Etwas mehr als ein halbes Jahr nach der Wiederwahl von Mohammed Ben Sulayem als FIA-Präsident will dieser offenbar die Rahmenbedingungen für sein eigenes Amt ändern. Laut der im Umfeld der FIA üblicherweise gut informierten BBC hat Ben Sulayem einen Vorschlag eingebracht, wonach die Amtszeitbeschränkungen für Amtsträger innerhalb des Motorsport-Weltverbandes aufgehoben werden sollen.
Während auch andere Positionen betroffen sind, wäre eine direkte Folge daraus, dass Ben Sulayem unbeschränkt oft zur Wiederwahl für sein aktuelles Amt antreten könnte. Derzeit gilt für die FIA-Präsidentschaft eine maximale Amtszeit von drei Mandatsperioden à jeweils vier Jahren. Das ergibt ein maximales Dienstalter von zwölf Jahren. Eingeführt wurde diese Limitierung von Jean Todt, der den Weltverband zwischen 2009 und 2021 als direkter Nachfolger von Max Mosley leitete.
Vorbild NFL: Abstimmung über Vorschlag bei FIA-Versammlung im Juni
Gegenüber der BBC soll ein FIA-Sprecher den Vorschlag bestätigt haben, allerdings ohne zu thematisieren, ob dieser von Ben Sulayem persönlich kommt: "Ein Vorschlag wurde eingebracht, in allen FIA-Gremien ein einheitliches Verfahren für die Amtszeit festzulegen, ähnlich wie es derzeit für den Weltrat (World Council) und den Senat gilt."
Als Erklärung für den Vorstoß soll etwa die NFL genannt worden sein, wo der aktuelle Commissioner Roger Goodell auch keiner Amtszeitbeschränkung unterliegt und sein Amt seit 2006 bekleidet. In dieser Zeit legte die US-amerikanische Football-Liga eine starke Internationalisierung hin und konnte ihre Fanbasis in anderen Teilen der Welt maßgeblich ausbauen.
Über die Umsetzung des Vorschlages soll bei der außerordentlichen FIA-Generalversammlung abgestimmt werden, die vom 23. bis zum 25. Juni in Macau über die Bühne geht - also in knapp einem Monat. Diese auch als Mid-Year-Conference bezeichnete Veranstaltung ist entgegen der offiziellen Bezeichnung ein regelmäßiger Termin des Weltverbandes und findet seit 2025 jeweils in der ostasiatischen Metropole statt.
Kritik gegen die Maßnahme kommt von Ben Sulayems politischen Gegnern. Tim Mayer, der im Vorjahr ins Präsidentschaftsrennen gegen den Emirati eingestiegen war, allerdings bei der Wahl nicht antreten konnte, sagte: "Amtszeitbeschränkungen sind kein bürokratisches Detail. Sie sind ein fundamentales Sicherheitsnetz einer guten Amtsführung, das essenziell ist, um die Konzentration von Macht zu vermeiden, eine Erneuerung der Führung zu gewährleisten und die Rechenschaftspflicht gegenüber der Organisation, der man dient, zu erhalten."
Strengere Regeln für FIA-Präsidentschaftskandidaten?
Mayer wurde im vergangenen Jahr Opfer der restriktiven Voraussetzungen für die FIA-Präsidentschaftskandidatur. Ein Kandidat muss eine Liste seiner vorgesehenen sechs Vize-Präsidenten für Sport (je einer pro Weltregion) vorlegen. Da aber aus der Region Südamerika mit Ben-Sulayem-Unterstützerin Fabiana Ecclestone nur eine Kandidatin in Frage kam, war es für Mayer als auch für die wenig bekannte Schweizer Herausfordererin Laura Villars unmöglich, überhaupt zur Wahl anzutreten. Die entsprechende Regel existierte bereits vor der Wahl 2025 bei FIA-Urnengängen.
In Bezug auf die Voraussetzungen für einen Kandidaten, der für die FIA-Präsidentschaft antritt, soll es nun laut derselben Quelle ebenfalls weitere Verschärfungen geben. So soll die Liste der Vize-Kandidaten nun schon 100 Tage vor der Wahl vorgelegt werden müssen - bisher lag diese Deadline bei 49 Tagen - und ein Kandidat muss "ausreichende Erfahrung innerhalb einer FIA-Mitgliedsorganisation oder in einem FIA-Gremium" vorweisen.



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