Den 24-Stunden-Marathon bestehend aus Le Mans, Nürburgring und Spa innerhalb von 16 Tagen hatte im Vorfeld nicht nur ich als "irre" und "wahnsinnig" bezeichnet. Die drei wichtigsten Langstrecken-Rennen des Jahres an aufeinanderfolgenden Wochenenden - eine brutale Herausforderung für alle Beteiligten, die sich negativ auf die Starterfelder und das Zuschauerinteresse auswirken muss. Oder?
Tja, die nackten Zahlen sprechen eine andere Sprache. Die 24 Stunden von Le Mans stellten mit 332.000 Zuschauern übers Wochenende ebenso einen neuen Besucher-Rekord auf wie der der Eifel-Klassiker am Nürburgring (280.000 Zuschauer) und das 24h-Rennen in Spa Francorchamps (128.000 Zuschauer).
Was lernen wir daraus? Der Motorsport lebt!
Gleiches gilt für die Starterfelder trotz doppelter oder gar dreifacher Belastungen für Fahrer, Teams und Hersteller: In Le Mans war die offizielle Warteliste hinter den 62 akzeptierten Autos lang wie eh und je, der Nürburgring konnte sich über 141 Einschreibungen (2024: 130) freuen und beim größten GT3-Rennen der Welt in Spa musste die SRO einige Interessenten ablehnen, weil mit 75 Autos das gesunde Limit erreicht war.
Was lernen wir daraus? Der Motorsport - nicht nur die große Formel 1 - lebt. Und zwar kräftig! Zwar berichten die großen Medien weiterhin nur sehr dosiert über diese öffentlichkeitsrelevanten Riesen-Veranstaltungen, und die Kritik wegen vermeintlicher Umweltverpestung durch die ach so bösen Verbrenner-Rennautos geistert weiter umher, aber das interessiert die meisten Sport-Fans offensichtlich nur wenig.
Und trotz grassierender Automobil-Krisen, in denen milliardenschwere Hersteller bzw. Aktionäre etwas weniger Gewinn einfahren als früher, scheint für den Motorsport doch noch etwas Geld im System vorhanden zu sein. Ich fürchte zwar, dass in Zukunft weitere Motorsportabteilungen den Gürtel noch enger schnallen müssen und Budgets noch mehr gekürzt werden, doch davon bekam zumindest die Öffentlichkeit nicht allzu viel mit.
| Rennen | Zuschauer | Gesamtsieger |
|---|---|---|
| 24h Le Mans | 332.000 | AF-Corse-Ferrari (Kubica/Ye/Hanson) |
| 24h Nürburgring | 280.000 | Rowe-BMW (K. van der Linde/Farfus/Marciello/Krohn) |
| 24h Spa-Francorchamps | 128.000 | GRT-Lamborghini (Bortolotti/Engstler/Pepper) |
24-Stunden-Marathon? Einmal und nie wieder, bitte
Die Rekordzahlen von Frankreich über Deutschland bis Belgien dürfen aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich ein solcher 24-Stunden-Marathon bitte nie mehr wiederholt. Wie voll wären die Tribünen wohl gewesen, wenn zwischen Le Mans, Nürburgring und Spa ein paar Wochen Luft gewesen wären? Zumindest bis 2028 wird es einen solchen 24h-Tripleheader zum Glück nicht mehr geben, weil der Nürburgring sein Rennen künftig wieder im Mai austrägt.
Will man nach Verlierern dieser Vollgas-Festwochen suchen, würde man sie am ehesten in der Berichterstattung finden. Für die Motorsport-Fachmedien war es schlichtweg unmöglich, wie sonst eine saubere Vor- und Nachberichterstattung zu realisieren. Dabei ist die Recherche besonders im Nachgang eines 24-Stunden-Rennens essentiell wichtig, um das Gesamtbild zu verstehen. Viele spannende Geschichten fielen diesmal dem Terminstress zum Opfer, und das ist derart tollen Rennen leider nicht würdig.
Aber wie heißt es so schön: The Show must go on. Am kommenden Wochenende gastiert die DTM mit vielen Teilnehmern des 24-Stunden-Marathons auf dem Norisring. Rund 100.000 Besucher werden beim Saisonhighlight auf dem Nürnberger Stadtkurs erwartet. Oder wie es Wolfgang Schlosser, Vorstand des veranstaltenden MotorSportClub Nürnberg, jüngst formulierte: "Der Motorsport ist weiter und wieder geil!"



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