Die Konkurrenz auszuspionieren, hat in der Formel 1 eine lange Tradition. Die Spionageaffäre zwischen McLaren und Ferrari aus dem Jahr 2007 ist einer der größten Skandale in der Geschichte der Königsklasse. Spezielle Lackierungen mit wilden Mustern sind seit Jahren gang und gäbe, um bei der ersten Ausfahrt aerodynamische Details zu verstecken. Gerade in einem Jahr mit einem komplett neuen Reglement ist der erste Blick auf die Konkurrenz ein besonders interessanter.
Es ist also keine Überraschung, dass Mercedes beim Shakedown in Barcelona den Boliden der anderen Teams genauso viel Aufmerksamkeit schenkte wie dem eignen. "Wir sind intensiv daran interessiert, welche Lösungen die anderen Teams entwickelt haben", erzählte Mercedes-Technikdirektor James Allison im Rahmen der Teampräsentation. Bei Testfahrten schauen die Teams gerne über ihren eigenen Zaun und in die Garagen der anderen, um sich technische Inspiration zu holen.
"Jeder verbringt die ganze Entwicklungsperiode in einem Vakuum. Du bist fokussiert auf deine Arbeit, um so viel Performance wie möglich in diese Autos zu stecken. Aber da draußen sind noch andere, die sich mit genau den gleichen Problemen beschäftigen und wahrscheinlich anders denken als wir", erklärte Allison. Mercedes ging aber einen Schritt weiter als bloße Beobachtung: Als beim geheimen Wintertest dann alle das erste Mal auf die Strecke fuhren, packte Mercedes nicht nur Argusaugen aus, sondern auch Fotoapparate.
Mercedes kopiert Konkurrenz? Allison verteidigt: Gehört zum Sport!
"Wir überschlagen uns alle regelrecht, um das Design der anderen zu sehen. Was haben sie herausgefunden, das wir vielleicht verpasst haben? Wir fotografieren so viel wie möglich", verriet der Technikdirektor. Die Aufnahmen werden daraufhin bis ins kleinste Detail untersucht. Sehen die Ingenieure etwas, das sie nicht verstehen, forschen sie so lange daran, bis sie es verstehen.
Hat ein anderes Team eine bessere Lösung oder einen Technik-Kniff gefunden, den Mercedes übersehen hat, läuft die Fabrik in Brackley sofort auf Hochtouren, um die Konkurrenz zu kopieren. "Wir machen uns so schnell wie möglich an die Arbeit. Wir sind komplett schamlose Plagiatoren", gab Allison ohne Reue zu.
Mit dieser Einstellung ist Mercedes nicht allein, weiß der Technikdirektor, der bereits seit über 30 Jahren in der Formel 1 tätig ist: "Wir sind schamlos, weil wir wissen, dass unsere Konkurrenz genau gleich ist. Es gehört zum Sport, dass du mit den dir zur Verfügung stehenden Fähigkeiten machst, was du kannst. Danach kommt das Team zusammen und schaut, was die anderen gemacht haben, und versucht, daraus zu lernen."
Ob sich die Silberpfeile in Barcelona bereits von der Konkurrenz inspirieren ließen? An unterschiedlichen Design-Philosophien fehlt es der Formel 1 2026 jedenfalls nicht. Die Fotos der Testwoche, wenn auch stark begrenzt, ließen bereits einige interessante Details erkennen. Alpine scheint gegen das Feld zu schwimmen und setzt bei der Vorderradaufhängung auf Pullrods. Mercedes, Ferrari und Red Bull stachen mit speziellen Seitenkästen hervor. Der neue Aston Martin von Design-Genie Adrian Newey ist eine rundum radikale Kreation. Details zum AMR26 gibt es im Video:



diese Formel 1 Nachricht