Die MotoGP-Sommerpause hatten Yamaha und Star-Pilot Fabio Quartararo vor rund einem Monat eigentlich mit einem guten Gefühl begonnen. Die Plätze drei und fünf (Sprints) sowie vier und sechs (Grands Prix) hatte 'El Diablo' beim Double-Header am Sachsenring und in Brünn eingefahren. Nur Marc Marquez brachte es in diesem Zeitraum auf mehr WM-Punkte. Eigentlich ein Erfolg, der sich sehen lassen konnte. Und doch war von Aufwärtstrend bei den Blauen aus Iwata nur wenig zu spüren. Warum? Das wurde am vergangenen Wochenende in Spielberg auf brutalste Art und Weise aufgezeigt.
Die vier Yamaha-Piloten belegten im Österreich-Grand-Prix nämlich geschlossen die letzten vier Plätze, kamen auf den Rängen 15, 16, 17 und 18 ins Ziel. Auf das nächstbeste Motorrad von Ai Ogura (14.) fehlten der bestplatzierten YZR-M1 von Quartararo fast sieben Sekunden. Schlichtweg das schlechteste Wochenende der laufenden Saison und eines der schlechtesten überhaupt in der so ruhmreichen MotoGP-Geschichte von Yamaha.
Yamaha-Fahrer schimpfen nach MotoGP-Debakel in Spielberg
Kein Wunder also, dass die Piloten der Japaner am Sonntagabend kein Blatt vor den Mund nahmen. "Du kannst nicht mit deinen vier Motorrädern auf den letzten vier Positionen landen, das ist einfach lächerlich. Ich konnte in diesem Rennen nichts sehen oder lernen, es war einfach nur unnötig", schäumte etwa Quartararo und Miguel Oliveira schimpfte: "Ich wusste schon nach dem Warm Up, dass es ein hartes Rennen werden würde. Es ist schwer, wenn du als Fahrer nichts machen kannst, um schneller zu werden oder zumindest mit anderen kämpfen zu können. Das war ein sehr frustrierendes Rennen für einen Fahrer, eines der schlimmsten das ich je erlebt habe."
"Es gibt nicht viel zu sagen. Es war enttäuschend, gelinde gesagt", zeigte sich auch Jack Miller maximal bedient. Der Australier hatte anfangs noch am besten mitgehalten, lag zwischenzeitlich auf Platz 15. Beginnend mit Runde fünf wurde auch er jedoch immer weiter durchgereicht, ehe er schließlich mit 37,478 Sekunden Rückstand auf Rennsieger Marc Marquez als Letzter ins Ziel kam. "Ich habe mich in den ersten fünf Runden noch halbwegs gut gefühlt. Der Grip war akzeptabel und ich konnte mit den Jungs kämpfen", beschrieb er und Pramac-Teamkollege Oliveira klärte dann auch auf, warum die Yamahas am Red Bull Ring so hoffnungslos unterlegen waren: "Wir hatten aus den Kurven heraus einfach keinerlei Grip."

Michelin-Reifen verschlimmern traditionelle Yamaha-Probleme
Alles andere als ideal auf einem Stop-and-Go-Kurs wie Spielberg. Mit Blick auf die altbekannten Grip-Probleme am Heck war Yamaha deshalb ohnehin nicht mit großen Erwartungen in die Alpenrepublik gekommen. "Ich glaube nicht, dass es nur an der Strecke lag", offenbarte Miller jedoch, dass der M1 auch noch ein zweiter, externer Faktor böse mitspielte: Die Reifenspezifikation, die Michelin nach Österreich mitbrachte. "Dieser Hinterreifen hat für uns einfach nicht funktioniert", haderte er. "Wir konnten damit keinerlei Traktion finden. Ich habe im Rennen alles versucht, was ich kenne - Short Shifting oder extremst vorsichtiges Öffnen des Gashebels - aber egal, was ich getan habe, sobald wir bei 120 oder 130 km/h angekommen sind und genug Vorwärtsmomentum generiert haben, verlieren wir an Last und das Motorrad fängt an, wie verrückt durchzudrehen und du kannst nichts mehr dagegen machen."
"Wir müssen jetzt hart arbeiten und das verstehen", gibt der Australier daher die weitere Richtung vor. Doch viel Zeit bleibt nicht, am kommenden Freitag (22. August) beginnt bereits das nächste MotoGP-Rennwochenende am brandneuen Balaton Park Circuit. "Ich habe die Superbike-Rennen dort gesehen. Es sieht so aus, als wäre das auch eine Stop-and-Go-Strecke, was nicht gut für uns aussieht", rechnet Quartararo mit der nächsten Schlappe. "Wir werden uns anpassen und schauen, was wir ausrichten können", gibt er sich jedoch kämpferisch und lacht: "Ich denke, dass es nicht schlimmer als hier werden kann."
Eine dauerhafte Verbesserung könne Yamaha laut Oliveira ohnehin nur mit dem Umstieg auf den V4-Motor gelingen. Über den aktuellen Stand im Motorenprojekt der Japaner informiert euch Tobias ausführlich in diesem Artikel:



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