Gerade einmal fünf Runden schaffte Liam Lawson am gesamten Freitag der Formel 1 in Montreal. Nach einem Hydraulik-Defekt früh im Training konnten die Mechaniker den Boliden nicht mehr rechtzeitig zum Sprint-Qualifying des Kanada GP reparieren, sodass der Neuseeländer zum Zuschauen verdammt war.

Als wäre das nicht schon ärgerlich genug, gab es noch Regel-Ärger. Nach dem Training musste Liam Lawson zusammen mit Teamverantwortlichen bei den Stewards antanzen, weil sein Bolide für eine unnötige Rot-Unterbrechung gesorgt hatte.

Die Marshals scheiterten daran, den Racing Bull, der direkt neben einem Notausgang zum Stehen kam, von der Strecke zu schieben. Durch den Hydraulik-Defekt blieb Lawson in einem Gang stecken, sodass er das Getriebe nicht in neutral versetzen konnte.

Formel-1-Reglement knallhart: CDS muss immer funktionieren

Genau für solche Fälle gibt es eigentlich einen Mechanismus, den die Marshals über einen Knopf auf dem Chassis aktivieren können. Dadurch wird das sogenannte Clutch Disengagement System ausgelöst, das auch bei einem Hydraulik-Defekt dafür sorgen muss, dass für mindestens 15 Minuten ausgekuppelt wird.

Artikel C9.3 beschreibt eindeutig, dass nach Betätigung des Knopfs ausgekuppelt werden muss, auch im Falle eine Hydraulik-, Pneumatik oder Elektrik-Defekts. Gleichzeitig muss durch das Auslösen das ERS heruntergefahren werden.

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Weil das System am Racing Bull mit der Startnummer 30 nicht funktionierte, belegten die Stewards das Team mit einer Geldstrafe in Höhe von 30.000 Euro, wovon 20.000 Euro zur Bewährung ausgesetzt sind. Bei Wiederholung des Problems in den nächsten 12 Monaten wird die volle Summe fällig.

Die Stewards reagierten aus zwei Gründen so sensibel auf das Problem. Einerseits musste das Training deshalb unterbrochen werden. Eigentlich hätte eine kurze VSC-Phase genügt, um den havarierten Boliden in den Notausgang zu schieben. So musste ein Manitou auf die Strecke und das Auto wegheben.

Racing Bulls mit anfälligem System: Von der FIA schon gewarnt

Der zweite Grund für die Ungnade der Stewards ist, dass das die Racing Bulls schon 2025 für das Design ihres CDS verwarnt wurden. Jo Bauer, der Technische Delegierte der FIA, hegte schon damals Zweifel, weil das CDS der Racing Bulls eine zweite Funktionen übernimmt. Neben der eigentlichen Funktion, die es laut Reglement erfüllen muss, ist der Anti-Stall-Modus bei den Racing Bulls mit dem CDS gekoppelt.

Das führt offenbar zu einer größeren Fehleranfälligkeit. Das Problem dürfte auch Red Bull betreffen, da Getriebe und Hydraulik vom großen Bruder aus Milton Keynes kommen.

Die Stewards nehmen aber auch die FIA in die Pflicht. Denn Lawson wies bei der Anhörung daraufhin, dass die Marshals nicht ganz ordnungsgemäß handelten. Zunächst versuchten sie, das Auto trotz eigelegten Ganges zu schieben.

Anschließend dauerte es eine Weile, ehe der richtige CDS-Knopf gefunden und gedrückt wurde. Dabei sind Position des Knopfes und die Markierung bei allen Formel-1-Autos identisch. Zuvor betätigte der Marshal einen Knopf an der Onboard-Kamera, die den kuriosen Bergungsversuch auch noch aufzeichnete.

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