Am 12. Dezember 2025 wird ein neuer FIA-Präsident gewählt. Nur steht inzwischen fest, dass Amtsinhaber Mohammed Ben Sulayem aufgrund einer Eigenheit des nominell eigentlich demokratischen Wahlsystems der einzige Kandidat ist, der antreten darf. Am Rande des USA-GPs prangert sein gescheiterter Herausforderer Tim Mayer nun schwere Missstände an.

Der erfahrene Motorsport-Offizielle Mayer, der in seiner langen Karriere unter anderem Chef-Steward bei zahlreichen F1-Rennen war, hatte im Juli seine Kandidatur angekündigt. Um offiziell antreten zu dürfen, stellt die FIA allerdings mehrere Vorgaben. Das Verlangen nach der sogenannten "Präsidentiellen Liste" bis spätestens 24. Oktober ist nun Grund für eine Kontroverse.

Die Liste muss eine Reihe an Unterstützern des Kandidaten enthalten. Darunter jene, die für ihn die sieben Vizepräsidenten für Sport sein sollen. Alle sechs Motorsport-Regionen müssen auf der Liste durch einen Kandidaten vertreten sein. Auf dieser Liste darf aber nur stehen, wer sich bereits separat davon bis zum 19. September als Kandidat für den Motorsport-Weltrat WMSC hat aufstellen lassen.

Für die Region Südamerika hat jedoch nur der brasilianische Verband eine Kandidatin nominiert. Und diese Kandidatin, Fabiana Ecclestone, steht auf der Liste von Amtsinhaber Ben Sulayem. Es gibt also niemanden mehr, den Mayer auf seine Liste setzen kann. Folglich erfüllt nur Ben Sulayem die FIA-Vorgaben. Nur er wird am 12. Dezember zur Wahl stehen.

Tim Mayer fassungslos: FIA keine Demokratie, sondern Theater

"Wenn Wahlen vor dem Einreichen der Wahlzettel schon entschieden sind, ist das keine Demokratie, das ist Theater", platzt Mayer der Kragen. Er macht seinem Ärger am Freitag in Austin in einer über dreißig Minuten langen Pressekonferenz Luft. "Bei den letzten Wahlen haben sich über 40 Kandidaten für den Motorsport-Weltrat nominieren lassen. Dieses Mal 29. Was ist anders? Haben die Clubs das Interesse an der Zukunft des Sports verloren? Oder wurden sie überzeugt, oder unter Druck gesetzt, niemanden zu nominieren?"

F1-Steward und FIA-Präsidentschaftskandidat Tim Mayer
Tim Mayer wollte unter dem Banner FIA Forward Ben Sulayem herausfordern, Foto: IMAGO / PsnewZ

"Ich denke, es ist für alle schockierend, dass wir sprichwörtlich bei einer Wahl den Stecker ziehen können, bevor überhaupt gewählt wird", so Mayer. Ihm war das Risiko sehr wohl bewusst. Ben Sulayems Unterstützungsbasis in Südamerika, und auch in Afrika, ist breit aufgestellt. Zugleich haben diese beiden Regionen insgesamt nur sechs Clubs, die überhaupt WMSC-Kandidaten aufstellen dürfen. Für so eine Kandidatur braucht der Club nämlich ein Event im internationalen Motorsport-Kalender.

Mayer wundert sich: Wo sind die ganzen WMSC-Kandidaten?

Mayer besuchte alle sechs Clubs und versuchte sie auf seine Seite zu ziehen. Warum trotzdem nur zwei in Afrika und eine in Südamerika sich aufstellten, weiß er nicht: "Mindestens einer sagte mir, er würde seinen Namen aufstellen lassen, tat es aber nicht. Noch jemand meinte, sie würden sich aufstellen lassen, aber dann wurde ihnen etwas anderes angeboten. Leider weiß aufgrund der fehlenden Transparenz aber nur der Amtsinhaber, wer was getan hat." Das Komitee, welches die Nominierungen absegnet, ist nicht öffentlich. Es gibt keine Liste an abgelehnten WMSC-Bewerbern. Keine Aufzeichnungen von Treffen des Komitees.

So berichtet Mayer von zweifelhaften Umständen, auch wenn er keine Namen nennt. So hätten manche Clubs von ihm erwartet, Versprechen für Subventionen zu geben: "Ich kann niemandem 20.000, 30.000 Euro an Subventionen versprechen. Das kann ich nicht. Ich kann auch nicht androhen, Subventionen zurückzuhalten. Aber ich habe von Clubs gehört, die mir genau das erzählt haben. Ob das wahr ist oder nicht weiß ich nicht."

FIA-Präsident Mohammed Ben Sulayem mit Tulsi Gabbard, Direktorin der US-Nachrichtendienste
Ben Sulayem mit US-Nachrichtendienstchefin Tulsi Gabbard, Foto: IMAGO / PsnewZ

Auch bei den nur zwei Nominierten aus Afrika bleiben Mayer Zweifel: "Rodrigo Rocha [vom Automobil-Club von Mosambik] wurde zugelassen, weil ein esports-Event letztes Monat per E-Vote heimlich in den Internationalen Sportkalender aufgenommen wurde. Ein Event, das für das letzte Wochenende angesetzt worden war, aber meines Wissens nie stattgefunden hat."

Mayer führt Kampagne fort: So geht die FIA zugrunde

Mayers Wahlkampf ist vorbei. Aber er will nicht leise gehen: "Wir sind fest davon überzeugt, dass in dem Verfahren mehrere Ethikverstöße begangen wurden. Wir haben nun zahlreiche Ethik-Beschwerden eingereicht. Aber an wen werden die Erkenntnisse des Ethik-Komitees für Handlungen weitergegeben? An den Präsidenten der FIA oder an den Senatspräsidenten. Beides befangene Parteien."

McLaren: Lando Norris Schuld am Piastri-Crash! Konsequenzen? (09:53 Min.)

Mayer will jetzt seine Ressourcen nutzen, um die Kampagne trotzdem weiterzuführen. Nicht als Wahlkampagne, sondern um den 245 Mitgliedsclubs der FIA für die Zukunft zu helfen: "Bei unseren Reisen haben mir viele Clubs gesagt: Wir wollen sprechen, aber wir können nicht. Clubs haben Angst davor, Projekte zu verlieren, Budget, oder Anerkennung, wenn sie das System auch nur in Frage stellen. Deshalb muss diese Kampagne weitergehen. Nicht für Macht, sondern aus Prinzip."

Ben Sulayems von mehreren Clubs als unzulässige Konzentration der Macht wahrgenommenen durchgesetzten Änderungen der FIA-Statuten stehen schließlich seit Monaten in der Kritik. Aber nicht von allen Clubs. "Unser Job ist es, den Mitgliedern Dinge nahezubringen, damit sie bei den Generalversammlungen dann realisieren: Moment mal, unsere Stimme hat Konsequenzen. Die Statuten so zu ändern, wie der Präsident will, hat Konsequenzen. Und diese Konsequenz ist, dass wir jetzt kein Wahlsystem mehr haben."

So hofft Mayer, Bewegung ins System zu bringen. Damit für die nächste Wahl 2029 etwa die Bestimmungen für die WMSC-Nominierungen gelockert werden. Aber insgesamt auch vor allem, um das Vertrauen in das System FIA zu erhalten: "So gehen Institutionen nämlich zugrunde. Das ist Macht ohne Kontrolle."