Trotz neuen Konzepts und Radikal-Kur strauchelt Mercedes auch in Jahr drei der Ground-Effect-Ära: Vierte Kraft, Red Bull wieder meilenweit entfernt und Rück- statt Fortschritte. Lewis Hamilton kann seinen Wechsel von Silber zu Rot kaum mehr erwarten. Motorsport-Experte Christian Danner schockieren die derzeitigen Leistungen der ehemaligen Formel-1-Dominatoren.

Im Teufelskreis gefangen: Mercedes in der Formel 1 derzeit hilflos

"Ich glaube, wir sehen bei Mercedes eine gewisse Hilflosigkeit", meint Christian Danner. "Die wissen nicht, was sie machen sollen." Im Gegensatz zu den anderen Teams: Klassenprimus Red Bull vorneweg, auch Ferrari hätte mittlerweile aus ihren Fehlern gelernt. "Die einzigen, die sich im Kreis drehen sind die Jungs von Mercedes. Das ist erschreckend."

Mercedes-Teamkollegen George Russell und Lewis Hamilton nach dem Rennen im Parc Ferme
P5 in Bahrain war bislang Mercedes bestes Saisonergebnis, Foto: LAT Images

Auch deshalb ungewohnt, weil Mercedes in der Turbo-Hybrid-Ära nicht nur Serien-Sieger, sondern Serien-Weltmeister der Formel 1 war. In der zweiten Ausgabe des AvD Motorsport-Magazins ist Experte Christian Danner zum ersten Mal nicht mehr so zuversichtlich, dass der Teufelskreis gebrochen werden kann.

"Bisher habe ich immer gedacht, die müssen das doch hinkriegen. Die haben ein gutes Team, ein gutes Budget, gute Leute und state-of-the-art Entwicklungsmöglichkeiten in Brackley", führt der ehemalige Formel-1-Pilot aus. "Aber anscheinend versteht da keiner so richtig, was abgeht."

Nach zwei Rennen ist das Team 2023 Vierter in der Konstrukteurs-WM. Der Anspruch bei Mercedes ist seit drei Jahren aber eigentlich die Revanche für 2021. "Im ersten Jahr ging das in die Hose, das Auto war unfahrbar, Porpoising, Bouncing - es sprang wie eine wildgewordene Geiß." Damals dachten alle an einen negativen Ausreißer.

2023 das falsche Konzept, Personal ausgetauscht, jetzt 2024 das richtige Konzept. "Aber das Auto ist noch immer genauso schlecht wie vorher", führt Christian Danner aus. Auch im dritten Jahr in Folge fehlt Mercedes Verständnis. "Das kann man nicht mehr gelten lassen. Jetzt ist Schluss mit lustig!"

Danner: Einzige Lösung Konzeptwechsel - auch beim Personal?

"Das, was mich schockiert - da geht es mir wie den Fans - ist, dass ein Hamilton jetzt sagt: Sagt mal Leute, habt ihr es verlernt? Könnt ihr ein Auto nach den jetzigen Regularien bauen?", so Danner. "Offensichtlich nicht, denn die Sorgen, die wir haben, sind immer noch die gleichen, auch wenn das Auto vielleicht ein bisschen schöner zu fahren ist."

Schlüssel zum Erfolg laut Christian Danner: Neue Leute. "James Allison ist ein sehr kompetenter Mann, der mit Ruhe und Sachverstand an die Sache rangeht", meint er. "Aber offensichtlich braucht er jemanden, der in seiner Aerodynamik-Abteilung einmal ordentlich frischen Wind reinbringt."

"Ich will nicht sagen, dass sie nie mehr einen Fuß auf den Boden bekommen. Aber einfach wird es nicht", ist Optimist Danner bei den Silberpfeilen doch skeptisch. "Wenn ich innerhalb von drei Jahren nicht verstanden habe, was los ist, ist die Chance, dass ich es in den nächsten beiden kapiere, relativ überschaubar."

Ganz so pessimistisch geht es bei unserem neuen Avd Motorsport-Magazin - immer montags oder dienstags nach einem Formel-1-Wochenende normalerweise nicht zu. Außer, wenn es um Alpine geht. Aber am besten, ihr seht selbst!

Wieder nur Mittelmaß! Hat Mercedes das Autobauen verlernt?: (26:44 Min.)