Vor Monaten stiegen die ersten Formel-1-Fahrer in die Simulatoren ihrer Teams und berichteten danach wilde Dinge von den ersten Prototypen des neuen 2026er-Reglements. Viele diese Dinge haben sich nach den ersten Testfahrten in Barcelona als real erwiesen. George Russell legt jetzt dar, wie der Stand ist, und verteidigt selbst die schrägsten Eigenwilligkeiten.
2026 fährt die Formel 1 mit einem komplett neuen Motor-Reglement, dessen Hauptziel es von vornherein war, zum einen den Elektro-Anteil massiv anzuheben, bis an die 50 Prozent. Zugleich wurde aber die Rekuperation von Energie über die Auspuffgase (MGU-H) gestrichen. Das stellte alle von Beginn an vor eine riesige Herausforderung. Wie holen wir ausreichend Energie nur über die MGU-K zurück? Im Detail werden die neuen Power Units hier erklärt:
Die Simulator-Sessions förderten während der Entwicklung eigenwillige Fahrweisen zutage. Autos, die dank massiver Elektro-Power brutal schnell beschleunigten, aber denen dann auf den langen Geraden die Energie ausging, bis zu einem Punkt, wo der Fahrer sogar bei Vollgas zurückschalten musste.
George Russell verteidigt Formel-1-Kuriosum: Wie auf einen Hügel rauffahren
Hat sich das in der Realität widergespiegelt? "Das wird wohl nach wie vor der Fall sein", bestätigt Mercedes-Pilot George Russell tatsächlich das Schalt-Kuriosum. Doch laut ihm fühle es sich gar nicht abnormal an. So hatten es viele andere Fahrer nach ihren Simulator-Erfahrungen in den letzten Monaten sinngemäß öfters gern beschrieben.
"Ich würde es so beschreiben, als ob du mit deinem Auto einen Hügel rauffährst", erklärt Russell seine Sicht der Dinge. "Du kannst manchmal am Ende einer Geraden runterschalten, selbst wenn du voll am Gas stehst, aber das fühlte sich im Simulator ehrlich gesagt bizarrer an als in der Realität. Ich habe mit ein paar Fahrern gesprochen, und die dachten ähnlich. Es ist recht intuitiv."
Dieses Kuriosum ist für die Fahrer bei weitem nicht das komplexeste Element. In der neuen Formel 1 ist Rundenzeit an allen Ecken und Enden vom Energie-Status abhängig, wie Russell verdeutlicht: "Du hast Fälle, wo du mehr Energie verbrauchst, wenn du schneller durch die Kurven fährst und weniger auflädst. Dann hast du über die ganze Runde verteilt weniger Energie. So gewinnst du ein paar Zehntel in den Kurven, aber verlierst ein paar mehr Zehntel auf den Geraden."
Der Fahrer muss also stets genau bedenken, wie schnell er in der Kurve fahren darf. Nicht die Haftung ist dann das Limit, sondern der Energie-Status. "Momentan sind diese ganzen kleinen Techniken, die dir ein paar Prozent Energie bringen, alle etwas überraschend", räumt Russell ein. "Rennstarts sind auch nicht einfach. Die Energie dafür auf dem richtigen Level zu haben, und die richtigen Umdrehungen des Turbos." Auch das Thema Qualifying wurde in Barcelona bereits diskutiert - mehr Fokus auf Energie- statt Reifen-Management? Mehr dazu hier:
"Das dauert ein bisschen, bis du das im Kopf hast", sieht Russell insgesamt eine steile Lernkurve. "Aber wenn du es begriffen hast, wird es sich einfach normal anfühlen. Es war viel einfacher, als ich es erwartet hätte, viel intuitiver mit der Power Unit, den Gangwechseln, dass alle Teams recht niedrige Gänge wählen müssen, um das Aufladen zu maximieren."
George Russell erinnert: Formel-1-Fahrstile ändern sich mit jeder Revolution
Dass dieser Fahrstil-Wandel die Formel 1 entwerten würde, lässt Russell nicht als Argument zu und hält dagegen: "Es fühlt sich immer noch wie ein Rennauto an. Du pushst immer noch ans Limit. Nur fährst du dabei einfach anders."
Russell bemüht diesbezüglich die Vergangenheit: "Wenn du zurück in die 80er schaust und auf Ayrton Sennas Fahrstil, wo er an Scheitelpunkten Zwischengas gibt, um die Turbo-Drehzahl zu halten - das ist auch eine ganz andere Art des Fahrens. Auch, als von Ganghebel zu Schaltwippen gewechselt wurde. Es ist einfach anders. Dinge ändern sich."
Insgesamt äußerte sich die Mehrzahl der Formel-1-Fahrer nach dem Barcelona-Test sogar positiv über das Handling der neuen Autos. Mit der Abkehr vom Ground Effect und der Reduktion von Abtrieb und Gewicht wurden die Autos deutlich agiler zu fahren und Rutscher sind einfacher abzufangen. Klagen über das Energie-Management blieben weitestgehend aus.
Viel davon findet ohnehin schon vorab per Voreinstellungen durch die Ingenieure statt. Ein "Ingenieurs-Rennen" sieht Russell deshalb keines: "Letztendlich bremst du immer noch so spät wie möglich, nimmst so viel Speed mit durch die Kurven wie möglich, und der schnellste Fahrer wird gewinnen."
Nach starkem ersten Test fühlt sich Russell für die Saison jetzt schon gut gerüstet. Dementsprechend ließ er am Rande von Mercedes' Season-Launch am Montag nach dem Test auch schon mit einer Kampfansage aufhorchen. Explizit in Richtung Max Verstappen:



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