Nach 20 Jahren im Dienst wurde Christian Horner im Sommer 2025 vor Red Bulls Tür gesetzt. Seine Trennung vom Formel-1-Team hatte sich seit einem Jahr angebahnt, doch der Rauswurf eines Teamchefs schockiert immer. Motorsport-Magazin.com blickt zurück auf fünf Teamchef-Abgänge, die in Erinnerung blieben.
Günther Steiner: Früher Erfolg endet mit Scheidung vor Gericht
So wie Christian Horner bei Red Bull Racing war auch Günther Steiner von Anfang an eine tragende Säule bei Haas. Der Südtiroler baute den amerikanischen Rennstall seit 2014 auf und saß beim Formel-1-Einstieg 2016 im Chefsessel. Mit ihm erlebte das Team Höhen und Tiefen: WM-Punkte im Debüt-Rennen, ein 5. Platz in der Konstrukteurswertung 2018, null Zähler in der Saison 2021 und ein letzter Platz in der Weltmeisterschaft 2023.
Anfang 2024 wurde bekannt, dass Steiners Vertrag nicht verlängert wurde, davor gab es Gerüchte über Differenzen mit Team-Gründer Gene Haas. Der Rauswurf zog einen juristischen Rattenschwanz mit sich. Steiner klagte wegen nicht ausgezahlter Provisionen, der Rennstall konterte mit einer eigenen Klage wegen der rechtwidrigen Nutzung von Haas-Symbolen in Steiners 2023 erschienenem Buch 'Surviving to Drive'. Der Ex-Teamchef zog seine Klage zurück, im von Haas aufgemachten Prozess bekam er recht.
Frank Williams: Das Vermächtnis Stück für Stück abgegeben
Mit 44 Jahren im Dienst ist Frank Williams der mit Abstand längst dienende Teamchef der Formel-1-Geschichte. Von 1977 bis 2020 managte er seinen eigens gegründeten Rennstall und machte Williams zu einem der erfolgreichsten Teams der Königsklasse. Er nahm legendäre Fahrer wie Alan Jones, Nigel Mansell, Alain Prost und Ayrton Senna unter Vertrag und gewann mit ihnen neun Konstrukteurstrophäen und sieben Weltmeistertitel.
Im Jahr 2012 verließ der 70-jährige Williams den Vorstand und reduzierte seine Involvierung im Team, blieb aber offizieller Chef. Das Tagesgeschäft übernahm seine Tochter Claire – sie leitete Williams im Namen ihres Vaters. Nach erfolglosen und finanziell schwierigen Jahren verkaufte die Williams-Familie den Rennstall 2020 an das private US-Investment-Unternehmen Dorilton Capital. Damit zogen sich Claire und Frank Williams aus der Formel 1 zurück, ein Jahr später verstarb der Teamgründer.

Flavio Briatore: Lebenslang gesperrt - bis zum Comeback
Ein Königsmacher und ein Albtraum – diese Beschreibung aus der Netflix-Doku 'Drive to Survive' fasst die Persönlichkeit Flavio Briatore passend zusammen. Der Italiener war der Entdecker und Manager von Fernando Alonso, zusammen gewannen sie bei Renault zwei WM-Titel. Sein Abgang aus dem Team war ein Resultat des größten Skandals der Formel 1. Beim Großen Preis von Singapur 2008 inszenierte Briatore einen Unfall, der Alonso den Sieg einbrachte.
Ein Jahr später meldete der Crash-Pilot Nelson Piquet jr. die Manipulation bei der FIA. Briatore erhielt eine lebenslange Sperre, die ein Gericht 2010 wegen mangelnder Beweislage aufhob. Trotzdem durfte Briatore bis 2013 keine leitende Position in der Formel 1 übernehmen. Seit 2024 ist er wieder Berater in seiner alten Heimat Enstone. Nach dem plötzlichen Abgang von Oliver Oakes im Mai 2025 handelt Briatore als interimistischer Alpine-Teamchef, im September übernahm Steve Nielsen diese Position.
Jean Todt: Den Erfolg beim Abschied mitgenommen
Als Jean Todt 1993 zu Ferrari kam, war die Scuderia in einem schlechten Zustand. Der letzte WM-Erfolg war zehn Jahre her, das Team zerstritten und die Strukturen in einem desaströsen Zustand. Der ehemalige Rallye-Beifahrer räumte in Maranello auf und läutete 1999 mit Michael Schumacher eine goldene Zeit für Italien ein. Todt führte den Traditionsrennstall zu sieben Konstrukteurs- und sechs Weltmeistertiteln.
Mit Ende der Formel-1-Saison 2007, die Ferrari mit beiden Titeln beendete, übergab Todt das Ruder an Stefano Domenicali und beendete die erfolgreichste Zeit in der Geschichte des Traditionsrennstalls. Er verblieb der Scuderia als Geschäftsführer, bis er 2009 auch diesen Posten ablegte und Präsident der FIA wurde. Nach dem Ende seiner Präsidentschaft 2021 gab es Gerüchte über ein Comeback, doch laut Todt gibt es keinen Kontakt zwischen ihm und Ferrari. Seit seinem Abgang konnte die Scuderia keinen Titel mehr gewinnen.

Ron Dennis: Bei Obsession hilft nur die Rente
Zehn Weltmeistertitel, sieben Konstrukteurstrophäen, 138 Siege und 28 Jahre im Dienst – Ron Dennis ist der erfolgreichste Teamchef der Formel 1. In seinen Händen wurde McLaren zur Großmacht in der Königsklasse. Er kam im Jahr 1981 nach Woking und brachte das Team nach erfolglosen Jahren wieder auf Schiene. Die Fahrer, die unter Dennis Weltmeister wurden, haben ihre Namen in der F1-Geschichte verewigt: Lauda, Prost, Senna, Häkkinen und Hamilton.
2009 legte Dennis sein Amt als Teamchef nieder, 2017 verließ er den McLaren-Konzern ganz. Gerüchte, er sei nicht freiwillig gegangen, kommentierte er 2025 in den Sunday Times: "Es war immer mein Plan, mit 70 in Rente zu gehen. Ich war besessen vom Rennfahren, alles andere nahm dadurch Schaden. Denn das Geheimnis für diese Art von Erfolg ist, das Wort 'Opfer' zu verstehen. Wenn du nicht weißt, was es heißt, ein Opfer zu bringen, was du von deinem Leben geben musst, um der Beste zu sein, dann wirst du nichts."

Dieser Artikel stammt aus der 104. Printausgabe des Motorsport-Magazins. Wer mehr exklusive Interviews und Hintergrundgeschichten wie diese lesen möchte, der kann sich hier ein Abo holen.



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