Ferrari stand auf der Liste der Titelanwärter für viele in der Formel 1 dieses Jahr weit oben. Aber selbst wenn die Konstrukteurs-Vizemeister des Vorjahres auch nach 14 Rennen auf dem zweiten Platz liegen, so sind sie in der Realität weit, weit weg von McLaren und damit von einem WM-Titel. Nach der großen Vorfreude, auch angetrieben durch die Ankunft von Lewis Hamilton, sorgt das für ein deprimierendes Sommer-Fazit.

Ziel vs. Realität: Den Titel als Ziel auszugeben ist immer angsteinflößend, aber was soll ein Team tun, das im Vorjahr um nur 14 Zähler die Konstrukteurs-WM verpasste, und das Charles Leclerc und Lewis Hamilton als Fahrer hat? Der euphorische Hamilton attestierte Ferrari vor Saisonbeginn, dass alle Bausteine vorhanden seien. Leclerc träumte zwar und ortete die beste Mentalität, die er hier je erlebt habe, doch der seit 2019 schon oft Enttäuschte klang in Interviews im Winter stets etwas unsicher.

Leclerc sollte Recht behalten. Nach 14 Rennen hat Ferrari einen Sprint-Sieg (Hamilton) und fünf GP-Podien (Leclerc). Zwar ist man WM-Zweiter, aber McLaren hat mehr als doppelt so viele Punkte. Nur Leclerc kann verlässlich die Leistung aus einem Auto holen, das besonders im Qualifying schwierig ist und für den Großteil der Saison teils extreme Setups verlangte, um halbwegs passable Startplätze zu erreichen. Der mit dem System Ferrari überhaupt nicht vertraute Hamilton strauchelt manchmal massiv. Mittlerweile kam Hamilton auch zum Schluss, dass die Bausteine zwar da sind, aber nicht bestmöglich genutzt werden. In regem Austausch mit dem Management will er hier Änderungen vorantreiben.

Die Entwicklung 2025: Hier geht es um Ursachenforschung. Die Liste ist recht lang. Man hat im Winter das Vorderachs-Konzept geändert und mehrere Rennen gebraucht, um die Konsequenzen zu verstehen. Weiter ging es mit dem mittlerweile berüchtigten Problem der Unterboden-Abnutzung. Das Auto stellte sich da als überraschend unberechenbar heraus. In China wurde Hamilton nach dem Rennen disqualifiziert. Man musste danach größere Sicherheits-Margen bei der Fahrzeug-Höhe fahren. Das untergrub maximale Performance und Balance.

Zwei größere Unterboden-Updates und schließlich ein neues Hinterachs-Design versuchten das Problem abzuschwächen und gute Ergebnisse auch mit weniger aggressiven Setups möglich zu machen. Besonders Leclerc rückte im Sommer damit endlich immerhin an die Spitze der McLaren-Jäger. Seine erste Pole in Ungarn resultierte aber bloß in einem Einbruch im Rennen. Nicht wegen des Unterboden-Problems, schwört das Team danach, auch wenn die Verdächtigungen im Fahrerlager tief flogen. Der Herbst wird zeigen, ob es tatsächlich gelöst ist oder nicht.

Ferrari 2025: Das Formel-1-Team ohne Highlights

Höhepunkt 2025: Leclerc greift nach nächstem Monaco-Sieg
Obwohl WM-Zweiter, ist Ferrari 2025 ein Team ohne echte Highlights. Hamiltons Sprint-Pole und Sieg in China wurde von einer Doppel-Disqualifikation im Rennen überschattet. Leclerc holte souveräne Podien in Österreich und Spa, aber in einer anderen Zeitzone als McLaren. Den Sieg in Griffweite hatte er lediglich zuhause in Monaco. 0,109 Sekunden fehlten ihm auf eine Pole, die er im Fürstentum wohl in den Sieg umwandeln hätte können. Näher war er McLaren nirgendwo sonst.

Tiefpunkt 2025: Diese Doppel-Disqualifikation in China
Das sonntägliche Fiasko von China ist so übel, dass es schließlich Hamiltons vorangegangene Sprint-Gala fast völlig vergessen machte. Es war auch spektakulär, weil es zwei verschiedene Gründe waren. Hamilton wurde wegen des zu stark abgenutzten Unterbodens ausgeschlossen. Leclerc hingegen hatte sich am Start einen Flügel-Schaden (an Hamilton) eingefahren, war trotzdem schnell, bis der Vorderreifen unter der durch den Schaden ausgelösten zusätzlichen Belastung nachgab. Die Krönung war danach die Disqualifikation. Hier wegen zu wenig Gewicht. Zwei unterschiedliche Fehler mit DSQ-Folgen in einem Rennen.

Charles Leclerc & Lewis Hamilton: 'Mr. Ferrari' bestätigt alle Hamilton-Ängste

Charles Leclerc
WM: 5. Platz (151 Punkte)
Note im MSM-Ranking: 2,16 (4. Platz)
Als 'Mr. Ferrari' hatte Hamilton Leclerc im Winter betitelt. Leclerc bestätigte das in mehrerlei Hinsicht. Ja, er ist ein Top-Talent, und ja, er kennt das Team besser als jeder andere. Seine teils exzessiv instabilen Risiko-Setups und sein Qualifying-Talent hielten Ferrari an schlechten Wochenenden irgendwie noch im Rennen. Mit den technischen Fortschritten der letzten Wochen konnte Leclerc auch etwas entspannter seine Klasse ausspielen. Fehlerfrei ist er allerdings nicht. Das gute Jahr wurde von zwei üblen, geradezu peinlichen Regen-Vorstellungen in Miami und Silverstone unterbrochen. Zwei weitere für die lange Liste der Regen-Pleiten Leclercs.

Roger Benoit: Hamilton ist eine emotionale Zeitbombe (01:04:11)

Lewis Hamilton
WM: 6. Platz (109 Punkte)
Note im MSM-Ranking: 3,03 (11. Platz)
Die Herausforderung des Wechsels wurde unterschätzt. So sieht es Teamchef Fred Vasseur mittlerweile. Für Hamilton war Ferrari nach einer langen Karriere im britischen McLaren/Mercedes-Ökosystem ein Kulturschock. Auch das Auto war völlig anders, "schrecklich", wie Hamilton den nötigen Fahrstil sogar nannte. Eine Annäherung an Leclercs Setups im Sommer brachte leichte Linderung, aber noch keinen Durchbruch. Oft nach manchen Sessions polemisch, zweifelt Hamilton daran, dass er seine Probleme vor 2025 aussortiert haben wird. Das Team stärkt ihm aber den Rücken und ist sich sicher, dass er es noch kann.

Fazit und Ausblick
Nüchtern betrachtet hat sich Ferrari verbessert. Es wäre eigentlich überraschend, wenn in den 10 verbleibenden Rennen kein Sieg mehr käme. Doch die WM-Träume sind aus vielen Gründen dahin, ob das Technik, Management oder Hamiltons schwierige Wechsel-Anpassungen sind. Von McLaren ist man weit weg, nachdem man 2024 ein ernster Gegner für sie gewesen war. Ein Vize-Team-Titel für die Moral, inklusive mindestens einem Sieg, wäre im Hinblick auf 2026 wohl jetzt das Höchste der Gefühle.

Damit befindet sich Ferrari für den Rest des Jahres in einem Boot mit Mercedes - auch wenn für George Russell und Gefährten der Weg an diesem Punkt ganz anders ablief. Ihr Sommer-Fazit gibt es hier: