In der Formel-1-Saison 2026 wird die Zuverlässigkeit der Motoren eine entscheidende Rolle spielen. Mit der Antriebsrevolution – die F1-Boliden werden fast zu 50 Prozent elektrisch betrieben – kommt die Angst vor vermehrten Motorschäden auf. Die ersten Testfahrten in Barcelona werden unter Ausschluss der Öffentlichkeit veranstaltet, weil sich die Teams unter anderem vor Reliabilitätsproblemen fürchten. Es scheint also nur logisch, sich in der Entwicklung damit besonders zu beschäftigen – außer man heißt Red Bull.
Die Bullen stellten am Donnerstagabend in Detroit neben den Lackierungen des RB22 und des VCARB 03 auch den DM01, den ersten Motor von Red Bull Ford Powertrains, vor. Bei einer Pressekonferenz im Vorfeld gab Ben Hodgkinson, der Technikdirektor des Motorenwerks in Milton Keynes, Details über die seit 2024 laufende Entwicklung preis: "Es war eine intensive Reise. Bereits im ersten Gründungsjahr hatten wir eine Power Unit, die wir mit einem Dynamometer getestet haben. Das ist jetzt die sechste Generation."
Derzeit wird der DM01 noch betriebsfertig gemacht, in zehn Tagen starten die ersten Wintertests. Ob die Konstruktion von Ford und Red Bull 2026 die dominante Kraft im F1-Feld ist? Gerüchten zufolge sollen sich die Bullen durch einen Motoren-Trick im Falle Performance einen Vorteil verschafft haben. Doch wie sieht es in Bezug auf die Zuverlässigkeit aus? Gegenüber Motorsport-Magazin.com verriet Hodgkinson Ende 2024, dass man bisher nur auf der Performance-Seite entwickle, was ihm schlaflose Nächte bereite. Hat sich das mittlerweile geändert?
Voller Fokus auf Performance: Red Bull geht Anti-Mercedes-Weg
Auf Nachfrage von Motorsport-Magazin.com erklärte der Technikdirektor jetzt: "Seit unserem letzten Gespräch haben wir nicht aufgehört, die Performance zu pushen. Wir haben noch bis spät ins letzte Jahr daran gearbeitet. Das hat uns immer mehr die Chance genommen, die Zuverlässigkeit zu überprüfen und zu beweisen." Erst ein Jahr bevor die Rennmotoren in die Fertigung gingen, fingen die Ingenieure an, die Reliabilität zu testen – der Hauptfokus lag aber weiterhin auf der Performance. Dass das eine sehr gewagte Entwicklungsstrategie ist, ist sich Hodgkinson bewusst.
"Wir gehen ein größeres Risiko als unsere Konkurrenz ein. Mit Sicherheit hätte das Team, bei dem ich vorher war, das schon viel eher beendet", spielte der Brite auf seinen ehemaligen Arbeitgeber Mercedes an. Hodgkinson kam 2001 zum Vorläufer des Mercedes-Motorenwerks, 2017 wurde er Leiter der Maschinenbauabteilung. Nach mehr als 20 Jahren bei den Silberpfeilen verließ er Brixton und wechselte 2022 zu Red Bull Powertrains, um das Power-Unit-Projekt aufzubauen.
In Milton Keynes herrscht eine risikobereitere Mentalität. "Ich bin jetzt Teil von Red Bull und hier machen wir Dinge anders. Es ist eine mutige Entscheidung und ich versuche, mich so lange auf Performance zu konzentrieren wie möglich. Das Thema habe ich noch nicht aufgegeben", bestärkte der Technikdirektor den Entwicklungsfokus. Auf der Zuverlässigkeits-Seite gibt es zumindest eine kleine Entwarnung. "Ich bin sehr glücklich damit, bis jetzt ist es in Ordnung", beschwichtigte Hodgkinson.
Eine komplette Zusammenfassung des Red-Bull-Launchs und der Presserunde mit Ben Hodgkinson sowie ein exklusives Interview mit Kevin Ruybal, dem Technical Specialist von Ford Racing, gibt es im Video!



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