Das BMW-Team Rowe Racing (Farfus, Krohn, Marciello, K. van der Linde) hat die 53. Auflage der 24h Nürburgring gewonnen. Schlussfahrer Kelvin van der Linde überquerte die Ziellinie nach 141 Runden zwar nur als Zweiter mit 22,190 Sekunden Rückstand, profitierte aber von einer während des Rennens ausgesprochenen 1:40-Minuten-Zeitstrafe für Vordermann Kevin Estre im #911 Manthey-Porsche.

Harte Kritik an Manthey-Strafe bei 24h Nürburgring (10:31 Min.)

Das Team Manthey hatte einen Protest gegen die Bestrafung eingelegt, der aber wenige Minuten vor dem Rennende abgewiesen wurde. Der von der Pole Position gestartete Grello-Porsche (Estre, Güven, Preining) fiel infolge der Strafe auf den zweiten Platz zurück. Das Porsche-Team Dinamic GT (Buus, Cairoli, Hartog, Sturm) komplettierte das Podium nach einem höchst turbulenten Rennwochenende vor der Rekordkulisse von 280.000 Zuschauern.

Kurios: Stromausfall legt 24h Nürburgring für Stunden lahm

Für Rowe Racing war es der zweite Sieg beim Eifel-Klassiker nach 2020, während Rekordhalter BMW zum 21. Mal triumphierte. Dabei hatte der Autobauer aus München nur ein einziges GT3-Auto an den Start geschickt - so wenig wie seit vielen Jahren nicht mehr.

Zwar ging das 24h-Rennen bei durchgängig trockenen Bedingungen und hochsommerlichen Temperaturen über die Bühne, einen neuen Distanzrekord gab es allerdings nicht zu vermelden. Am frühen Samstagabend, eineinhalb Stunden nach dem Rennstart, sorgte ein defektes Kühlaggregat für einen Stromausfall, der die Boxengasse für zwei Stunden lahmlegte. Es war die zehnte Unterbrechung in der Geschichte des Eifel-Rennens - und vermutlich die kurioseste.

Szene des Rennens Manthey-Porsche in Unfall verwickelt

Die entscheidende Szene des Rennens ereignete sich in der 104. Runde, um 10:20 Uhr am Sonntagmorgen: Manthey-Fahrer Estre geriet an der Spitze unter Druck von Raffaele Marciellos BMW, der innerhalb weniger Runden fast 20 Sekunden aufgeholt hatte. Bei einer Überrundung geriet Estre mit einem Aston Martin Vantage GT4 aneinander.

Es kam zur Kollision, woraufhin Aston-Pilot Rolf Scheibner die Kontrolle verlor, quer über den Asphalt rutschte, sich überschlug und auf dem Dach landete. Scheibner soll in Ordnung sein, war aber einer von insgesamt vier Piloten im Rennen, die ins Krankenhaus eingeliefert werden mussten. Estre verteidigte zunächst die Führung, aber knapp drei Stunden nach dem Unfall urteilten die Sportkommissare: 1:40-Minuten-Zeitstrafe für Manthey. Zu diesem Zeitpunkt hatte BMW-Fahrer Augusto Farfus erstmals die Führung vom Grello übernommen (Runde 118), der zuvor 77 Runden in Folge an der Spitze lag.

Es wurde noch turbulenter, denn Manthey-Porsche akzeptierte die Bestrafung der Sportkommissare nicht und legte noch während des Rennens einen Protest ein; den die Sportkommissare wenige Minuten vor Schluss abwiesen.

Wegen unterschiedlicher Boxenstopp-Sequenzen wechselte die Führung zwischen dem Manthey-Neunelfer und dem Rowe-BMW in der Schlussphase mehrfach. Die beiden Autos bestimmten das Geschehen ganz eindeutig und waren die einzigen Autos in der Führungsrunde, die restlichen verbliebenen Autos waren fast durchweg nur Statisten beim Kampf um den Sieg.

Spätes Drama um Abt-Lamborghini

Der #28 Lamborghini von Abt Sportsline (Mapelli, Engelhart, Engstler) sah bis 30 Minuten vor Schluss wie der sichere Drittplatzierte aus, bis ein technisches Problem den GT3-Huracan zurückwarf. Das Schwesterauto um den Permit-bedrohten Mirko Bortolotti war zuvor wegen eines Getriebeschadens ausgeschieden.

