"Wir sind mit dem Potenzial dieses Motorrads am Limit angekommen", erklärte Miguel Oliveira am vergangenen Sonntagabend vor versammelter MotoGP-Medienlandschaft, nachdem seine Markenkollegen und er gerade eine der brutalsten Blamagen in Yamahas ruhmreicher WM-Geschichte kassiert hatten. Abgeschlagen trudelten die vier M1-Piloten auf dem Red Bull Ring auf den letzten vier Plätzen ins Ziel. Die Botschaft Oliveiras war daher klar: Es braucht jetzt Veränderungen, und zwar umfangreich. Oder noch besser gesagt: Es braucht jetzt endlich einen neuen Motor.
Beim Antriebsstrang setzt Yamaha seit dem Suzuki-Ausstieg Ende 2022 bekanntlich als letzter verbliebener MotoGP-Konstrukteur noch immer auf einen Reihenmotor, während die Konkurrenz durchweg mit V4-Triebwerken an den Start geht. Und genau dieser Reihenmotor wurde von den Piloten der Japaner schon lange als Ursprung allen Übels ausgemacht, weshalb in der Fabrik in Iwata auch schon seit knapp einem Jahr an einem eigenen V4-Motor gearbeitet wird. Dieser soll Yamaha endlich wieder an der MotoGP-Spitze mitmischen lassen, doch es gibt schlechte Neuigkeiten.
Yamaha-Stammfahrer: Frühster V4-Test im September in Misano
Erstmals in Kontakt werden die Stammfahrer Yamahas nämlich wohl erst beim Misano-Test Mitte September (15.09.) kommen, vielleicht auch erst später - sehr zum Unverständnis von Starpilot Fabio Quartararo. "Diese Frage stelle ich mir auch", antwortete er am Donnerstag vielsagend auf die Frage eines Journalisten, warum er das Motorrad mit dem V4-Motor nicht schon vor dem Misano-Test in rund vier Wochen testen könne. Als Mitglied im Concession-Rang D wäre Yamaha das private Testen mit den Stammfahrern schließlich erlaubt, bislang spulten aber nur die Testfahrer Augusto Fernandez und Andrea Dovizioso Kilometer mit dem V4 ab.
"Ich hätte das Motorrad gerne schon früher getestet", kommentierte Quartararo weiter ließ dann verlautbaren, was aktuell wohl kein Yamaha-Fan gerne hören bzw. lesen wird: "Ich glaube, dass sie bei der Entwicklung des Motorrads hinterherhängen." Yamaha also im V4-Verzug? Eine überraschende Aussage, nachdem in den vergangenen Monaten doch fast ausschließlich positive Nachrichten über den neuen Motor an die Öffentlichkeit gedrungen waren. "Es gibt nichts Negatives zu berichten, es geht einfach darum, dass wir irgendwann bessere Rundenzeiten sehen müssen. Yamaha macht einen guten Job. Ich denke, das wird ein gutes Motorrad werden", hatte Augusto Fernandez erst kürzlich mitgeteilt. Seine klare Botschaft damals: "Ich fühle mich sehr wohl auf dem V4. Ich kann sagen, dass das [neue] Motorrad mehr Potential hat."
Eine Ansicht, die aber offenbar nicht alle Yamaha-Mitarbeiter teilen. Denn anders kann sich Quartararo zumindest nicht erklären, warum er das neue Motorrad mit V4-Motor immer noch nicht ausprobieren durfte. "Ich hätte es gerne schon früher getestet", stellte er erneut klar und verkündete dann eine spannende These: "Ich denke, dass sie Angst haben, dass das Motorrad noch nicht bereit und noch nicht gut genug für mich ist."

Nach Österreich-Albtraum: Nur wenig Quartararo-Euphorie für Ungarn
Die Yamaha-Erlösung wird also noch auf sich warten lassen und so müssen Quartararo und Co. vorerst mit dem bestehenden M1-Paket weiterkämpfen. Nur bedingt erfreuliche Nachrichten mit Blick auf das, was zuletzt in Spielberg passierte. "Ich kann das jetzt vergessen, aber die Ingenieure nicht. Ich hoffe, dass sie nicht vergessen werden, was in Österreich passiert ist", tobte 'El Diablo' auch mit einigen Tagen Abstand noch. "Ich will nicht, dass das nochmal passiert, weil das lächerlich war. Alle vier von uns erwarten Antworten", schäumte er. Wann diese folgen werden, ist unklar. Zumindest einen positiven Aspekt konnte Quartararo dem Spielberg-Debakel dann aber doch noch abgewinnen: "Vielleicht war es gut für unsere Ingenieure, das Ergebnis in Österreich zu sehen. Ich hoffe, dass sie jetzt verstehen, wie schwierig unser Motorrad zu fahren ist und wie hart wir arbeiten müssen, um besser zu werden."
Ob es vielleicht schon beim Ungarn GP (22. - 24. August) besser werden wird? "Es kann ja nur schwierig noch schlimmer als in Österreich werden", antwortete Quartararo mit Galgenhumor. Wohl wahr, doch auf dem Papier dürfte es erneut ein schwieriges Wochenende für Yamaha werden. Denn auch der brandneue Balaton Park Circuit kommt - ähnlich wie Spielberg - mit einer Stop-and-Go-Charakteristik daher. Quartararo hält sich daher bedeckt: "Ich will einfach nur Spaß haben. Wenn du es nicht genießen kannst, ist das das Schlimmste und Österreich war in dieser Hinsicht ganz klar ein Albtraum."
Ein Albtraum war das Spielberg-Wochenende ab Samstagnachmittag auch für Francesco Bagnaia. Einige Kommentare in den TV-Interviews sorgten daraufhin für Wirbel. In Ungarn war der Ducati-Pilot nun um Klarstellung bemüht:



diese MotoGP Nachricht