Ein turbulentes Finish im Qualifying, und mehrere Defekte bei George Russell, verhalfen Kimi Antonelli in China zur ersten Pole seiner Formel-1-Karriere. Den jungen Mercedes-Piloten treiben jedoch große Start-Probleme um, mahnt der Favoritencheck von Motorsport-Magazin.com. Ist es genau das, was Ferrari endlich für einen Durchbruch braucht? Oder bloß ein weiteres Geschenk für George Russell?
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Auch wenn Russells technische Gebrechen im Qualifying am Samstag Antonelli entgegenkamen, so musste er die Pole letztendlich immer noch fahren. Diesem Druck hielt er schon einmal stand. Nur wird der Druck im Rennen ungleich höher sein. Denn die Start-Bilanz von Antonelli in der neuen Ära von 2026 liest sich bislang nicht gut.
Kimi Antonelli hat 2026 bislang in der Formel 1 ein Start-Problem
Obwohl Antonelli an und für sich kein schlechter Starter ist. 2025, in seinem ersten F1-Jahr, war seine Bilanz auf der ersten Runde durchschnittlich. In 9 GPs gewann er Positionen, in 8 verlor er welche, in 7 kam er auf seiner Startposition aus der ersten Runde zurück.
Aber mit den komplexen neuen Power Units zählt das 2026 wenig. In Melbourne verlor Antonelli sechs Plätze, im Sprint von China am Samstag wurde er gleich um sieben zurückgereicht und kollidierte gleich im Anschluss noch mit dem Red Bull von Isack Hadjar.
Allein am Mercedes liegt das nicht. George Russell kam in beiden Fällen auf dem ersten oder zweiten Platz aus der ersten Runde zurück. "Zuerst einmal muss ich einen guten Start haben, bis jetzt hatte ich noch keinen", ist sich Antonelli dem Problem durchaus bewusst. Sein Start könnte rennentscheidend sein - nicht nur für ihn selbst.
Was hilft Ferrari am Start in China für das Rennen am meisten?
Dass Mercedes den Start verliert, davon scheint eigentlich jeder auszugehen. "Wir wissen, die Ferrari fahren schnell los, und wir haben sie auf P3 und P4, zum ersten Mal in dieser Saison", mahnt Russell. Lewis Hamilton und Charles Leclerc wehrten sich in Australien und im Sprint bislang mit Händen und Füßen, nachdem sie sich früh in Führung gesetzt hatten.
Die beiden glauben aber, dass sie in einem sauberen Rennen keine Chance gegen die Mercedes haben. Rund eine halbe Sekunde pro Runde ist das von Ferrari geschätzte Pace-Defizit zu den Silberpfeilen. Wenn sie versuchen, die Pace zu halten, dann zerstören sie dabei ihre Reifen. Mehr dazu hier:
Aber gibt es eine Konstellation, die dem Ferrari entgegenkommt? Russell wirkte das ganze Wochenende wie der schnellere Fahrer. Er hatte im Sprint kein Problem damit, Hamilton in den ersten fünf Runden niederzukämpfen und die Führung zu übernehmen. Im Qualifying kam er selbst mit einem nach den Defekten nicht optimiertem Auto bis auf zwei Zehntel an Antonelli ran.
Für Ferrari wäre es also durchaus von Vorteil, wenn man beide Autos an die Spitze brächte, und sich Antonelli dahinter dann vor Russell einsortieren würde. Mit etwas Glück könnten sich die Mercedes dann untereinander beharken, um den Ferraris Luft zu verschaffen.
Leclerc erinnert daran, dass man es schließlich sehr wohl schaffte, die Mercedes besonders in Australien aufzuhalten: "Wenn du anfängst zu kämpfen, verlierst du mit der Batterie viel, und es beginnt ein Schneeball-Effekt. Damit konnten wir sie einbremsen und im Kampf bleiben. Hoffentlich ist das morgen der Fall."
Kann die Strategie Ferrari in China helfen?
"Vielleicht kann mit der Strategie etwas passieren, vielleicht mit dem Start, vielleicht gibt es einen Weg", meint Hamilton. Nüchtern betrachtet scheint sich Ferrari aber nur zu gut bewusst, dass sie keine realistische Chance haben, sobald der Mercedes einmal in Fahrt kommt und die Führung übernimmt.
Auf Strategie-Seite fehlt in China außerdem die Unsicherheit, die einem Underdog helfen könnte. Reifen-Lieferant Pirelli geht fest von einem Boxenstopp aus. Soft-Hard gilt als ideale Lösung. Ab Runde 15 sollte man nämlich mit dem Hard durchfahren können. Die Formel 1 hat aus dem Vorjahr gelernt, als man auf dem erst vor kurzem neu asphaltierten Shanghai International Circuit eine Zweistopp-Strategie prognostizierte und damit völlig danebenlag.
Einziger Unsicherheitsfaktor ist, dass es am Sonntag bewölkt und etwas kühler sein sollte. Und die Formel 1 hatte schon im Sprint am Samstag mit Graining der Vorderachse zu kämpfen. Das wird üblicherweise nur schlimmer, wenn der Asphalt kälter wird.
Ferrari kommt das aber alles nicht entgegen. Mercedes fährt den Vorsprung auf den Geraden raus. Damit haben sie in den anspruchsvollen langgezogenen Kurven mehr Puffer, um Reifen zu schonen. Bei einem regulären Rennverlauf wirkt es daher so, als seien in jedem Szenario Russell und Antonelli haushohe Favoriten. Mit Russell wohl auf Nummer eins, bis Antonelli beweist, dass er den Start hinbekommt.
Niemand sonst aus dem Formel-1-Feld ist in China wirklich erwähnenswert. McLaren klammerte sich im Qualifying noch an Ferrari, doch der von P5 startende Oscar Piastri mahnte danach schnell: "Wir scheinen im Qualifying schneller als im Rennen." In dem sind sie im Niemandsland.
Hinter dem sechstplatzierten Lando Norris beginnt bereits das praktisch komplett chancenlose Mittelfeld mit Pierre Gasly. Hier finden sich auch die Red Bulls wieder. Max Verstappen ist bisweilen der Verzweiflung nahe. Dass er und Isack Hadjar mehr als ein paar Punkte im engen Fight mit Alpine, Haas und Audi abstauben können, gilt als äußerst unwahrscheinlich.



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