Die Formel 1 wagt 2026 mit den neuen Motoren mit dem Ziel der 50-50-Aufteilung zwischen Verbrenner und Elektro einen riesigen Schritt. Die Kritik an den Konsequenzen reißt nicht ab, weder von aktiven Fahrern, noch von ehemaligen. Nächster in der Liste ist der zehnfache F1-Sieger Gerhard Berger.

"Ich tue mir mittlerweile schwer, dem Ganzen zu folgen, weil das jetzt schon so ein Quantensprung ist", meint Berger im Interview mit den 'Salzburger Nachrichten' eine knappe Woche vor dem Saisonstart. Für ihn, der zwischen 1984 und 1997 210 Starts absolviert hat, ist jetzt langsam der Punkt erreicht, an dem er sich mit der Formel 1 nicht mehr identifizieren kann.

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"Bis jetzt waren die Parameter ähnlich wie die zu meiner Zeit", erklärt Berger. "Aber jetzt mit den ganzen elektrischen Themen rund um den Verbrennungsmotor, bei denen man früher vom Gas geht, um mehr Leistung für die nächste Gerade zu holen - da tue ich mir ganz schwer. Da wehrt sich etwas in mir."

Die aktiven F1-Fahrer legten in den letzten Wochen rund um die ersten Testfahrten bereits hinlänglich da, wie sich das Fahren durch den erhöhten Elektro-Anteil ändert. Besonders das frühe Vom-Gas-Gehen vor Kurven, um Energie zu rekuperieren, und das Verlangsamen bei Vollgas auf den Geraden - weil der Verbrenner die Batterie aufladen muss - sorgt für Kritik. Max Verstappen warnte gar davor, man würde sich langsam in Richtung Formel E entwickeln.

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"Nicht, dass ich mich damit nicht auseinandersetzen könnte", meint Berger auf die Frage, ob es ihn da noch jucke. "Aber wenn früher vom Gas gehen belohnt wird, dann tue ich mir schwer. Das widerspricht meiner Liebe zum klassischen Motorsport. Ich lasse mich aber auch gern überraschen."

Doch Berger, bis Ende 2022 zuletzt auch Chef der DTM, fürchtet den allgemeinen Trend hinter dem Prozess, immer mehr Elektro-Komponenten in den Sport zu bringen: "Es ist mir in der DTM gleich gegangen. Da haben mir Sponsoren gesagt: 'Wenn du uns sagst, du machst eine elektrische DTM, dann können wir da mitmachen. Und dann unterstützen wir dich jetzt noch in deiner Verbrennerzeit.'"

"Ähnlich wird es in der Königsklasse sein", glaubt Berger. "Allerdings wehrt sich in mir alles gegen die ständige Überreglementierung. Und die wird an einem Tisch gemacht, an dem Leute sitzen, die nicht so den Spirit für den Motorsport haben."

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All das reflektiert für Berger zumindest aber nicht auf die Leistungen der Piloten. Klar, zu seiner Zeit waren die noch deutlich mehr auf sich allein gestellt: "Da hast du gar nicht schauen können, wo dein Teamkollege jetzt die Zeit so genau gefunden hat. War das am Anfang oder am Ende der Kurve - du hast vielleicht noch ein bisschen da und dort auf der Telemetrie mal was sehen können, aber nicht mehr. Du bist rausgefahren und hast gesagt, jetzt muss ich eine Sekunde finden."

"Heute ist alles sehr transparent und die Gewichtung zwischen Fahrer und Ingenieur ist ausgeglichen", analysiert Berger. "Das Ganze hat sich schon stark verändert. Aber ich würde immer noch sagen, wer zu meiner Zeit gewonnen hat, der wird auch heute gewinnen, und umgekehrt."

So analysierte auch der aus der gleichen Ära wie Berger stammende Martin Brundle schon vor einigen Wochen: Die neue F1-Generation würden Fahrer wie Ayrton Senna oder Michael Schumacher lieben. Warum, erklärt er hier: