Im Jahr eins nach der Ära von Dr. Helmut Marko hinkt Red Bull Racing der Konkurrenz hinterher. Nach drei Rennwochenenden findet sich der Formel 1-Rennstall aus Milton Keynes auf einem ernüchternden sechsten Platz der Konstrukteurswertung wieder – hinter Haas und Alpine. Auch wenn es den 82-Jährigen nicht mehr kümmern muss, so stellt er sich rückendeckend hinter Red Bull Racing.

Das Team habe in der Vergangenheit bewiesen, dass man Rückstände aufholen könne. "Ich glaube schon, dass sie es diesmal wieder schaffen werden. Der Start in Melbourne war ja in Ordnung. Die Updates haben das Auto dann jedoch in die falsche Richtung gebracht", analysierte Dr. Helmut Marko am Rande des "Steiermark-Frühlings" am Wiener Rathausplatz, wo er als neuer Botschafter des Red Bull Ring vorgestellt wurde.

Red Bull Ring Pressekonferenz im Rahmen des Steiermark Frühlings
Auf einer Pressekonferenz in Wien wurde Dr. Marko als Red Bull Ring Botschafter vorgestellt, Foto: Red Bull Ring/Michael Jurtin
Dr. Helmut Marko mit Max Verstappen
Dr. Marko und Max Verstappen hegen noch losen Kontakt, Foto: IMAGO/PsnewZ

Dr. Marko: Max-Faktor verpufft in der aktuellen Situation

Gegen Mercedes sieht Marko 2026 allerdings kein Kraut gewachsen. Selbst ein Fahrerkaliber wie Max Verstappen könne die technischen Defizite des RB22 nicht kompensieren. "Der Max-Faktor zieht nur dann, wenn er Vertrauen zum Auto hat. Das ist momentan nicht der Fall", so der Österreicher.

Der Kontakt zwischen Dr. Marko und seinem ehemaligen Schützling ist geblieben, doch die Themen haben sich verschoben: "Max spricht mehr über den Nürburgring als über die Formel 1.“ Verstappen startet bei den 24h Qualifiers (18./19. April), um sich auf sein Debüt beim Eifel-Klassier im Mai vorzubereiten. Seit Wochen kokettiert der Niederländer mit einem Rücktritt, da ihm die neue Motorenformel in der Formel 1 missfällt.

Kritik am Reglement: Fahrer wurde dominierende Rolle entzogen

Marko zeigt Verständnis für die Kritik am hohen Elektro-Anteil: "Max ist ein Vollblut-Racer. Das jetzige Reglement ist extrem auf Energiemanagement ausgelegt - das funktioniert nur im Zusammenspiel mit den Software-Ingenieuren. Dem Fahrer wurde die dominierende Rolle entzogen." In einem ersten Meeting mit den führenden technischen Verantwortlichen der Teams wurde am Donnerstag (9. April) in London über mögliche Lösungen diskutiert.

Mitte April soll es in die zweite Runde gehen, ehe man sich im Vorfeld des Miami GP mit den Teamchefs, F1-Präsident Stefano Domenicali und der FIA zusammensetzt. Marko bleibt jedoch skeptisch: "Es wird Adaptionen geben, aber ob man es so hinkriegt, dass wieder der Fahrer das entscheidende Element ist, kann ich derzeit nicht beurteilen."

Aderlass in Milton Keynes: Lambiase-Abgang wiegt schwer

Viel besser kann er da schon beurteilen, wie hart der Abgang von Gianpiero Lambiase, kurz "GP", Red Bull Racing und vor allem Verstappen trifft. "GP ist ein ganz wesentlicher Faktor in der Fahrzeugentwicklung und Abstimmung, der seine eigenen Wege gegangen ist - nicht immer im Einvernehmen mit der restlichen Technik-Crew", betont Marko. Red Bull verliert mit Lambiase einen weiteren Eckpfeiler.

Zwar bestätigte das Team, dass "GP" bis zu seinem geplanten Abschied 2028 als Head of Racing und Renningenieur von Verstappen im Amt bleibt, doch der Schaden ist angerichtet. "Die beiden waren wie ein altes Ehepaar. Sie hatten auch ihre Diskussionen und Dispute, aber das ist schon ein großer Wertverlust", meint Dr. Marko. Lambiase zieht es wie schon zuvor Rob Marshall und Will Courtenay von Milton Keynes in Richtung Woking zu McLaren. Mehr dazu hier: