Das Ende des ersten Qualifying-Segments der Formel 1 in Singapur war ungewöhnlich: Trotz eines stehenden Autos brach die Rennleitung die Session nämlich nicht vorzeitig ab, sondern ließ sie bei gelber Flagge auslaufen. Prompt gerieten fünf Fahrer in Verdacht, dort zu schnell gefahren zu sein. Die Ermittlungen fördern - unter anderem bei George Russell und Nico Hülkenberg - aber nichts zutage.

Das Timing war denkbar ungünstig gewesen. Pierre Gasly hatte seinen Alpine in Kurve 11 mit einem Defekt am Ölsystem abstellen müssen. Ein Abbruch hätte zahlreichen Fahrern die Chance genommen, sich bei einer dank steigendem Grip-Niveau stark verbessernden Strecke noch einmal zu verbessern und womöglich für Q2 zu qualifizieren.

Weil Gasly seinen Alpine glücklicherweise aus der Schusslinie bringen konnte, entschloss sich die Rennleitung, es bei einer einfachen gelben Flagge zu belassen. Das bedeutet: Man darf insgesamt eine bessere Rundenzeit fahren. Nur in der tatsächlichen Gelb-Zone muss man verlangsamen. Bei einfach gelben Flaggen wird grundsätzlich "Vom-Gas-Gehen" in der Formel 1 als ausreichend erachtet.

Fünf Fahrer geraten in Singapur unter Gelb-Verdacht

Hinter Gasly durchfuhren daraufhin Lance Stroll, Gabriel Bortoleto, Yuki Tsunoda, Nico Hülkenberg und auch der letztendliche Polesetter George Russell die Gelb-Zone. Sofort wurde die Rennleitung aktiv, stellte die Runden unter Generalverdacht und bat die FIA-Stewards, die Fälle möglichst schnell zu untersuchen.

Stroll wurde fast sofort entlastet, gegen die anderen vier wurden tatsächlich Ermittlungen eingeleitet. Hierfür wurden die Telemetrie-Daten der Autos ausgewertet - im Falle von Pole-Anwärter Russell so schnell als möglich. Anhand der Daten konnte man Russell noch vor dem Ende des Qualifyings entlasten, weil man sah, dass er vom Gas gegangen war. Die verbleibenden drei Fahrer wurden später noch vorgeladen.

Doch bei allen drei Fahrern kam nichts heraus. Alle hatten sie in der Gelb-Zone zumindest in den Augen der Stewards ausreichend verlangsamt. Tsunoda und Hülkenberg hatten sich mit diesen Runden in Q2 gerettet. Bortoleto nicht, er gab der gelben Flagge die Schuld: "Ich musste aus Sicherheitsgründen vom Gas, das hat sofort ein paar Zehntel gekostet." Relativ zu Hülkenberg sahen seine Daten allerdings sehr ähnlich aus.