Die 24h Nürburgring 2026 könnten ein weitreichendes Nachspiel haben. Elf Tage nach dem Rennen gibt es noch immer kein finales, sondern lediglich ein vorläufiges Ergebnis. Seit diesem Donnerstag ist der Grund dafür klar: Am Zweitplatzierten #84 Lamborghini Huracan GT3 Evo2 von Abt Sportsline sind bei einer routinemäßigen Nachuntersuchung "Unregelmäßigkeiten festgestellt worden", wie der Veranstalter ADAC Nordrhein mitteilte.

Um welche Unregelmäßigkeiten beim Fahrzeug es sich dabei genau handelt, wurde nicht kommuniziert. Nach Informationen von Motorsport-Magazin.com geht es um technische Details, die zu einem Wettbewerbsvorteil geführt haben könnten.

Technik-K.o. verhindert Verstappen-Sieg! Was ist passiert? (11:31 Min.)

24h Nürburgring: Unregelmäßigkeit nur bei Abt-Lamborghini

Fakt ist nur: Bei den fünf weiteren untersuchten Fahrzeugen - dem siegreichen #80 Winward-Mercedes, dem #99 Rowe-BMW, dem #24 Lionspeed-Porsche, dem #34 Walkenhorst-Aston-Martin sowie dem HRT-Ford mit der Startnummer #67 - hatten die Technischen Kommissare keine Beanstandungen bei der Leistungsmessung auf einem Rollenprüfstand.

Die Techniker haben ihren Bericht inzwischen an die Sportkommissare weitergeleitet. Sie werden in den nächsten Tagen zusammentreten und Vertretern von Abt Sportsline die Gelegenheit geben, sich zu dem Vorfall zu äußern.

Abt Sportsline: Aktuell kein Kommentar zum Nürburgring-Vorfall

Der Rennstall aus Kempten, der mit den #84-Lambo-Fahrern Mirko Bortolotti, Luca Engstler und Patric Niederhauser den zweiten Platz hinter Winward-Mercedes (Engel/Stolz/Schiller/Martin) belegte, wollte auf Anfrage von Motorsport-Magazin.com "aktuell keinen Kommentar abgeben".

Die technische Nachprüfung des Abt-Lamborghini ging erst in dieser Woche - also gut eine Woche nach dem Ende des 24h-Rennens - über die Bühne. Nach unseren Informationen konnte die Leistung des Fahrzeuges vorher nicht auf dem Rollenprüfstand gemessen werden, weil angeblich die Rennkupplung defekt war und zunächst gegen ein funktionstüchtiges Teil ausgetauscht werden musste.

Nun müssen die Sportkommissare entscheiden, ob der Abt-Lamborghini allen technischen Vorgaben entsprach. Ist das nicht der Fall und kann ein Vorteil festgestellt werden, könnte es zu einem Wertungsausschluss kommen. Damit würde Abt Sportsline den zweiten Gesamtplatz verlieren und nachfolgende Teilnehmer möglicherweise aufrücken. In diesem Falle stünde es dem Team frei, gegen das Urteil der Sportkommissare in Berufung zu gehen. Der Fall würde dann vor dem Berufungsgericht des DMSB landen.

Analyse: Nur Abt-Lamborghini knacken 8:10er-Marke

Wie pfeilschnell die beiden Abt-Lamborghini mit den Startnummern #84 und #130 bei den 24h Nürburgring waren, hatten wir schon in unserer Renn-Analyse festgestellt. Die Performance zeigte sich bereits im Qualifying, als beide Abt-Autos in die erste Startreihe fuhren und Luca Engstler die Pole Position erzielte. Eine vorangegangene Reduktion des Restriktors um 0,5 Millimeter tat dem Speed keinen Abbruch.

Dass die Lamborghini im Renntrimm nicht minder schnell waren, bestätigt die Auswertung der Rundenzeiten. So waren die Abt-Lambos die einzigen Autos, die unter die magische 8:10er-Marke kamen. Ihre theoretisch schnellsten Runden waren noch beeindruckender: Die #84 käme in den 8:05er-Bereich und die #130 sogar bis zu 8:04.022 Minuten. Zur Erinnerung: Der Rundenrekord auf der 24h-Variante ist eine 8:08.006.

24h Nürburgring 2026: Rundenzeiten-Vergleich ausgewählter Autos

Schnellste Theoretisch SchnellsteSchnellste 20%
#84 Abt-Lamborghini08:08,75808:05,16308:14,058
#130 Abt-Lamborghini08:09,50308:04,02208:16,782
#3 Winward-Mercedes08:12,81808:07,27208:17,244
#80 Winward-Mercedes08:13,21308:06,75208:17,685
#34 Walkenhorst-Aston08:12,75308:09,32808:18,294
#7 Konrad-Lamborghini08:14,44608:09,54608:22,699

Abt-Lamborghini deutlich schneller als Sieger-Mercedes

Rechnet man den Durchschnitt von 20 Prozent der schnellsten Rennrunden aus, so erhärtet sich der Eindruck. Mit 8:14.0 Minuten war der Schnitt der in diesem Fall 31 Runden beim #84 Lamborghini deutlich schneller als der beider Winward-Mercedes, die bei 8:17.2 respektive 8:17.7 Minuten landen. Dazu sei allerdings angemerkt: Die Strecke war gegen Ende der Nacht und am Sonntagmorgen am schnellsten. Bortolotti, Niederhauser und Engstler fuhren in diesen Stunden voll auf Anschlag, während die Winward-Mercedes an der Spitze die Pace kontrollierten.

Bortolotti und Co. hatten zuvor eine gigantische Aufholjagd vom Ende des Feldes hingelegt. Der von der Pole Position gestartete Abt-Lambo war kurz nach dem Rennstart mit dem Winward-Mercedes von Daniel Juncadella kollidiert. Startfahrer Bortolotti rettete sich in letzter Sekunde mit einem Reifenschaden in die Boxengasse, verlor dadurch aber mehrere Minuten. Später kostete eine 86-Sekunden-Zeitstrafe wegen eines Code-60-Vergehens weitere wertvolle Zeit. Der #84 Abt-Lambo rettete sich hauchdünn vor dem Walkenhorst-Aston-Martin als Zweiter ins Ziel.

Es wäre nicht das erste Mal, dass das zweitplatzierte Auto nachträglich disqualifiziert wird. 2019 wurde der Manthey-Porsche zwölf Tage nach dem Rennen aus der Wertung genommen, weil während der Nachuntersuchung Unregelmäßigkeiten bei der Motorleistung festgestellt worden waren. Manthey verzichtete damals auf eine Berufung gegen die Disqualifikation.

Du willst alle Breaking News und Hintergrund-Infos zur DTM, WEC, IndyCar, den 24-Stunden-Rennen und Co. bekommen? Dann abonniere jetzt unseren neuen und kostenlosen WhatsApp-Channel! Brandaktuelle News aus der Motorsport-Welt direkt auf dein Handy: