Saison ist die zuletzt starke Qualifying-Performance des AMR25 ein Lichtblick für Alonso: "Am Anfang des Jahres habe ich nicht verstanden, was das Auto braucht. Seit Imola fühle ich mich wohler, ich kann genaueres Feedback geben und Anpassungen vornehmen, von denen ich weiß, dass sie das Auto schneller machen", schilderte der Spanier.

Für die bessere Verbundenheit mit dem Aston-Martin-Boliden ist laut Alonso das umfangreiche Aerodynamik-Paket verantwortlich, das seit Imola im AMR25 verbaut ist. Tatsächlich zeigt sich seither ein Aufwärtstrend beim zweifachen Weltmeister. In Imola schaffte er seinen ersten Q3-Aufsteig in 2025, in Spanien holte er seine ersten WM-Punkte der Saison.

Trotz mehr Selbstbewusstseins ist sich Alonso aber bewusst, dass er mit hoher Wahrscheinlich nicht dort enden wird, wo er startet. Mit Lando Norris und Charles Leclerc lauern zwei Fahrer in schnelleren Autos direkt hinter ihm. "Es ist unrealistisch, zu glauben, dass wir auf dem sechsten Platz über die Ziellinie fahren werden. Ich kann mir P8 oder P9 gut vorstellen", zeigte sich der Spanier desillusioniert.

Das Wichtigste für ihn: Punkte holen. Nach dem sensationellen Top-5-Ergebnis von Nico Hülkenberg in Barcelona liegt Aston Martin nur auf dem vorletzten Platz in der Konstrukteurs-WM. "Wir möchten am Sonntagnachmittag zumindest wieder vor ihnen sein. Das ist mein persönlicher Anspruch", so Alonso.

Ganz bescheiden kann Alonso dann doch nicht bleiben. Angesprochen darauf, ob er von einem chaotischen Rennen profitieren könnte und vielleicht sogar ein Podium anstrebt, lächelte der Spanier schelmisch. "Ich denke beim Rennstart nie, dass ich Positionen verliere. Ich denke immer, dass ich Positionen gewinne. Es gibt Rennen, die alle Fahrer der Top-Teams beenden. Vielleicht ist das morgen nicht so und es gibt ein paar DNFs [Did Not Finish]", lachte Alonso.

Erneuter Q1-Abgang von Lance Stroll: Kein Glück, kein Grip

In der zweiten Aston-Martin-Garage sieht es weniger rosig aus. Lance Stroll schaffte es nicht über das erste Qualifying-Segment hinaus und erreichte nur den achtzehnten Platz. Durch Yuki Tsunodas Zurückversetzung von zehn Plätzen wegen eines Vergehens unter roter Flagge rutscht der Kanadier in der Startaufstellung auf P17 vor.

Nach seiner ersten schnellen Runde auf dem Soft-Pneu zog der Aston-Martin-Pilot den C5 auf. Doch dann löste Alex Albon eine rote Flagge aus, als sein Williams die Motorabdeckung verlor. Als alle Teile weggeräumt waren, standen nur mehr fünf Minuten auf der Uhr. Zu wenig Zeit, um den gelben Reifen ins richtige Fenster für eine Qualifying-Runde zu bringen.

"Wir hatten Pech. Ich hatte gleich gespürt, dass ich keinen Grip hatte. Das war das Problem", verteidigte Stroll seine Leistung. Aston Martin konnte auch nicht umdisponieren und ihm einen frischen roten Pirelli aufziehen, denn davon hatte er keine mehr.

George Russell und Max Verstappen sind keine guten Freunde. Beim Großen Preis von Kanada starten sie aber in der ersten Startreihe. In der Pressekonferenz hat Russell gestichelt und Verstappen hielt seine Meinung nicht zurück. Was passiert ist, gibt es im Artikel!