Seit vier Rennen hat der davor in der aktuellen Formel-1-Saison sensationell abliefernde Alex Albon einen Durchhänger. Keine Punkte, sich häufende Fahrfehler, und das alles, während Teamkollege Carlos Sainz richtig in Schwung kam. Für Brasilien stehen Änderungen auf dem Programm. Doch der Umfang dieser sorgt am Donnerstag für Verwirrung.
"Es waren ein paar spezielle Strecken mit Austin und Mexiko, da sahen wir Probleme mit der Balance des Autos", schiebt es Albon auf Williams-spezifische Dinge. "Wir haben alles analysiert, das Auto zerlegt, das Team hat einen tollen Job gemacht, um zu sehen, ob da was zu finden ist. Viele Kleinigkeiten, die wir zusammengezählt haben. Ein guter Neustart für Brasilien."
So hatte Williams-Teamchef James Vowles im offiziellen Rückschau-Video des Teams letzte Woche bereits erste Einblicke gegeben - und Änderungen am Setup angekündigt: "Wir waren in Sachen Reifenvorbereitung nicht dort, wo wir sein sollten, und beim Setup lagen wir denke ich auch nicht richtig. Beim Zusammenspiel von der Setup-Basis und wie wir das Differenzial und andere Werkzeuge nutzen."
Williams-Teamchef kündigt an: Albon schwenkt auf Sainz-Setup um
Das Thema Reifenvorbereitung ist bei Williams 2025 schon lange ein Problem. Das Auto tut sich oftmals schwer darin, die Reifen in einem konstanten Arbeitsfenster zu halten, was vor allem häufige Qualifying-Durchhänger erklärt. Da Sainz aber zwei in Sachen Pace hervorragende Wochenenden in Austin und Mexiko fuhr, schien Williams eigentlich einen guten Datensatz zusammengetragen zu haben, um zu verstehen, warum es bei einem lief und beim anderen nicht.
"Es hat uns einen guten Weg für Brasilien und darüber hinaus vorgezeigt, durch die Fehlschläge haben wir mit den Daten von Alex und Carlos ein gutes Fenster für das Auto gefunden", meint Vowles. Dabei spricht er von "sich ansammelnden Kleinigkeiten", welche sich bei Albon über Gebühr anhäuften.
Also was tun? "Bei Alex wissen wir, welche Setuprichtung wir ab Brasilien einschlagen müssen. Die ähnelt mehr der, die Carlos nutzt. Da geht es mehr darum, sicherzustellen, dass das Auto für ihn eine gute Plattform ist. Vielleicht ist es nicht das schnellstmögliche Auto nach Millisekunden, aber wir wollen sicherstellen, dass es eine gute Plattform ist."
Alex Albon verwirrt nach Team-Analyse: Eigentlich waren es die Strecken...
Am Donnerstag in Brasilien klang das dann aber aus dem Mund von Albon plötzlich anders. Er würde keine neue Setup-Richtung planen: "Nein, es waren nur ein paar harte Rennen. Wenn ich mir die ganze Saison anschaue, lief es gut. Es geht mehr darum, in den Rhythmus zu kommen. Das Setup war das ganze Jahr recht ähnlich, da gibt es nichts Außergewöhnliches, um die Performance zurückzugewinnen."
Eine ziemlich große Abweichung von Vowles, der am Ende sogar von einer "ziemlichen Revision" bei Albons zukünftiger Setup-Richtung sprach: "Ich denke, da wurden gute Entscheidungen nach Mexiko etabliert. Mit Carlos ist die Pace absolut da. Jetzt geht es darum, das auszunutzen."
Mit diesem Widerspruch wurde Albon am Donnerstag in der Pressekonferenz prompt konfrontiert. "Setup-Richtung kann Elektronik oder physische Teile bedeuten", argumentiert er daraufhin. "Die physischen Teile bleiben gleich. Bei der Elektronik ändern wir etwas."
Wie der Albon-Williams-Widerspruch erklärbar wird
Ist der Widerspruch damit wirklich ausgeräumt? Sicherlich sprach Vowles wie eingangs erwähnt explizit von Differenzial und "anderen Werkzeugen". Genau das lässt sich wohl mit Albons vager "Elektronik"-Erklärung in Einklang bringen. Differenzial-Einstellungen sind Teil des Setups, aber nicht im Sinne eines Teils, von dem man eine andere Version einbaut. Tatsächlich können F1-Fahrer Differenzial-Einstellungen selbst während der Runde am Lenkrad verändern.
Gerade deshalb sind diese meist eben als "Tools", also Werkzeuge, bezeichneten Einstellungen auch besonders wichtig. Sie sind nicht das Grund-Setup, sondern jene Teile, mit denen man sich die letzten Hundertstel auf der Qualifying-Runde zusammensucht. Oder bei denen man es sich unnötig kompliziert machen kann, indem der Fahrer anfängt zu viel damit herumzuspielen. Womöglich wie im Fall Albon. Bereits eine Qualifying-Wende geschafft hat indessen Nico Hülkenberg. Mehr dazu:



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