Bei Abt Sportsline steht ein umfangreicher Neuanfang in der DTM-Saison 2026 bevor. Nach dem schlechtesten Team-Ergebnis seit 2018 - nur Platz sieben in der Meisterschaft und halb so viele Punkte wie der Lamborghini-Rennstall GRT - soll es im zweiten Jahr als werksunterstütztes Lambo-Team wieder aufwärts gehen.

Neue Fahrer, ein neuer Rennwagen und eine veränderte Teamstruktur - die Äbte haben praktisch keinen Stein auf dem anderen gelassen. Das Fahrer-Duo besteht dieses Jahr aus den beiden Lamborghini-Werkspiloten Luca Engstler und Marco Mapelli. Während der Allgäuer Engstler von GRT wechselt, steht der Italiener Mapelli vor seinem Debüt in der deutschen Traditionsserie.

Neues Auto, neue Fahrer: ABT stellt alles auf den Kopf (14:35 Min.)

Bortolotti und Thiim: Abt-Aus nach nur einem Jahr

Nicht mehr an Bord sind die Top-Fahrer Mirko Bortolotti und Nicki Thiim, die Abt Sportsline nach nur einem Jahr verlassen haben. Ex-Champion Bortolotti ist zum Grasser Racing Team zurückgekehrt, während Aston-Martin-Werksfahrer Thiim bei Comtoyou Racing erstmals die Gelegenheit bekommen hat, ein Fahrzeug seines britischen Hauptarbeitgebers in der DTM zu steuern.

Engstler, der in Kempten bei den Äbten um die Ecke wohnt, steht vor seiner vierten Saison in der DTM. 2025 ging der 25-Jährige bereits auf einem Abt-Lamborghini beim 24h-Rennen Nürburgring an den Start. "Als ich zum ersten Mal für Abt gefahren bin, war da am Anfang schon ein gewisser Druck", sagte Engstler zu Motorsport-Magazin.com. "Du denkst, dass du abliefern musst, weil alle hingucken. Es ist aber ein sehr familiäres Team, in dem man sich wohlfühlt und Bock auf die Zusammenarbeit hat."

Luca Engstler: "Eigene Erwartungen sind immer die höchsten"

Druck, jetzt auch in der DTM für das erfolgreichste Team in der aktuellen Startaufstellung zu fahren, machte sich der Rennfahrersohn aber nicht. Engstler: "Die eigenen Ziele sind so hoch, dass du dich eigentlich nicht davon beeinflussen lässt, was für ein Druck von außen kommt. Du willst ja immer deinen Erwartungen gerecht werden. Und die eigenen Erwartungen - zumindest bei mir - sind immer die höchsten."

Engstler konnte 2025 in seiner zweiten Saison mit GRT nicht an die Leistungen aus dem Vorjahr anknüpfen, als er zwei Rennen gewann und insgesamt dreimal auf dem Podest stand. Sein Teamkollege Jordan Pepper, inzwischen BMW-Werksfahrer, kämpfte mit dem Lamborghini Huracan hingegen bis zuletzt um den Titel. Dafür errang Engstler einen seiner größten Erfolge abseits der DTM: Mit seinen GRT-Teamkollegen Pepper und Bortolotti gewann er das 24-Stunden-Rennen von Spa-Francorchamps.

Luca Engstler und Marco Mapelli bei Abt Sportsline
Neue Abt-Fahrer in der DTM: Luca Engstler und Marco Mapelli, Foto: Janek Lehr, ABT Sportsline GmbH

Marco Mapelli: DTM-Rookie mit 38 Jahren

Mit Mapelli erhält Engstler zwar einen DTM-Neueinsteiger an seiner Seite, doch der 38-Jährige verfügt über immense Erfahrung. Seit 2010 ist er im GT-Sport aktiv und seit 2017 als Teil des Lamborghini-Werkskaders. Mapelli fuhr jahrelang in der Blancpain/GT World Challenge, im ADAC GT Masters und zuletzt wieder in der IMSA-Meisterschaft. Seit 2023 geht er zudem für Abt Sportsline am Nürburgring an den Start.

