Nicht nur für Abt Sportsline beginnt 2026 mit dem Lamborghini Temerario GT3 ein neues Kapitel in der DTM, sondern auch für den Neuzugang Luca Engstler. Der 26-Jährige folgt gemeinsam mit seinem Lamborghini-Werksfahrerkollegen Marco Mapelli auf Mirko Bortolotti und Nicki Thiim, die die Äbte nach nur einem Jahr wieder verlassen haben.
Engstler ist nach zuletzt zwei Jahren bei GRT-Lamborghini zu Abt Sportsline gewechselt und bestreitet seine erste DTM-Saison für die Kemptener. Damit verringert sich sein Arbeitsweg deutlich: Engstler wohnt nur acht Fahrminuten entfernt von der imposanten Firmenzentrale des Autoveredlers.
Luca Engstler: In der DTM pfui, in der GT World Challenge hui
Engstler blickt auf ein durchaus charakterbildendes Jahr in der deutschen Traditionsserie zurück. Nach zwei Siegen 2024 mit großen Hoffnungen in die Saison gestartet, war er seinem GRT-Teamkollegen Jordan Pepper deutlich unterlegen. Während der Südafrikaner bis zuletzt um die Meisterschaft kämpfte, landete Engstler mit nur halb so vielen Punkten abgeschlagen auf dem zwölften Platz.
Ebenso gelang dem Allgäuer mit GRT der bisher größte Erfolg seiner Karriere: Zusammen mit Pepper und Mirko Bortolotti gewann er das 24-Stunden-Rennen in Spa-Francorchamps, also das wichtigste GT3-Rennen der Welt. Außerdem holten Engstler und Pepper die Vize-Meisterschaft in der Sprint-Wertung der GT World Challenge. In der DTM pfui, in der GT World Challenge hui - wie passt das trotz des baugleichen Autos zusammen?

"Du kannst dir vorstellen, wie man dasitzt und alles hinterfragt"
"Du kannst dir bestimmt vorstellen, wie man dann abends dasitzt und alles hinterfragt. Dich selbst, das Projekt", blickte Engstler im Video-Interview (siehe weiter oben) mit Motorsport-Magazin.com zurück. "Warum habe ich in Spa eine wahnsinnige Pace und fahre in der GT World Challenge auf Jordans Niveau - und vier Tage später klappt es in der DTM nicht mehr?"
Während Pepper wenige Tage nach dem Spa-Triumph seinen ersten DTM-Sieg auf dem Norisring folgen ließ, fiel Teamkollege Engstler in beiden Rennen auf dem Nürnberger Stadtkurs vorzeitig aus. "Das ist halt auch, was unseren Sport auszeichnet - und auch, was dir den Antrieb gibt: der Wille, der Beste zu sein", so Engstler. "Und das ist eben so schwierig, weil es nicht so einfach ist. Es ist nicht so, dass du dich ins Auto setzt und automatisch immer auf Pace bist."
Auch im Motorsport spiele das Selbstvertrauen eine große Rolle und es gehe darum, ein Momentum aufzubauen. Pepper, über den Winter zu BMW gewechselt und erst einmal nicht mehr in der DTM am Start, habe 2025 einfach bessere Arbeit geleistet, erkannte Engstler ebenso unumwunden an.
"Du kannst Autorennen fahren - und musst auch nicht daran zweifeln"
Wie es anders laufen kann, spürte er selbst 2024 in seinem zweiten DTM-Jahr und dem ersten beim Grasser Racing Team: Engstler gewann ein Rennen beim Auftakt in Oschersleben, reiste als Meisterschaftsführender ab und belegte auch nach dem zweiten Rennwochenende noch einen Platz in den Top-6 der Tabelle. Zwar konnte er nicht konstant an diese Erfolgswelle anknüpfen, schloss das Jahr aber mit seinem zweiten Sieg beim Finale in Hockenheim ab.
"Wenn du das erste Rennen gewinnst, merkst du, dass der Fokus auf dir liegt", erinnerte sich Engstler. "Du fühlst dich selbstbewusst und gehst ganz anders an die Nummer ran. Und wenn du dann im nächsten Jahr schlecht reinstartest, dich nicht ganz so wohl fühlst mit dem Auto, dann driftet das ein bisschen in die falsche Richtung. Das sind Dinge, mit denen man umgehen muss und aus denen man seine Lehren zieht. Aber der Sieg in Spa zeigt dir dann doch wieder: Du kannst Autorennen fahren - und du musst auch nicht daran zweifeln."
Engstler vor erster DTM-Saison mit Abt Sportsline
Dass Engstler das Potenzial für große Erfolge aufweist, hat er nicht erst mit dem Spa-Triumph und seinen zwei DTM-Siegen unter Beweis gestellt. 2021 gewann er die Meisterschaft in der inzwischen eingestellten ADAC TCR Germany, bevor er im Folgejahr in den GT3-Sport wechselte und sogar Audi-Werksfahrer wurde. Nach seinem DTM-Debüt 2023 beim Familienrennstall ereilte Engstler allerdings ein bitterer Rückschlag, weil Audi die Werksunterstützung im Kundensport einstampfte.
"Das war für mich eine enorm schwierige Zeit", so Engstler. "Ich hatte keinen Drive, keiner wollte mich so richtig, aber Gottfried (Grasser, GRT-Chef; d. Red.) hat mir die Möglichkeit gegeben, weiter DTM zu fahren. Dafür bin ich ihm - und auch seiner Frau Elli - noch heute mega-dankbar, dass sie mir diese Möglichkeit gegeben haben. Dann habe ich abgeliefert und meinen Vertrag bei Lamborghini bekommen."

Als Lambo-Werksfahrer will Engstler nun mit Abt Sportsline und dem brandneuen Temerario GT3 zurück in die Erfolgsspur finden. Der Traditionsrennstall will nach seiner schlechtesten DTM-Saison seit 2018 ebenfalls zurückschlagen. Ein konkretes Ziel wollte Engstler, der bereits auf der Nordschleife mit den Äbten zusammengearbeitet hat, nicht ausgeben: "Das Maximum rausholen, eine wahnsinnige Vorbereitung hinlegen, viel Arbeit investieren, alles geben - und dann gucken, was dabei rauskommt."
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