2025 war die letzte Gelegenheit für Mercedes, sich in der bislang enttäuschenden Ground-Effect-Ära der Formel 1 zu rehabilitieren. Der positive Saisonstart und all die positiven Signale aus den ersten Rennen hielten jedoch nicht. Bitter für George Russell, der bisweilen seine wohl beste - und an und für sich WM-würdige - F1-Saison fährt.

Ziel vs. Realität: Vorausdenken. Gründlicher sein. Fehler antizipieren und vermeiden. Mit diesen Ansagen startete Mercedes nach drei Jahren Auf und Ab und Korrelationsproblemen. Ziel war weniger die WM, mehr ein konstant schnelles Auto. Nach dem ersten Saisondrittel hob sich die Stimmung. Man hatte es geschafft. Der W16 war in den Händen von George Russell stets in den ersten zwei Startreihen, in Griffweite des Podiums, leicht abzustimmen und berechenbar zu fahren.

Bis er es dann eben nicht mehr war. Nach 14 Rennen steht Mercedes doch wieder da, wo man seit 2022 steht. Das Auto ist nicht schnell genug, um regelmäßig aus eigener Kraft um Poles und Siege zu kämpfen. Wieder resultierte ein Update in Unberechenbarkeit und einem Performance-Rückschritt. Rookie Kimi Antonelli tut sich schwer damit, zeitweise ist Russell eine One-Man-Show. Ein Sieg, ein dritter Gesamt-Rang in der Konstrukteurs-WM und P4 für Russell in der Fahrerwertung ist ungefähr das, was Mercedes seit vier Jahren liefert. Alles nicht genug für die Ansprüche eines Werksteams.

Die Entwicklung 2025: Wo ist man diesmal falsch abgebogen? Eine schwierige Frage. Wie immer bei Mercedes. Der W16 schien trotz sonst positiver Entwicklung die Vorliebe des Vorgängers für kühles Wetter geerbt zu haben. Die Versuche, zum einen davon wegzukommen und zum anderen schneller zu werden, schienen trotz aller guter Absichten einmal mehr zu einem Ratespiel auszuwachsen. Im Frühsommer kamen ein neuer Unterboden, eine neue Hinterachse, der Frontflügel wurde für eine technische Direktive versteift und es ging abwärts.

Mit einem bizarren positiven Ausreißer - in Kanada war man schnellstes Team. Bis nach Spa dauerte es, um eine schon nach dem ersten Wochenende hinterfragte, dann aber doch nach Kanada als erst besser akzeptierte Hinterrad-Aufhängung doch zum Sündenbock zu erklären und wieder abzubauen. Der Durchhänger zertrümmerte Russells Außenseiter-Chancen auf die WM. Und wieder einmal war Mercedes mit einem Update falsch abgebogen.

Mercedes 2025: Bestes Team der Formel 1 - ein Mal

Höhepunkt 2025: Trügerische Kanada-Sensation
Wie in der Ground-Effect-Ära üblich hat Mercedes ein paar Wochenenden im Jahr, wo das Auto das Schnellste ist. 2025 kam erst in Kanada alles zusammen. Diesmal, so das Team, waren es die Kurven-Charakteristiken. Russell holte souverän Pole und Sieg, Antonelli schlug McLaren und Ferrari und holte sein bisher einziges Podium. Leider waren die Kanada-Schikanen wohl die einzigen Kurven, in denen die neue Aufhängung tatsächlich ein Schritt nach vorne war. Überall anders machte sie den W16 am Einlenkpunkt instabil und damit die über den Winter hart erarbeitete Balance zunichte.

Tiefpunkt 2025: Blamabler Total-Ausfall in Monaco
Der Sommer-Durchhänger erzeugte einige schlechte Rennen, aber die schlechteste Vorstellung des Teams hatte gar nichts mit der Pace des Autos zu tun. Monaco war eine Blamage aus anderen Gründen. Antonelli crashte in Q1, Russell rollte in Q2 mit Defekt aus. Für so einen Total-Ausfall ist das überholfeindliche Monaco der schlimmstmögliche Ort. Trotz verpflichtender Zweistopp-Strategie verzweifelte das Team im Rennen daran, einen Weg nach vorn durch das Verfolgerfeld zu finden, und musste sich stattdessen von der Blockade-Taktik von Williams und den Racing Bulls vorführen lassen.

George Russell & Kimi Antonelli: Eine große Herausforderung für den F1-Jüngling

George Russell
WM: 4. Platz (172 Punkte)
Note im MSM-Ranking: 2,06 (2. Platz)
Es lässt sich recht schnell argumentieren, dass George Russell auf WM-Niveau fährt, aber das nötige Material für eine echte Titel-Challenge nicht hat. Eine Pole, ein Sieg, fünf weitere Podien, das ist im Angesicht der McLaren-Dominanz beachtenswert, und unter dem Strich liegt Russell (172 Punkte) statistisch fast gleichauf mit Max Verstappen (187 Punkte, 4 Poles, 2 Siege, 3 weitere Podien). Etwas bizarr mutete da zwischenzeitlich an, dass sein Cockpit im Falle eines überraschenden Verstappen-Wechsels zu Mercedes gefährdet sein könnte, aber nun dürfte ein neuer Vertrag nur mehr eine Frage der Zeit sein.

Mercedes am Ende? Christian Danner: Ich kapiere es nicht mehr! (37:45 Min.)

Kimi Antonelli
WM: 7. Platz (64 Punkte)
Note im MSM-Ranking: 3,20 (15. Platz)
Mit so wenig Erfahrung war von Anfang an klar, dass Antonelli 2025 Lehrgeld zahlen musste. Im Wesentlichen war er nur einmal, in Miami, schneller als Russell. Sonst ist er zum einen langsamer. Wohl etwas verschreckt von seinem Crash beim Trainings-Debüt 2024 in Monza. Zum anderen macht er immer noch kleine Fehler im Qualifying, welche die Lücke noch größer aussehen lassen. Fortschritte wurden von der schwierigen Hinterradaufhängung im Sommer torpediert. Jetzt muss er sich fangen und endlich Selbstvertrauen finden. Bis jetzt sieht er nicht wie ein Wunderkind aus.

Fazit und Ausblick
Es hatte so solide angefangen, zumindest im Vergleich mit den letzten Jahren, und dann kam diese Aufhängungs-Episode und nun steht Mercedes wieder in der Spitzengruppe mit dem Rücken zur Wand. Die letzte Chance auf eine Rehabilitation in der Ground-Effect-Ära ist damit wohl vertan und viel mehr als vereinzelte Erfolge auf passenden Strecken dürfte man sich hier nicht mehr erwarten.

Eher schlechter als Mercedes ging es 2024 bislang Red Bull. Ein noch krasseres Einmann-Team, und noch größere Handling-Probleme, wenngleich punktiert der RB21 zumindest besser aussah als der W16. Das komplette Red-Bull-Fazit: