Formel 1

Nach F1-Crash: Stiller Krieg zwischen Verstappen und Ricciardo

Max Verstappen und Daniel Ricciardo sehen sich in Barcelona erstmals nach dem Red-Bull-Crash auf der Strecke wieder. Es herrscht stiller Krieg.
von Christian Menath

Motorsport-Magazin.com - Offiziell ist der Unfall zwischen Daniel Ricciardo und Max Verstappen beim Aserbaidschan GP vor zwei Wochen in Baku abgeschlossen. Die Stewards gaben beiden Formel-1-Piloten eine Verwarnung, das Team kommunizierte eine 50:50 Schuld nach außen. Auch die Fahrer äußerten sich moderat, keiner gab dem anderen den Schuld.

Dass solche Absprachen aber nur bedingt funktionieren, zeigte sich in Barcelona schon bei der ersten Antwort von Daniel Ricciardo. "Wie lange hast du gebraucht, um das Regelbuch zu lesen?", wollte Motorsport-Magazin.com vom wie immer gut gelaunten Australier wissen. "Das können sie wem anders geben. Ich brauche es nicht."

Red Bull spricht Baku-Crash ausführlich durch

Wer es braucht, das sagte Ricciardo selbstverständlich nicht. Doch gemeint kann nur einer sein: Teamkollege Max Verstappen. Nach dem Unfall mussten beide Red-Bull-Piloten in die Fabrik nach Milton Keynes. Dabei ging es nicht nur darum, sich bei den hunderten Mitarbeitern für das Doppel-Aus zu entschuldigen.

"Wir haben noch einmal alles durchgesprochen, sind alle Perspektiven durchgegangen", verriet Ricciardo. "Natürlich sind wir Fahrer kollidiert, aber wir haben uns auch die Rolle der Teamführung angesehen, die Rolle der Ingenieure und so weiter."

Max Verstappen: Meine Meinung ist egal

Max Verstappen gab sich zum Unfall gewohnt kurzsilbig: "Es ist egal was ich denke, wir sind kollidiert. Auch wenn ich eine Meinung dazu habe, ist es egal. Wir müssen nur sicherstellen, dass es nicht noch einmal passiert."

Formel 1 2018: Brennpunkte vor dem Spanien GP: (06:18 Min.)

Ricciardo hingegen hat die Szene offenbar noch genauer im Kopf. "Wenn man sich das Rennen noch einmal anschaut, dann ist es klar, dass wir kollidieren würden. Es hat sich über das Rennen aufgebaut", erinnert sich der Australier. Was er anders machen würde? "Als ich mich dazu entschlossen habe, innen reinzugehen, habe ich das früh genug gemacht ..."

Daniel Ricciardo: Ich trage keine Schuld

Also keine Schuldgefühle beim Australier? "Nein, ich fühle mich nicht schuldig. Ich verstehe aber, warum die Stewards ihre Entscheidung so treffen mussten..."

Ricciardo sieht sich also definitiv nicht in der Schuld, will und darf das aber nicht so sagen. Verstappen hingegen will gar nichts sagen. "Wir wollen natürlich jedes einzelne Rennen crashen", versucht er die Diskussionen im Keim zu ersticken - was natürlich nur bedingt funktioniert - und fügt an: "Wir versuchen, das natürlich nicht noch einmal passieren zu lassen. Überall ein paar Millimeter mehr lassen. Es ist Millimeterarbeit."

Kein Teamorder bei Red Bull Racing - oder doch?

Das Ergebnis der ausführlichen Meetings in Milton Keynes? Gibt es in Zukunft eine Teamorder? "Nein", stellt Verstappen schnell klar. "Wir haben viel Respekt füreinander und wir haben verstanden, dass wir einen Fehler gemacht haben. Wir wollen alle nicht crashen."

Doch Teamkollege Ricciardo verrät mehr: "Ich habe dem Team gesagt, dass ich Rennen fahren will, nicht 60 Runden hintereinander herfahren. Wenn das hintere Auto schneller ist und man dadurch Zeit verliert, gibt es wohl einen Platztausch - aber keine Garantie dafür." Bei Verstappen hört sich das auf Nachfrage etwas anders an: "Wenn es wie in Baku ist, sagt das Team vielleicht, dass man hinterherfahren soll. Aber generell vertrauen sie uns."

Ricciardo: Vielleicht muss ich schreien wie ein kleines Mädchen

Doch warum eigentlich griff das Team nicht schon in Baku ein und ließ Positionen tauschen? Ein normales Vorgehen in der modernen Formel 1. Schließlich konnte Ricciardo offenbar etwas schneller. "Ich habe schon am Funk gesagt, dass ich schneller kann", so Ricciardo, der seinen Fehler hier aber nicht ganz ernst gemeint selbst einsieht: "Vielleicht sollte ich schreien wie ein kleines Mädchen."

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Bleibt noch die Frage, warum Ricciardo überhaupt nach dem Boxenstopp hinter Verstappen zurückkam. Schließlich hatte er zuvor den Niederländer erst mühevoll überholt. Am Overcut von lag es nicht, glaub Ricciardo: "Der ist in Baku nicht so wirksam. Aber ich hatte an der Boxeneinfahrt Verkehr, bin auf Gasly aufgelaufen. Und am Boxenausgang auf Vandoorne."

Ricciardo hofft: Wenn Updates nicht schnell, bitte immerhin cool

Doch irgendwann war es auch dem redseligen Australier zu viel der Baku-Bohrerei in seiner Pressekonferenz. "Könnt Ihr nicht etwas zu Baku im letzten Jahr fragen", schickt er charmant in die Runde.

Gesagt, getan. Auf ein Leistungsplus vom Motor muss Red Bull allerdings verzichten, das neue Benzin gibt es für die Bullen ob es unterschiedlichen Treibstoffpartners nicht. Dafür gibt es wie an fast allen Autos Upgrades. "Wenn sie nicht schnell sind, dann sehen sie wenigstens cool aus", verspricht er.

Verstappen macht sich noch keine Sorgen

Max Verstappen nimmt die Stätte seines ersten Sieges vor allem als Hoffnung für Monaco. "Wenn wir hier unsere Probleme im Qualifying in den Griff bekommen, dann wird es in Monaco noch besser." Die angesprochenen Probleme beziehen sich selbstverständlich auf die fehlende Motorleistung im Qualifikationstrimm.

Aber die prinzipiellen Sorgen halten sich beim jüngste Formel-1-Sieger der Geschichte trotz mangelhafter Punktausbeute in der Saison 2018 in Grenzen: "Besorgt wäre ich, wenn wir langsam wären. Wir brauchen aber nur eine Wochenende ohne Probleme, dann kommen wir vielleicht Mal in eine Positiv-Spirale."


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