McLaren ist das zweiterfolgreichste Team in der Geschichte der Formel 1, und das, obwohl die amtierenden Weltmeister nie ihren eigenen Motor gebaut haben. Entweder war McLaren als Werkspartner eines externen Antriebsherstellers im Einsatz (wie in den 2000er-Jahren mit Mercedes) oder eben als Kundenmannschaft wie aktuell.

Ein Umstand, mit dem man sich immer zu einem gewissen Maße von anderen abhängig macht. Die negativen Folgen aus dieser Abhängigkeit zeigen beispielsweise die erfolglose Honda-Ära in den 2010er-Jahren oder auch die kurze Kontroverse rund um den Mercedes-Motor zu Beginn dieser Saison, als Teamchef Andrea Stella durchklingen ließ, dass man bei der Power Unit etwas Unterstützung durch den Lieferanten vermisse. Kurze Zeit später hatte Stella schon wieder zurückgerudert.

Die langfristige Lösung für solche Probleme wäre ein eigener hausintern produzierter Motor. Red Bull hat mit RBPT-Ford die Blaupause angelegt, wie so etwas funktionieren könnte und hat damit auch den Beweis angetreten, dass man beim Einstieg mitnichten weit unterlegen sein muss. Für die aktuelle Generation wäre es für McLaren natürlich schon zu spät, aber die nächste Motor-Revolution in wenigen Jahren zeigt sich schon am Horizont.

Zak Brown über McLaren-Motor: "Wenn es finanziell Sinn macht…"

Für das kommende Formel-1-Motorreglement, das ab 2030 oder 2031 Einzug hält, will McLaren die Möglichkeit eines eigenen Motors jedenfalls nicht ausschließen. Dieses Reglement soll laut aktuellem Stand der Dinge deutlich konventioneller und simpler sein als die derzeitigen Hybride. V8-Motoren gelten als bevorzugte Variante, womöglich ergänzt durch eine einheitliche Elektro-Komponente.

Im Rahmen des Indianapolis 500 sagte McLaren-CEO Zak Brown gegenüber dem Sports Business Journal: "Wenn wir eine Motorformel haben, bei der das finanziell tragfähig wäre, dann würden wir diese Technologie in Betracht ziehen." Damit hält sich der US-Amerikaner alle Möglichkeiten offen. Pflichtbewusst gegenüber dem aktuellen Motor-Lieferanten warf Brown aber noch hinterher: "Abgesehen davon könnten wir mit Mercedes nicht zufriedener sein."

Zunächst muss einmal noch geklärt werden, wie sich die Diskussionen über die F1-Motoren der Zukunft weiterentwickeln. Von einem finalen Reglemententwurf ist man noch weit entfernt. Aktuell ist nicht einmal klar, wann überhaupt der nächste Umbruch anstehen wird. Eigentlich wäre dieser nach 2031 vorgesehen, aber die Formel 1 und die FIA halten sich die Möglichkeit offen, schon ein Jahr früher den Wechsel vorzunehmen. Brown gibt sich deshalb abwartend. "Falls uns etwas präsentiert wird, das finanziell Sinn macht, dann werden wir es uns ansehen", sagte er.

Erfüllt sich die Prophezeiung des FIA-Präsidenten?

Browns Kommentare kommen wenige Wochen nachdem FIA-Präsident Mohammed Ben Sulayem im Rahmen des Miami-GPs Werbung für weniger komplexe F1-Motoren gemacht hatte. "Ich glaube, wenn wir [V8-Motoren] einführen, dann würde sogar McLaren seinen eigenen Motor bauen", hatte der Chef des Motorsport-Weltverbandes gemutmaßt.

Der Emirati ist bekanntermaßen ein Befürworter einer Rückkehr zu konventionelleren Antrieben. Im vergangenen Jahr hatte der begeisterte Sportwagen-Sammler sogar ein potenzielles Comeback von V10 in den Raum gestellt. Seitdem hat sich aber herauskristallisiert, dass V8-Antriebe die realistischere Route sind, auf der die Formel 1 wieder in die Richtung von herkömmlicheren Antriebseinheiten einbiegen könnte.