Die Formel 1 könnte sich in der kommenden Saison auf eine grundlegend neue Dynamik im Qualifying einstellen – zumindest in manchen Grands Prix. In der Vergangenheit war die Reifentemperatur das A und O auf die schnelle Runde. Nicht selten ergaben sich die Unterschiede zwischen einem Q1-Aus und einem Q3-Aufstieg von Mittelfeld-Teams schlicht und ergreifend daraus, ob Fahrer die Pneus auf der Out-Lap ins richtige Fenster bekamen oder nicht.

Doch 2026 gibt es plötzlich einen weiteren Faktor, der zumindest auf manchen Strecken diese Vorbereitungsphase praktisch ins Gegenteil umkehren könnte. Denn die Fahrer müssen ihren Batterieladestand 2026 besser im Auge behalten. Wer nicht mit voll beladenem Akku auf seine schnelle Runde geht, verschenkt praktisch automatisch Rundenzeit.

Der Unterschied ist gravierend. Mit einer vollen Batterie sind 12,5 Megajoule für eine Runde verfügbar, wodurch etwa 36 Sekunden lang die volle Elektro-Leistung abgerufen werden kann. Nur zum Vergleich: Im Rennen sind es pro Runde 8,5 Megajoule oder circa 24 Sekunden. 2025 war dieser Faktor aufgrund des geringeren Elektro-Anteils vernachlässigbar.

Heißt: Auf der Aufwärmrunde ist es im Sinne der Fahrer so wenig wie möglich aufs Gas zu treten. Bei kalten Temperaturen kann das aber auch bedeuten, dass man die Reifen gar nicht für den Beginn der Runde ins richtige Arbeitsfenster bringen kann.

Verschenken die Formel-1-Fahrer 2026 absichtlich Reifentemperatur?

Pirellis Formel-1-Chef Mario Isola erklärte: "Bei Rennwochenenden mit niedrigen Temperaturen oder auf weniger anspruchsvollen Strecken wird es interessant sein zu sehen, wie sich die Notwendigkeit, den Ladezustand der Batterie zu schonen, auf die Herangehensweise der Fahrer in der Out-Lap auswirkt, in der es entscheidend ist, die Reifen auf Betriebstemperatur zu bringen."

Die Geheim-Testfahrten der Formel 1 im winterlichen Barcelona, wo sich die Temperaturen im niedrigen zweistelligen oder sogar hohen einstelligen Bereich bewegten, bildeten schon die perfekte Simulation für derartige Szenarien. Dabei stelle Isola fest: "Wir haben tatsächlich eine konservativere Herangehensweise festgestellt, in der das ERS in den Vordergrund gerückt wird."

Dadurch fehlt es den Formel-1-Piloten zwar an Reifentemperatur, dafür gibt es aber für die längstmögliche Zeit vollen Schub vom Elektro-Antrieb. "Das könnte die Art verändern, wie die Fahrer rausfahren und sich auf eine fliegende Runde im Qualifying vorbereiten", so Isola. Ob das auch die schnellste Variante ist, wird sich zeigen, wenn es im Laufe der F1-Saison tatsächlich auf Strecken geht, auf denen die Reifen wenig Temperatur entwickeln.

Der Winter-Test ist dafür natürlich ein Extrem-Beispiel, denn die Außentemperaturen bewegen sich im Laufe der Saison meist auf einem deutlich höheren Niveau. Deshalb will Isola erst einmal die kommenden Tests abwarten, zumal sich bis dahin auch die Formel-1-Boliden stark verändern werden. "Die Daten aus Bahrain sollten definitiv relevanter sein, denn die Autos werden repräsentativer zu dem sein, was wir in Melbourne sehen werden und die Temperaturen werden ähnlich sein zu jenen, die wir in den Rennen sehen werden", sagte Isola.

Pirelli zufrieden: 2026er-Reifen funktionieren wie erwartet

Das gilt natürlich nicht nur in Bezug auf die Reifenvorbereitung im Qualifying, sondern allgemein für die Reifen und für die Performance. Für Pirelli liefen die Testfahrten insgesamt nach Plan. Wie Isola bestätigte, hätten die neuen Pneus ihre Erwartungen erfüllt. "[Die Reifen] haben überzeugende Leistungen geliefert, trotz der niedrigen Temperaturen", hielt der Pirelli-Vertreter fest.

Im Vergleich zu 2024 änderten sich ja die Dimensionen der Formel-1-Reifen. Die Breite der Pneus schrumpfte an den Vorderrädern von 405 auf 375 Millimeter und hinten von 305 auf 280 Millimeter. Alle Details zu den neuen Gummis könnt ihr hier nachlesen: