Für die Formel 1 wird der rennfreie April eine kritische Zeit. In mehreren Meetings sollen die zahlreichen Probleme der viel kritisierten neuen Power Units aussortiert werden. Auf Fahrerseite kommt der größte Druck vom vierfachen Weltmeister Max Verstappen, der seit Wochen die Motorenregeln einen potenziellen Rücktrittsgrund nennt. Doch hilft das dabei, die Formel 1 wieder auf Kurs zu bringen?
Der 158-fache GP-Starter Martin Brundle äußert dazu im Podcast des britischen Sky-F1-Ablegers ernste Zweifel an Verstappens Methode. Außer Frage steht für Brundle, dass sich etwas ändern muss. Erst recht nach dem schweren Unfall von Oliver Bearman in Japan, der die vom Batteriemanagement ausgehende Gefahr durch plötzliche große Geschwindigkeits-Unterschiede im Rennen mehr als deutlich illustrierte.
Mehrere Fahrer unterstrichen nach dem Rennen sofort, dass sie die Regelhüter vom Automobil-Weltverband FIA lange im Voraus vor dieser Gefahr gewarnt hatten. Brundle schließt sich mit der Meinung an, dass bis zum nächsten Rennen in Miami sofort etwas unternommen werden muss, zumindest um die Gefahr eines weiteren ähnlichen Unfalls zu reduzieren. Gerade bei einem Auffahrunfall kann das übel enden.
Probleme mit den neuen Formel-1-Motoren: Wie sollte Max Verstappen handeln?
"Wenn ein Auto jetzt ins Publikum fliegt und sie nichts getan oder sich nicht damit beschäftigt haben, dann bleibt das an der FIA hängen", warnt Brundle. "Die erste Priorität haben die Fans. Sie zahlen dafür, dass sie dabei sind, sie nehmen kein Risiko auf sich und müssen beschützt werden. Dann die Streckenposten, denn sie werden nicht bezahlt, aber werden an der Strecke dem Risiko ausgesetzt. Dann die Boxencrew, und schließlich die Fahrer."
Doch die Probleme mit den neuen Formel-1-Motoren gehen - wie Verstappen eigentlich seit Jahren warnt - weit über Sicherheits-Probleme hinaus. "Die Batterie kann nach jeder halbwegs anständigen Geraden leer sein", stimmt Brundle Verstappens sportlicher Kritik auch überwiegend zu. "Wir sind festgefahren, denn die Hardware kann es einfach nicht. Darüber haben wir drei Jahre gesprochen. Wir wussten, dass es so sein würde. Da gibt es fundamentale Fehler."
"Aber ich denke, sie sollten in der Lage sein, ein paar dieser Elemente abzufedern", glaubt Brundle. Und genau hier ist er sich nicht sicher, ob Verstappens schonungslose Art und Weise der Kritik gepaart mit Rücktritts-Flirts bei jeder Nachfrage eben der richtige Weg ist, um die Formel 1 wieder auf Kurs zu bekommen.
Max Verstappen vs. Michael Schumacher: Unterschiedliche Polit-Methoden
"Seine Argumente sind brutal vorgetragen, und sehr gut", findet Brundle. "Aber was jemand wie Schumacher getan hätte: Er hätte die Tür geschlossen, hätte dahinter auf den Tisch geschlagen, hätte metaphorisch die richtigen Leute an der Gurgel gepackt, und dann wäre er wieder rausgekommen, hätte gegrinst und gesagt, alles sei in Ordnung. Wenn sie es dann nicht hinbekommen - worauf wir in Miami schauen werden -, dann gehst du zu den Medien."

"Aber so handelt er nicht", weiß Brundle. Verstappen und Michael Schumacher sind mit ihren politischen Methoden abseits der Strecke völlig unterschiedliche Charaktere. Schumacher hatte nie ein Problem damit, das politische Spiel mitzuspielen. Bei der Neugründung der Fahrer-Gewerkschaft GPDA 1994 ließ er sich zusammen mit mehreren Fahrern, darunter Brundle, als Direktor aufstellen. Den Posten behielt er bis zu seinem ersten Rücktritt Ende 2006.
Während Schumacher aktiv hinter den Kulissen agierte, ist Verstappen eher für das Gegenteil bekannt. Bei den langen Debatten über diverse Racing-Themen in Fahrer-Briefings soll er in den letzten Jahren oft den Ball lieber flach gehalten haben. In der GPDA überlässt er anderen das Feld.
Während Carlos Sainz, heute einer der GPDA-Direktoren, dementsprechend am Sonntag in Japan eine sorgfältig durchdachte Antwort zum Thema Sicherheit ablieferte - wohl wissend, dass dieses Wort mehr Gewicht hat als alle anderen -, sagte Verstappen bei Nachfragen lakonisch: "Wenn es um Sicherheit geht, dann tut man sich leicht, Dinge zu lösen. Du kannst 'Sicherheit' für viele Dinge verwenden. Vielleicht sollten wir das Wort 'Sicherheit' dann nutzen. Um endlich etwas zu ändern."
Würde die Max-Verstappen-Lücke in der Formel 1 sofort geschlossen?
Für Verstappen geht es eben um mehr als nur die Sicherheitsfrage, sondern um die Kombination aller Probleme, welche die neuen Hybrid-Motoren in der Formel 1 provoziert haben, und um den fehlenden Spaß, und er ist eben dabei immer ehrlich und direkt. Das lässt immer mehr Experten im Fahrerlager inzwischen daran glauben, dass er nach 2026 tatsächlich die Königsklasse verlassen könnte. Auch wir haben das Thema im folgenden Video diskutiert:
Selbst so ein Verlust würde die Formel 1 aber nicht aus dem Tritt bringen. "Niemand ist in diesem System unersetzlich. Ich habe viele tolle Leute diesen Sport verlassen sehen, und der Sport macht weiter", urteilt Brundle. "In der Minute, in der wir aufhören, sprechen die Leute darüber, wer den Job als nächstes übernimmt. Es gibt zahlreiche Antonellis, Bearmans, Lindblads da draußen, die das für ein Prozent des Geldes äußerst gut machen würden."
Für Brundle wohl aber eine immaterielle Frage: "Denke ich, dass er der Formel 1 den Rücken kehrt? Das glaube ich nicht, sofern er ein Auto bekommt, das ihn zufrieden stimmt." Bei Red Bull kommt hier nun das Thema Technik-Chef immer öfter zur Sprache. Wir haben die letzten Infos zur Lage rund um den immer öfter kritisierten Pierre Wache:



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