Vom späten Drama der Äbte profitierte der #54 Porsche 911 GT3 R von Dinamic GT (Buus, Cairoli, Hartog, Sturm), der kampflos den dritten Platz auf dem Podium erbte. Der Abt-Lambo kassierte im Nachgang noch eine Zeitstrafe und fiel auf Platz fünf zurück. Damit P4 für den Ford Mustang GT3 von HRT mit der Startnummer #65 (Fetzer, D. Schumacher, S. Owega, J. Owega) - ein Erfolg für das junge Team um David Schumacher beim ersten 24h-Nürburgring-Renneinsatz des Mustang.

Auf den Plätzen sechs, sieben und acht komplettierten der #84 Eastalent-Audi (Reicher, Klien, Siedler, Hofer), der #37 ProSport-Aston-Martin (Palette, Böckmann, Bastian) und der Fans beliebte, aber oftmals glücklose Konrad-Lamborghini (Soufi, Paul, Elkmann, Lefterov) die Top-8.

Beide Scherer-Autos und Falken-Porsche ausgeschieden

Im Rennen kam es mit zunehmender Härte zu zahlreichen Bestrafungen und vorzeitigen Ausfällen. Allein in der SP9-Klasse sahen 13 der 27 gestarteten Autos nicht die Zielflagge.

Betroffen waren unter anderem die Titelverteidiger von Scherer Sport PHX: Der #16 Porsche (Niederhauser, L. Vanthoor, Feller) konnte nach einem Qualifying-Unfall von Laurens Vanthoor gar nicht erst an den Start gehen. Das 2024 siegreiche Schwesterauto, der Audi R8 mit der Startnummer #1 (Haase, Ludwig, Winkelhock) wurde zurückgezogen, nachdem Luca Ludwig wegen eines elektrischen Problems in den Leitplanken landete.

Einen doppelten Ausfall erlebte auch das Porsche-Kundenteam Falken Motorsport, das mit seinen mintgrünen Neunelfern im Vorfeld zu den Sieganwärtern gezählt wurde. Der #33 Falken-Porsche (Andlauer, Menzel, Müller, Picariello) schied nach 23 Runden auf Platz zwei liegend aus. Porsche-Werksfahrer Julien Andlauer war unverschuldet mit einem Cup-Porsche kollidiert. Für den #44 Falken (Boccolacci, Heinemann, Marschall, Schuring) war nach 89 Runden wegen eines technischen Problems Feierabend.

GetSpeed-Mercedes gerät in Schwierigkeiten

Nicht wie erhofft lief es auch für Mercedes-AMG, die sich mit zwei stark besetzten GetSpeed-Mercedes-AMG GT3 Hoffnungen auf den ersten Nürburgring-Sieg seit 2016 ausgerechnet hatten. Stattdessen schied der #14 Mercedes (Engel, Martin, Schiller, Stolz) wegen eines Differenzial-Defekts nach 41 Runden aus. Für das #17 Schwesterauto (R. Aron, Auer, Christodoulou, Grenier) endeten jegliche Sieghoffnungen nach einer gebrochenen Aufhängung samt beschädigtem Unterboden. Dem privaten Schnitzelalm-Mercedes flog zwischenzeitlich die Motorhaube davon.

Ebenso gerieten alle drei Aston Martin Vantage GT3 von Walkenhorst Motorsport in Schwierigkeiten: Der mit Ambitionen gestartete #34 Aston (Krognes, Pittard, Thiim, Drudi) schied nach einem Defekt der Benzinpumpe aus, die Schwesterautos erwischten Kollisionen bzw. zeitweise technische Schwierigkeiten.

Herausforderndes Mustang-Debüt für HRT

Das neue Ford-Werksteam HRT aus Drees am Nürburgring erlebte einige Herausforderungen beim 24-Stunden-Debüt mit dem Ford Mustang GT3: Die #64 (Olsen, A. Maini, Stippler, J. Owega) sah nach einem Unfall die Ziellinie ebenso wenig wie der #63 Mustang, bei dem das Gaspedal für einen Stopp sorgte. Dramen gab es quer durchs Fahrerlager, auch beim #45 Kondo-Racing-Ferrari, der 3:30 Stunden vor dem Rennende auf P6 liegend infolge eines Unfalls mit einem kleineren BMW ausschied.

24h Nürburgring 2025: Ergebnis nach 24 Stunden (Top-8)

Pos. Auto Fahrer Rückstand
1#98 Rowe-BMWKelvin van der Linde141 Runden
2#911 Manthey-PorscheKevin Estre+1:17.810
3#54 Dinamic-PorscheBastian Buus+1 Runde
4#65 HRT-FordDennis Fetzer+3:11.925
5#28 Abt-LamborghiniMarco Mapelli+2:57.644
6#84 Eastalent-AudiMax Hofer+4 Runden
7#37 PROsport-Aston MartinSteven Palette+2.927
8#7 Konrad-LamborghiniPeter Elkmann+5:34.473