Red Bull und die Racing Bulls fahren in der Formel 1 ab 2026 nicht nur mit ihren eigenen Motoren, sondern auch mit Automobil-Gigant Ford im Rücken. Der US-Autobauer ist seit diesem Jahr als Partner bei der Motorenschmiede von Red Bull Powertrains mit an Bord. Die Kooperation, die in der Nacht von Donnerstag auf Freitag beim Saisonlaunch in Detroit ausgiebig gefeiert wurde, war schon 2023 verkündet worden.

Damals war allerdings noch nicht bekannt, in welcher Tragweite Ford zu dem Motorenprojekt beisteuern werde. Jetzt bietet sich da schon ein klareres Bild. Soweit vorab: Die Kooperation ist keine reine Marketing-Maßnahme, sondern umfasst auch technische Belange. Konkret zählte Powertrain-Simulations-Spezialist Kevin Ruybal gegenüber Motorsport-Magazin.com auf: "Dinge wie die Powertrain-Simulation, Software zum Energie-Management oder Batterietechnologie."

F1 2026: Mogelpackung? So viel Ford steckt im Red Bull-Motor (21:03 Min.)

"Das sind alles Dinge, mit denen Ford viel bei den Produktionsfahrzeugen zu tun hat und wir dachten, es wäre ein guter Weg, wie wir unsere Expertise von Ford hier einbringen könnten", so Ruybal weiter. Er ist einer von vier Ford-Racing-Beschäftigten, die in Milton Keynes direkt für das F1-Motorenprogramm von Red Bull tätig sind.

Ruybal selbst war für die Entwicklung eines Steuerungsmodells für den Simulator zuständig, wie Fords Powertrain-Chefingenieur Christian Hertrich spezifizierte. "Dieses Modell wurde zu unserem zentralen Werkzeug für die Steuerung und die Kalibration, wodurch unsere Fahrer das Verhalten des Motors im Simulator spüren können und Feedback geben können, bevor die Hardware überhaupt physisch existiert", so Hertrich weiter.

3D-Druck aus dem Hause Ford: So soll Red Bull die Konkurrenz "jagen"

Diese Simulationsentwicklungen und Batterietechnologien sind zwei Punkte, wo Ford direkt in Milton Keynes ihr Know-How beisteuert, aber auch im Ford-Hauptquartier in Dearborn (Michigan) steht der Formel-1-Antrieb auf der Agenda. "Wir haben technische Unterstützung aus Dearborn. Dort wird viel Herstellung abgewickelt", so Ruybal.

"Wir haben dort auch etwas Batteriearbeiten durchgeführt, aber inzwischen wurde das alles hierher [nach Milton Keynes, d. Red] übersiedelt", fügte er hinzu. Konkret geht es dabei vorwiegend um additive Fertigung mithilfe spezieller 3D-Druckverfahren. 3D-Druck ist im Allgemeinen in der Formel 1 zumindest für gewisse Bauteile erlaubt, jedoch nicht für alle. Bei diesen sei Ford aber von großer Hilfe, da sie den Herstellungszeitraum drastisch verkürzen könnten.

"Durch den Einsatz unserer hochmodernen 3D-Drucktechnologie haben wir diese 16-tägige Fertigungszeit auf nur fünf Tage verkürzt", bezifferte Hertrich diesen Effekt. "Wenn man Designs dreimal schneller verfeinern kann, ist man nicht nur Ingenieur - Man ist auf der Jagd nach der Konkurrenz", gab er sich kampflustig.