Für Mercedes läuft der Shakedown der Formel 1 in Barcelona bislang perfekt. An Tag drei ging der Silberpfeil zum zweiten Mal auf die Strecke, Tag zwei ließ man wegen des schlechten Wetters aus. Jedes Team darf ohnehin nur an drei der insgesamt fünf Shakedown-Tage fahren.

Nachdem der erste Tag für Mercedes problemlos und unaufgeregt verlief, legte man an Tag drei los wie die Feuerwehr. George Russell fuhr am Vormittag 92 Runden, Andrea Kimi Antonelli umrunete den Circuit de Barcelona-Catalunya am Nachmittag 91-mal.

Damit war Mercedes nicht nur der Dauerbrenner schlechthin: Das silberne Duo fuhr auch die Bestzeiten. In 1:17,362 Minuten war Kimi Antonelli satte acht Zehntelsekunden schneller als die bisherige Testbestzeit von Isack Hadjar.

Formel-1-Testfahrten in Barcelona: Kombinierter Gesamtstand aller drei Tage

P.FahrerTeamMotorZeitRückstandTag
1AntonelliMercedesMercedes01:17,362-MI
2RussellMercedesMercedes01:17,580+ 0,218MI
3HadjarRed BullRBPT Ford01:18,159+ 0,797MO
4NorrisMcLarenMercedes01:18,307+ 0,945MI
5ColapintoAlpineMercedes01:19,150+ 1,788MI
6GaslyAlpineMercedes01:19,297+ 1,935MI
7BearmanHaasFerrari01:19,314+ 1,952MI
8LindbladRacing BullsRBPT Ford01:19,420+ 2,058MI
9VerstappenRed BullRBPT Ford01:19,580+ 2,218DI
10LeclercFerrariFerrari01:20,844+ 3,482DI
11HülkenbergAudiAudi01:21,010+ 3,648MI
12OconHaasFerrari01:21,301+ 3,939MO
13LawsonRacing BullsRBPT Ford01:21,513+ 4,151MO
14BottasCadillacFerrari01:24,651+ 7,289MO
15BortoletoAudiAudi01:25,296+ 7,934MO
16PerezCadillacFerrari01:25,974+ 8,612MO
17HamiltonFerrariFerrari01:32,872+ 15,510DI

Auch George Russell fuhr mit 1:17,580 Minuten trotz extrem kalter Temperaturen am Morgen deutlich schneller. "Es war eine der kältesten Rennstrecken, auf denen ich je gefahren bin. Daher lassen sich aus den Zeiten kaum Rückschlüsse ziehen", mahnt der Brite noch.

Mercedes fängt erst mit Setup-Arbeit an

Russell macht der Konkurrenz Angst: "Wir haben uns nur auf Longruns fokussiert, um Daten für die Power Unit zu generieren. Wir werden morgen wahrscheinlich mehr in Richtung Qualifying-Runs gehen."

Auch die Aussagen von Chef-Ingenieur Andrew Shovlin klingen nicht gut für die Konkurrenz: "Wir haben noch einen Testtag, an dem wir uns etwas intensiver mit dem Setup beschäftigen werden." Bislang ging es für Mercedes tatsächlich ausschließlich darum, Daten zu sammeln. An der Performance arbeiteten Fahrer und Ingenieure noch gar nicht.

Die Qualifying-Simulationen werden für die gesamte Formel 1 spannend. Denn durch die neuen Antriebseinheiten ist der Spagat zwischen Renn- und Qualifyingtrimm viel größer. Während der Energiehaushalt im Rennen jede Runde möglichst ausgeglichen ist, gehen die Piloten im Qualifying mit vollgeladener Batterie in die Runde und kommen mit leerem Energiespeicher zurück.

Dadurch steigt die verfügbare elektrische Energie um knapp 50 Prozent. Statt 8,5 stehen dann 12,5 Megajoule zur Verfügung. Die vollen 475-Elektro-PS stehen damit knapp 36 statt 24 Sekunden zur Verfügung. Allerdings ist das Energiemanagement komplizierter, sodass nicht immer die volle E-Leistung abgerufen werden kann.

Russell: Erst an Qualifying-Power gewöhnen

Rundenzeit-optimiert würden die Fahrer die volle Leistung abrufen, sobald es die Traktion erlaubt - auch wenn am Ende der Geraden der Saft ausgeht. Allerdings gibt es strikte Regeln, wie der E-Boost zurückgefahren werden darf. Auf den meiste Strecken dürfen auf den Geraden maximal 100 Kilowatt pro Sekunden zurückgefahren werden. Die meiste Zeit werden die Piloten dann aber mit der vollen Leistung unterwegs sein.

"Das wird dann ziemlich anders sein", meint Russell. "Man muss sich an die 350 Kilowatt über die gesamte Runde gewöhnen. Das bedeutet Vollgas! Dadurch wird das Auto anders reagieren als im Longrun." Spaß macht George Russell die neue Formel 1 aber auch schon im Renn-Modus, wie er hier verraten hat.

Mercedes am Donnerstag oder Freitag mit Qualifying-Power?

Damit dürften sich die Mercedes-Piloten in der Zeitenliste noch deutlicher absetzen - wobei auch die Konkurrenz noch nicht im kompletten Qualifying-Modus unterwegs gewesen sein dürfte. Bei den zurückgelegten Kilometern ist Mercedes bereits einsame Spitze. An den beiden Tagen fuhr der Silberpfeil insgesamt 332 Runden - und damit über 100 Runden mehr als die Racing Bulls auf Rang zwei dieser Hitliste.

Formel-1-Testfahrten in Barcelona - Gefahrene Runden aller Teams, Stand Mittwoch

MODIMIGesamt
McLaren--7777
Mercedes149-183332
Red Bull10778-185
Ferrari-120120
Williams---0
Racing Bulls88-120208
Aston Martin---0
Haas154-42196
Audi27-6895
Alpine60-124184
Cadillac44--44

Wann Mercedes den Qualifying-Modus genau testet, steht im wahrsten Sinne noch in den Sternen. Das Team kann sich nur einen der zwei verbliebenen Shakedown-Tage der F1-Testfahrten aussuchen. Und den wählt man kurzfristig nach Wetterprognose. Freitag soll es etwas wärmer werden, dafür ist das Regenrisiko höher.

Überraschend zuverlässig läuft auch der Red Bull mit dem eigenen Motor. Allerdings ist fraglich, ob das Team noch fahren kann: