Die Frustration war George Russell in Monaco schon nach dem Qualifying anzumerken. "Wochenende vorbei" war sich der Brite am Samstag bereits sicher. Die Hoffnung auf Punkte hatte er da schon abgeschrieben. Am Sonntag musste er natürlich trotzdem 78 Runden über sich ergehen lassen und diese taten seinem Frust keinen Abbruch.
Denn im Mittelfeld-Zug wurden er und Teamkollege Andrea Kimi Antonelli zunächst von den Racing Bulls absichtlich eingebremst und später von dem Williams-Duo. In der 48. Runde reichte es ihm dann endgültig und Russell kürzte einfach die Schikane ab, um an Alex Albon vorbeizukommen. Am Funk verteidigte er das Manöver damit, dass Albon "unberechenbar" fahre. Natürlich nur eine schwache Verteidigung, der die Formel-1-Stewards nichts abgewinnen konnten.
Formel-1-Stewards reagieren hart: Warum bekam Russell eine Durchfahrtsstrafe?
Die Rennkommissare erkannten die Aktion als absichtliches Manöver und belegten Russell mit einer Durchfahrtsstrafe. Eine Abweichung von der Standard-Strafe für ein derartiges Vergehen, denn normalerweise sind dafür 10 Sekunden vorgesehen. Russell wurde davon überrascht, doch wie die Stewards in ihrer Strafbegründung mitteilten, kam die schärfere Strafe nicht ohne Ankündigung.
Bereits vor dem Monaco-GP hatten die Stewards antizipiert, dass ein strategisches Abkürzen und Überholen an dieser Stelle möglich ist. Der Formel-1-Rennleiter habe daraufhin die Teams nochmal explizit auf Kurve 10 hingewiesen und darauf, dass die als Richtwert vorgesehene 10-Sekunden-Strafe möglicherweise nicht ausreichen würde und höhere Strafen möglich seien.
Für Russell machte die Strafe kaum einen Unterschied mehr: "Um ehrlich zu sein, es war mir egal, denn ich war außerhalb der Punkte. Ich habe gestern nicht die Chance bekommen, Monaco zu genießen und ich dachte mir einfach: 'Scheiß drauf' und wollte es einfach genießen, die Strecke mit Vollgas zu fahren. Denn es ist eine der besten Rennstrecken der Welt", erklärte Russell sein Manöver nach dem Rennen.

Fehler im System: Profitierte Russell trotz Strafe von dem illegalen Manöver?
Er führte seine Aktion auch als Beleg dafür an, dass die 2-Stopp-Pflicht, welche die Formel 1 für dieses Jahr in Monaco eingeführt hatte, ein Fehlschlag sei. "Es beweist, dass das System fehlerhaft ist", sagte der Mercedes-Fahrer. Teamboss Toto Wolff zeigte Verständnis für die Aktion seines Fahrers: "Ich denke, dass er in diesem Moment frustriert war und etwas anderes versuchen wollte. Wir wussten, dass es eine Durchfahrtsstrafe sein würde, wir hofften auf eine 10-Sekunden-Strafe. Aber es hat nichts geändert."
Paradoxerweise zahlte sich trotz der härteren Bestrafung das Abkürz-Manöver von Russell sogar aus. Denn da Albon die Piloten hinter sich weiterhin in Schach halten musste und nach wie vor bummelte, konnte Russell bis zum Absitzen der Strafe einen Vorsprung von 16 Sekunden auf den Thai-Briten herausfahren und kam vor ihm zurück auf die Strecke.
"Falls ich das nicht getan hätte, wäre ich wohl 15. oder 16. geworden", glaubt Russell, der letztendlich auf dem elften Rang über die Linie kam. Eine Kalkulation, die mit Vorbehalt zu genießen ist, denn P11 gelang ihm unter anderem deshalb, weil Antonelli anschließend mit dem weitern Verfolgerfeld dasselbe Spiel abzog, diese aufhielt und Russell somit Track Position rettete.
Ob mit oder ohne Abkürzen, Punkte wären so oder anders aus eigener Kraft nicht mehr drin gewesen, ist auch Wolff überzeugt: "Es gab kein Szenario, in dem wir noch einen Punkt geholt hätten. Egal, wie Kimi abgedeckt hätte, wir wären immer hinter den Williams gewesen." Im Übrigen hatte auch Russells Teamkollege Albon in er Schikane durch ein Abkürz-Manöver überholt - allerdings tatsächlich unabsichtlich, da er dem Williams beinahe ins Heck gekracht war und, um einen Unfall zu vermeiden, auswich. Antonelli gab den Platz kurze Zeit später zurück.



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