Kimi Antonelli hat mit seiner Pole Position beim Formel-1-Qualifying in China am Samstag sein erstes Stück große Formel-1-Geschichte geschrieben. In MIAMI holte das Mercedes-Wunderkind vor einem Jahr schon die Pole für den Sprint. Mit seinem Erfolg in Shanghai fiel der fast zwei Jahrzehnte alte Rekord von F1-Legende Sebastian Vettel final in seine Hände. Der neue Rekordhalter ist nach vielen Pleiten vor allem erleichtert. Fast noch stolzer ist sein Mercedes-Boss. Toto Wolff fühlt sich bestätigt.

"Ich bin sehr glücklich. Das ist erst der Anfang, es kommt noch viel mehr", freut sich der neue Rekordhalter in einer der bedeutendsten Formel-1-Statistiken. In seinem 26. Qualifying in der Königsklasse fuhr er zum ersten Mal auf die Pole Position. Im Alter von 19 Jahren, 6 Monate und 17 Tagen löste er damit Sebastian Vettel ab. Der Heppenheimer hielt den Rekord seit 2008. Damals hatte der spätere Red-Bull-Star für Toro Rosso in Monza mit 21 Jahren, 2 Monate, und 11 Tagen sensationell die Pole Position geholt - und am Sonntag das Rennen gewonnen.

Kimi Antonelli bleibt trotz des Höhenflugs rational. Der letzte Fehlschlag ist ihm in nur zu guter Erinnerung. "In Melbourne habe ich mich dafür geschämt, diesen heftigen Unfall gehabt zu haben", so der Italiener. "Das hat mich für das Qualifying und das Rennen ins Hintertreffen gebracht. Das ist hart, denn du weißt, dass du so eine gute Möglichkeit hast, und ein schnelles Auto, und dann willst du diese Chance nicht verpassen."

Diesmal sollte das nicht passieren. Schon im Auto fühlte es sich für ihn anders an. "Es war schön, weil ich das erste Mal in einem Qualifying in der Lage war, in jeder Runde noch mehr Zeit zu finden, wenn ich auf die Strecke ging", erklärt er. Dass Antonelli diese Chance nun endlich genutzt hat, erleichtert vor allem seinen Teamchef.

Mercedes-Teamchef Toto Wolff empfindet Genugtuung nach Antonelli-Pole

"Viele haben gesagt, der Bengel ist zu jung - zu jung, um in einem Mercedes zu sitzen, und wir hätten ihn anders vorbereiten sollen. Aber der Bengel hat es heute gut gemacht", freut sich Toto Wolff im Gespräch mit Sky Sports F1 über die Pole seines Schützlings. Im Vorjahr hatte er Antonelli mit erst 18 Jahren, 6 Monaten und 19 Tagen in die Königsklasse befördert und damit zum drittjüngsten F1-Starter gemacht - hinter Max Verstappen und Lance Stroll.

Nach einem turbulenten Rookie-Jahr mit viel mentaler Aufbauarbeit hat Antonelli endlich sein erstes Meisterstück vollbracht. "Ein dicker Glückwunsch an diesen großen Jungen hier, an Kimi!", adelt Lewis Hamilton seinen Mercedes-Nachfolger und wird sich in diesem Moment scheinbar seiner Karriereentscheidung erneut bewusst: "Es ist ein unglaublicher Erfolg... er hat meinen Platz übernommen, und ist von Anfang an gut abgegangen. Es ist toll, seine Fortschritte zu sehen. Er verdient es wirklich. Und es ist ein großartiger Rekord."

Russell-Defekt schmälern Leistung von Kimi Antonelli nicht

Ursprünglich hatten abermals alle Zeichen auf die nächste Pole Position für George Russell gezeigt, doch der WM-Leader wurde im Q3 von technischen Problemen ausgebremst. Am Ende reichte es nur für einen Versuch, doch für Toto Wolff war es trotzdem ein fairer Schlagabtausch: "Das hat sich lange angekündigt. Ich meine, selbst als er die 32.0 gefahren ist, war nicht gesagt, dass George das matchen wird", sagt der Österreicher mit Blick auf Antonellis Pole-Zeit von 1:32,064 Minuten. Der Pole-Setter selbst bleibt bescheiden: "Natürlich hatte George im Q3 ein Problem, also hätte es auch eine andere Geschichte sein können. Aber ich bin glücklich mit meiner Runde."

Wenn er Russell im Grand Prix am Sonntag erneut bezwingt, würde er zum zweitjüngsten F1-Sieger nach Max Verstappen (18 Jahre, 7 Monate und 15 Tage) werden. "Zunächst einmal muss ich einen guten Start haben, denn ich hatte bis jetzt noch keinen guten", mahnt der Youngster. Außerdem fürchtet er die für den Sonntag vorhergesagten kühleren Temperaturen: "Das Graining wird dadurch noch schlimmer. Ich muss das alles im Griff haben."