Wenig überraschend bleibt Mohammed Ben Sulayem bis 2029 Präsident des Automobilweltverbandes FIA. Bei der Generalversammlung in Tashkent, Usbekistan, wurde der 64-Jährige für seine zweite Amtszeit bestätigt, einen Gegenkandidaten gab es nicht. Die 211 Mitglied-Clubs der FIA wählten Ben Sulayem mit über 90 Prozent erneut zum Präsidenten.

"Ich danke allen FIA-Mitgliedern für ihre zahlreiche Teilnahme an der Wahl und dafür, dass sie mir erneut ihr Vertrauen geschenkt haben. Wir haben viele Hindernisse überwunden, aber heute stehen wir hier gemeinsam und sind stärker denn je", sagte der alte und neue Präsident nach der Wahl.

Die Wahl sorgte in den letzten Monaten für großes Aufsehen, weil sich nach den Statuten der FIA kein Gegenkandidat aufstellen lassen konnte. Um bei der Generalversammlung wählbar zu sein, braucht jeder Kandidat eine Präsidentschaftsliste, bestehend aus Unterstützern verschiedener Regionen.

FIA-Präsident Mohammed Ben Sulayem im Fahrerlager der Formel 1 mit Bernie und Fabiana Eccletone
Fabiana Ecclestone stand auf der Präsidentschaftsliste von Mohammed Ben Sulayem, Foto: IMAGO / PsnewZ

Weil es aus der Region Südamerika nur Fabiana Ecclestone gab, die überhaupt für eine Präsidentschaftsliste in Frage kam, konnte es bei der Wahl nur einen Kandidaten geben. Ecclestone war schon in der ersten Amtszeit im Kabinett von Ben Sulayem und war nun auch wieder Teil seiner Präsidentschaftsliste.

Tim Mayer und Laura Villars: Gegenkandidaten scheitern schon vor der Wahl

Der ehemalige Formel-1-Steward und erfahrene Motorsport-Funktionär Tim Mayer wollte eigentlich gegen Ben Sulayem antreten. Der Sohn des ehemaligen McLaren-Rennleiters Teddy Mayer scheiterte aber genauso an der Hürde der Präsidentschaftsliste wie die unbekannte Herausforderin Laura Villars.

Villars zog in Paris sogar vor Gericht, um die Wahl in Tashkent zu verhindern, weil sie in den FIA-Statuten eine Verletzung des französischen Rechts sah. Der Fall ist noch nicht abgeschlossen, bei der Eil-Anhörung in Paris entschied der Richter aber, die Wahl am 12. Dezember 2025 nicht auszusetzen. Die Wahl könnte aber noch ein Nachspiel haben.

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Für Ben Sulayem beginnt mit der Wiederwahl die zweite vierjährige Amtszeit. 2021 hatte der Emirati von Vorgänger Jean Todt übernommen. Seither hat er den Automobilweltverband in vielen Belangen umgestaltet. Vor allem die finanzielle Nachhaltigkeit des Verbands schrieb sich Ben Sulayem auf die Fahnen. Nach Rekordverlusten zur Corona-Zeit schreibt die FIA inzwischen wieder schwarze Zahlen.

FIA-Präsident Mohammed Ben Sulayem: Viele Kontroversen

Ben Sulayems erste Amtszeit war geprägt von Kontroversen. Der FIA-Präsident legte sich mit F1-Boss Stefano Domenicali an, woraufhin sich die Beziehung zwischen dem Kommerziellen Rechteinhaber und dem Automobilweltverband zwischenzeitlich als recht problematisch darstellte. Ben Sulayem wollte wieder mehr regulatorische Macht zum Verband zurückholen.

Zwischen Ben Sulayem und den Formel-1-Fahrern herrschte zeitweise auch Eiszeit. Die Piloten störten sich vor allem an exorbitant hohen Geldstrafen und der Einführung von strengen Verhaltensregeln, die nach heftiger Kritik aber teilweise abgemildert wurden.

Für Aufsehen sorgte auch der personelle Verschleiß in seiner ersten Amtszeit. Zahlreiche Funktionäre verabschiedeten sich freiwillig oder wurden vom Präsidenten überraschend entlassen. Dazu gehörten unter anderem sein gescheiterter Herausforderer Tim Mayer oder der ehemalige Rennleiter der Formel 1 Niels Wittich.

Vor seiner Karriere als Funktionär war Ben Sulayem selbst im Motorsport aktiv. Er ist 14-facher FIA-Rallye-Meister Middle East und gewann zwischen 1983 und 2002 als Fahrer 61 internationale Wettbewerbe.