Der Streit um das Verdichtungsverhältnis der 2026er Formel 1-Motoren nimmt eine erneute Wendung. Wie Motorsport-Magazin.com aus gut informierten Kreisen erfuhr, soll der Vorschlag, den die FIA der F1-Kommission vergangene Woche in Bahrain präsentierte und zur Abstimmung schicken wollte, schon wieder überholt sein.
Der Plan sah vor, das Reglement ab 01. August 2026 so abzuändern, dass das Verdichtungsverhältnis nicht nur im kalten (Umgebungstemperatur), sondern auch im warmen (130 Grad Celsius) gemessen wird. Die fünf Motorenhersteller Mercedes, Ferrari, Honda, Audi und Red Bull Powertrains sowie FIA und Formel 1 sollten diese kurzfristige Regeländerung eigentlich mit einer sogenannten Super-Mehrheit verabschieden.
Neuer Kompromiss schon ab Juni
Für die Super-Mehrheit wären sechs der sieben Stimmen nötig gewesen. Nachdem sich Mercedes-Teamchef Toto Wolff überraschend positiv zum Vorschlag geäußert hatten, waren es die anderen Hersteller, denen der Plan nicht gefiel. Dabei sollte die Regeländerung darauf abzielen, einen Trick, den Mercedes bei der Entwicklung des Verbrennungsmotors gefunden hatte, für illegal zu erklären.
Die Mercedes-Konkurrenz störte sich daran, dass bei beiden Bedingungen gemessen wird, also kalt und warm. Deshalb wurde nun ein neuer Kompromiss gefunden, der aller Voraussicht nach zeitnah verabschiedet wird. Der neue Kompromiss sieht vor, die Deadline vom 1. August auf den 1. Juni vorzuziehen. Gleichzeitig gibt es einen Zwei-Stufen-Plan: Ab dem 1. Juni gilt dann für den Rest der Saison 2026 eine Messung bei kalten und heißen Bedingungen. Ab 2027 soll dann allerdings nur noch im heißen Zustand gemessen werden.
Hintergrund: Durch Materialausdehnung sinkt das Verdichtungsverhältnis normalerweise deutlich im heißen Zustand. Aus dem Fahrerlager ist zu hören, dass Hersteller, die bei den bisherigen Tests das Limit von 16,0:1 erreichen, im Fahrbetrieb nur noch auf etwa 15,2:1 kommen.
James Vowles hält die Aufregung um den Mercedes-Motorentrick für überbewertet. Die Konkurrenz sieht das anders, allen voran Laurent Mekies. Mehr dazu:
Konkurrenz im Vorteil
Mercedes hingegen soll mit dem Trick nicht wie ursprünglich kolportiert auf das alte Limit von 18,0:1 kommen, aber immerhin in die Region von 16,3:1. Dadurch ist eine effizientere Verbrennung möglich, was durch den maximalen Energiefluss von 3.000 Megajoule pro Stunde ab 10.500 Umdrehungen pro Minute de facto zu mehr Leistung führt.
Der neue Vorschlag ist für die Mercedes-Gegner nicht nur besser, weil die Deadline nach vorne gezogen wurde. Indem ab 2027 nur noch im heißen Zustand gemessen werden soll, bringt Mercedes der Trick nichts mehr. Bei Messungen bei beiden Bedingungen hätte Mercedes zwar nicht mehr so extrem von dem Trick profitiert, hätte aber noch immer einen Vorteil gehabt.
Im Motorsport-Magazin Talk ziehen wir die Bahrain-Testbilanz 2026: Wer sind die Tops & Flops der Testwoche - und was lässt sich wirklich schon ableiten?



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