Wir hatten es alle erwartet und am Ende kam es auch genau so: Marc Marquez setzte seine MotoGP-Siegesserie auch im Österreich-Grand-Prix fort und bezwang damit seine jahrelangen Spielberg-Dämonen. So deutlich und ungefährdet wie gedacht siegte die Startnummer 93 am Sonntag jedoch nicht, vielmehr leistete speziell Fermin Aldeguer auf den letzten Metern nochmal ordentlich Gegenwehr. Und zuvor hatte sich auch Marco Bezzecchi überraschend lange vor Marquez gehalten, ehe er in der Schlussphase einging.
Ähnliches passierte bereits beim letzten Rennen vor der MotoGP-Sommerpause in Brünn, kam daher nicht sonderlich überraschend. Doch beim genaueren Hinsehen - oder besser gesagt, beim Hinhören - steckte da diesmal mehr hinter dem Leistungsabfall Bezzecchis in den letzten Runden. Dieser beschrieb sein Rennen zunächst ganz gewöhnlich: "Ich wollte vorne bleiben und in sauberer Luft fahren. Ich habe die Lücke zu Marc ganz gut kontrolliert und die Reifen nicht allzu sehr beansprucht." Dann ließ 'Bezz' jedoch aufhorchen: "Leider hatte ich ab Rennmitte dann ein kleines Problem, durch das ich langsamer machen musste."

"Kleines Problem" bremst Marco Bezzecchi in Spielberg ein
Die Startnummer 72 wurde also durch externe Einflüsse eingebremst. Worum es sich dabei genau handelte? Das durfte Bezzecchi am Sonntag nicht verraten. "Nein, das kann ich euch nicht sagen", hielt er sich - womöglich auf Anordnung des Aprilia-Teams - bedeckt. Erst auf erneute Nachfrage verriet der 26-Jährige aus Rimini dann zumindest noch: "Es war kein großes Problem, aber ich habe etwas die Konzentration verloren, als es passiert ist. Ich habe dann in einer Kurve einen kleinen Fehler gemacht und ein paar Zehntel verloren. Ich wollte mich dann wieder beruhigen, aber zu entspannen ist nicht einfach, wenn Marc hinter dir fährt."
"Ich habe alles versucht, ihm gegenzuhalten. Wir hatten ein schönes Duell, das aber leider etwas früh geendet hat", meinte Bezzecchi weiter und kommentierte: "Ich hätte ihn gerne noch 20 weitere Male überholt." Doch das passierte nicht, stattdessen zog Marquez nach seinem zweiten Überholmanöver in Runde 20 langsam, aber sicher davon. Die große Frage, die sich nun natürlich stellt: Hätte sich Bezzecchi ohne dieses mysteriöse Problem womöglich noch länger gegen die Rote Werks-Ducati zur Wehr setzen oder vielleicht sogar gewinnen können?
Marco Bezzecchi um möglichen MotoGP-Sieg in Spielberg gebracht?
Eine verlässliche Antwort werden wir natürlich nie erhalten. Bezzecchi selbst zeigte sich am Sonntag aber sehr zuversichtlich, anderenfalls noch mehr im Tank gehabt zu haben. "Ich hatte 0,7 Sekunden Vorsprung auf Marc und als ich das Problem bekommen habe, ist er sofort auf 0,0 Sekunden an mich herangekommen", meinte er und hielt darüberhinaus fest: "Ich weiß, dass er das Rennen davor gemanagt [und nicht seine wahre Pace gezeigt] hat, aber ich war selbst auch am Managen. Erst mit dem Problem war er direkt dran." Marquez selbst führte seine Aufholjagd auf Bezzecchi übrigens auf einen Performance-Abfall im Hinterreifen des Aprilia-Piloten zurück. "Es ist jetzt eben so. Am Ende war er sehr schnell und auch Fermin kam angeflogen", wollte sich 'Bezz' nicht auf weitere Spekulationen einlassen. "Er war wirklich stark, hat mich sehr beeindruckt. Ich hatte eigentlich mit Pedro [Acosta] oder Pecco [Bagnaia] gerechnet, aber nicht mit Fermin. Als auf meinem Pitboard zunächst +1,7 Sekunden Vorsprung und dann +0,8 Sekunden Vorsprung gesehen habe wusste ich sofort, dass ich heute nur Dritter werden würde."
Was letztlich vielleicht enttäuschend klingen mag, muss aber auf keinen Fall so gewertet werden. Denn Spielberg war traditionell eine der schwächsten Strecken der Aprilia RS-GP. Erst 2021 gelang dem Konstrukteur aus Noale am Red Bull Ring überhaupt die erste Top-Zehn-Platzierung, abgesehen von Aleix Espargaros Sprintpodium im Vorjahr ging es nie über Platz sechs hinaus. Nun die Pole Position und das erste Grand-Prix-Podium in Österreich. "Ich bin sehr glücklich", freute sich Bezzecchi daher auch über P3. "Wir haben nach einem schwierigen Freitagnachmittag unglaublich gut zurückgeschlagen. Wir sind ruhig geblieben, haben hart gearbeitet und am Samstag habe ich mich direkt viel besser gefühlt. Das Gefühl wurde von Runde zu Runde besser. Wir können sehr zufrieden sein."
Aprilia scheint nun also ein Paket gefunden zu haben, mit dem die eigenen Piloten auf jeder Art von Rennstrecke vorne mitmischen können. Beginnend mit der Dutch-TT in Assen gelang Bezzecchi an jedem der letzten vier Grand-Prix-Wochenenden immer mindestens eine Podiumsplatzierung in Sprint oder Hauptrennen. Mit breiter Brust sagt der Italiener daher: "Ich hoffe, dass wir genauso weitermachen und uns immer noch ein bisschen weiter verbessern können."
Gesehen wurde Bezzecchis Podiumsfahrt am Sonntag nur von knapp 50.000 Besuchern. Warum der Österreich-GP schon wieder einen Zuschauer-Negativrekord aufstellte, erfahrt ihr in diesem Artikel:



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