An das Gefühl, ein Auto und ein Ingenieurs-Team wieder komplett für sich alleine zu haben statt alles mit Teamkollegen zu teilen, muss sich Langstrecken-Spezialist Mapelli gewöhnen. "Ich erwarte in der DTM ein extrem hohes Niveau - aus Fahrersicht, aus Teamsicht und auch, was die Vorbereitung betrifft", sagte er zu Motorsport-Magazin.com. "Das ist wahrscheinlich das höchste Level im GT-Racing. Und ich erwarte viel harte Arbeit, manchmal auch Kopfschmerzen - aber auf jeden Fall viel Spaß!"

Mapellis größte Herausforderung dürften die stets ultra-engen Qualifyings sein, die in der DTM oftmals schon die halbe Miete ausmachen. Dazu meinte der Lambo-Routinier ehrlich: "Ich muss da sicher wieder ein bisschen reinfinden. Ich kenne das Prinzip - etwa von Shootouts wie auf der Nordschleife oder auch in Bathurst - aber die DTM ist in dieser Hinsicht noch spezieller. Das ist etwas, woran ich arbeiten muss."

Marco Mapelli bei Abt Sportsline
Lamob-Werksfahrer Marco Mapelli gibt sein DTM-Debüt, Foto: Janek Lehr, ABT Sportsline GmbH

Abt Sportsline in der DTM mit neuem Lamborghini Temerario GT3

Vorteil Mapelli: Er war von Beginn an tief in die Entwicklung des brandneuen Lamborghini Temerario GT3 eingebunden, der dieses Jahr den Huracan ersetzen wird. Von dem Wissen können auch die Äbte profitieren, die ihre Autos aufgrund der arg begrenzten Stückzahl erst vor Kurzem in Empfang nehmen konnten. Die finalen DTM-Designs werden zu einem späteren Zeitpunkt präsentiert. Die Lambo-Konkurrenz von GRT steht vor einer ähnlichen Herausforderung und muss sich schnellstmöglich mit dem V8-Twinturbo-Geschoss vertraut machen.

"Der Temerario ist ein komplett anderes Auto im Vergleich zum Huracan", beschrieb Engstler seine Eindrücke nach den von Lamborghini Squadra Corse durchgeführten Testfahrten. "Lamborghini hat aber ebenso einen Ansatz gewählt, Komponenten, die im Huracan gut funktioniert haben, minimal zu adaptieren und ins neue Auto reinzubringen. Deswegen hatten wir wenig Probleme."

Teamkollege Mapelli erklärte: "Wir haben in der Entwicklung vor allem die Grundlagen gelegt. Wir haben aber nicht die Performance-Entwicklung bis ins letzte Detail vorgenommen - also in Richtung DTM, GT World Challenge oder IMSA. Das sind unterschiedliche Entwicklungsrichtungen, und zeitlich waren wir limitiert. Die letzten zehn Prozent fehlen noch. Gerade in der DTM, wo du dein eigenes Auto hast und sehr gezielt abstimmen kannst, ist das entscheidend."

Luca Engstler bei Abt Sportsline
Steht vor seiner vierten DTM-Saison: Luca Engstler, Foto: Janek Lehr, ABT Sportsline GmbH

Veränderte Team-Struktur bei Abt Sportsline

Bei den Äbten, die seit dem Jahr 2000 ununterbrochen in der DTM engagiert sind und lange Zeit als Audi-Werksteam antraten, hat sich zudem etwas bei der internen Struktur getan. Der frühere DTM-Champion Martin Tomczyk kümmert sich 'nur' noch ums 24h-Nürburgring-Projekt, während Abt-Geschäftsführer Thomas Biermaier wieder die Doppelrolle als DTM-Teamchef eingenommen hat. Außerdem ist der bisherige Renningenieur Leon Wippersteg zum Projektleiter für den kompletten GT-Sport befördert worden.

"Wir freuen uns sehr, Luca und Marco in unserem Team zu haben", wurde Biermaier in einer Pressemitteilung zitiert. "Schon in den ersten Wochen haben wir gemerkt, dass beide nicht nur sportlich, sondern auch menschlich perfekt zu uns passen. Gemeinsam haben wir ein klares Ziel: wieder erfolgreich zu sein. Mit Luca und Marco sind wir auf einem sehr guten Weg, dieses Ziel zu erreichen."

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