Portrait:

Lance Stroll, geboren 1998, startete 2008 in der kanadischen Kart-Szene sofort durch. In seinen ersten drei Jahren beendete er fast jede Meisterschaft auf dem ersten oder zweiten Platz. Mit Ferrari-Unterstützung ging es nach Europa, wo die Konkurrenz allerdings deutlich härter wurde. Trotz schwacher europäischer Ergebnisse wagte Stroll aber 2014 den Schritt in die italienische Formel 4. Nicht zuletzt dank Unterstützung seines milliardenschweren Vaters Lawrence, welcher gar das Prema-Team erwarb, um seinem Sohn bestmögliches Equipment zu sichern.

Das brachte Stroll auf Anhieb sieben Siege, den Titel, und für 2015 einen direkten Aufstieg mit Prema in die europäische Formel 3. Dort fiel Stroll als schnell, aber unzuverlässig und fehleranfällig auf. Die Ferrari-Akademie verließ er mit Saisonende nach einem fünften Gesamtrang, stattdessen dockte er bei Williams an. 2016 folgte in der Formel 3 die Trendwende, mit 14 Siegen wurde er klarer Meister. Die Chance wurde ergriffen, und mit tatkräftiger finanzieller Unterstützung wurde Stroll direkt aus der Formel 3 in die Formel 1 zu Williams gehoben.

Stroll & Stroll Senior mit eigenem F1-Team nach Williams-Desaster

In der zweiten Jahreshälfte 2016 absolvierte Stroll im Zuge der Vorbereitungen für seine Debütsaison mehrfach private Testfahrten mit einem Williams FW36 aus der Saison 2014. Auf diese Weise soll er bis zum ersten Grand-Prix-Wochenende 2017 etwa 8.000 Testkilometer absolviert haben. Trotzdem blieben die starken Leistungen 2017 erst einmal aus. Erst im vierten Rennen kam er ins Ziel, im siebten erst in die Punkte.

Ein schwächelnder Williams half nicht. In Baku profitierte er vom Chaos und schnappte sich ein glückliches Podium. Ein starkes Regen-Qualifying in Monza war der einzige andere Höhepunkt, am Ende wurde es ein zwölfter Gesamtrang. Dem folgte allerdings 2018 ein tiefer Fall. Der Williams FW41 war ein desaströses Auto, nur zweimal kam Stroll in die Punkte. Im Laufe der Saison nahmen die Gerüchte zu, wonach Stroll und Vater Lawrence sich nach einem Platz in einem anderen Team umhörten.

Die Tür öffnete sich mit der Insolvenz von Force India. Lawrence Stroll führte ein Investorenkonsortium an, welches das Team in der Sommerpause erwarb und in Racing Point umbenannte. Bis zum Post-Season-Test dauerte es allerdings, dass Stroll Junior auch offiziell als Fahrer für Racing Point verkündet wurde. Seine letzte Williams-Saison endete mit einem 18. Rang, im Qualifying-Duell unterlag er dem Rookie-Teamkollegen Sergey Sirotkin.

Stroll Senior will Stroll Junior mit Aston Martin zum Meister machen

Bei Racing Point bekam es Stroll nun mit dem erfahrenen Sergio Perez zu tun. Perez hatte 2020 im ersten gemeinsamen Jahr gleich einmal deutlich die Oberhand. Perez schlug ihn nach Punkten 52 zu 21. Als Racing Point 2020 mit einem gelegentlich podestfähigen Auto auftrat, blieb die Lücke zu Perez. Zwar holte Stroll zwei Podien und im verregneten Türkei-GP seine erste Pole, baute aber auch mehrere Fehler ein und durchfuhr im Saisonmittelteil ein klares Formtief.

Dennoch wurde Perez mit Saisonende entlassen - denn Stroll Senior hatte nebenbei Aston Martin erworben und plante nun die Umbenennung des F1-Teams, einschließlich der Verpflichtung des vierfachen Weltmeisters Sebastian Vettel. Stroll als Sohn blieb auch bei der Umgestaltung zum Werksteam natürlich gesetzt, also musste Perez für Vettel weichen.

Das erste Jahr in Aston-Martin-Farben war für Stroll durchwachsen. Vettel hatte er nur in den ersten Rennen im Griff. Nachdem der Deutsche sich ins Team einfügte, begann Stroll abzurutschen. Nur einen 13. WM-Rang schaffte er.