Bei der 77. Auflage des 24-Stunden-Rennens in Spa-Francorchamps hat Lamborghini an diesem Sonntag Motorsport-Geschichte geschrieben: Die werksunterstützte österreichische Mannschaft Grasser Racing Team (GRT) hat dem italienischen Autobauer den ersten 24-Gesamtsieg überhaupt beschert. Heißt: Eines der vier berühmten Langstreckenklassiker Daytona, Le Mans, Nürburgring und Spa gewonnen, gleichzeitig der Langstrecken-Grand Slam über die Distanz von 24 Stunden.

In einem bis zum Schluss äußerst engen und spannenden Rennverlauf mit vielen Zwischenfällen und teils sehr schweren Unfällen setzte sich das von Platz zwölf gestartete GRT-DTM-Trio Mirko Bortolotti, Luca Engstler und Jordan Pepper im Huracan GT3 EVO vor 128.000 Zuschauer am Wochenende (Rekord) mit nur 8,703 Sekunden Vorsprung auf Sven Müller, Patric Niederhauser und Alessio Picariello im Rutronik-Porsche 911 GT3 R durch. Sie verfehlten somit den möglichen achten Gesamtsieg der Zuffenhausener nur ganz knapp.

Rang drei (26,639 Sekunden zurück) belegten die von Rang fünf gestarteten Ferrari-Piloten Vincent Abril, Alessandro Pier Guidi und Alessio Rovera im AF Corse-Ferrari 296 GT3 vor ihren AF Corse-Teamkollegen Eliseo Donno/Antonio Fuoco/Arthur Leclerc. Dieses Ferrari-Trio profitierte am Ende von einer 20-Sekunden-Zeitstrafe für Raffaele Marciello wegen mehrmaliger Tracklimit-Verstöße. Davon waren auch seine beiden Partner Augusto Farfus und Jesse Krohn betroffen. Noch am vergangenen Wochenende hatten sie gemeinsam mit Kelvin van der Linde über die gleiche Distanz am Nürburgring triumphiert - ebenfalls in einem ROWE-BMW.

Zwei weitere BMW vom werksunterstützten Team WRT sorgten auf den Positionen sieben und acht dafür, dass die Rekordsieger aus München (25 Gesamtsiege) mit drei GT3-Sportwagen in den Top8 das beste Herstellerergebnis erzielten. Lamborghini ist bei dem Rennen zweimal rund um die Uhr auf der Ardennen-Achterbahn der insgesamt 19. Hersteller/Marke mit einem Gesamtsieg. Das trifft auch auf die drei Fahrer Bortolotti, Luca Engstler und Pepper zu, die ebenfalls erstmals auf dem belgischen Formel-1-Kurs triumphierten.

Dagegen verfehlten das BMW-WRT-Team rund um Motorad-Legende Valentino Rosso und den dreimaligen DTM-Champion Rene Rast sowie den früheren Formel-1-Piloten Kumai Kobayashi den erhofften Top-10-Platz unter insgesamt elf BMW-Mannschaften um lediglich 90 Sekunden. Diejenigen, die P10 verhinderten, nämlich Lucas Auer, Matteo Cairoli und Maro Engel waren das beste von insgesamt zwölf Teams, mit der die Sternmarke das stärkste Aufgebot stellte. Eine mögliche Chance auf eine vordere Platzierung war aber trotz 2:17er Zeiten nicht realistisch.

24 Stunden von Spa: 30 Ausfälle, 5 verschiedene Hersteller in Top-6

Insgesamt kamen nur 44 von 74 gestarteten Sportwagen in Wertung. Zu den 30 „Ausfallopfern“ bei den insgesamt absolvierten 549 Runden (3.845,196 km) gehörten auch Philipp Eng/Daniel Harper/Max Hesse in einem weiteren ROWE-BMW sowie David Schumacher und Finn Wiebelhaus, die in einem Ford Mustang GT3 von HRT Performance ebenfalls kurz vor Schluss wegen technischer Probleme ihre Box ansteuern mussten und deshalb die begehrte Zielflagge nicht sahen. Fünf unterschiedliche Hersteller (Lamborghini, Porsche, Ferrari, BMW und McLaren platzierten sich innerhalb einer Runde (549) unter den besten sechs Platzierten des Gesamtklassements im größten GT3-Rennen der Welt mit zehn verschiedenen Herstellern/Marken.

Etliche Top-Teams mussten in dem von großer Hitze begleiteten Marathon schon vorzeitig alle Hoffnungen begraben. Dazu zählten unter anderen auch die Polesetter Goethe/Loake/Kirchhöfer (Garage 59 McLaren) sowie Gounon/Schiller/Stolz (GetSpeed-Mercedes-AMG), Sheldon van der Linde/Dries Vanthoor/Wittmann (ROWE-BMW), Martin, Götz, Grenier (Boutsen-VDS-Mercedes-AMG), Auer/Cairoli/Engel (Winward-Mercedes-AMG), Mapelli, Mitchell, Perera (VSR-Lamborghini), Heinemann/Ineichen/Sturm (Herberth-Porsche 911 GT3 R sowie die Vorjahressieger Drudi, Thiim und Sörensen im Comtoyou-Aston Martin.