Bis Brasilien hatte Nico Hülkenberg noch immer einen schwarzen Fleck auf seiner Sauber-Weste: kein Q3 in einem echten GP-Qualifying. Nach zwei Sprint-SQ3s bricht Hülkenberg aber am Samstag in Brasilien endlich auch den Grand-Prix-Fluch. Allerdings bei einer Zitterpartie, die ihresgleichen sucht.
So mag es auf den ersten Blick einmal etwas überraschen, dass der zehnte Startplatz keine Jubelsprünge auslöst: "Es war eine schwierige Session. Auch heute am Morgen, mit dem Wind. Runden hinzubekommen war nicht einfach. Ich bin nicht mega happy, aber das nehme ich mit."
Hülkenberg hatte am Vormittag erst einmal einen schwierigen Sprint inklusive eines Abfluges auf dem noch nassen Kerb in Kurve 3 - nur Sekunden nachdem dort Oscar Piastri eingeschlagen war - hinter sich. Das hatte ihn und Sauber schon zum ersten Mal unter Druck gesetzt. Unter der roten Flagge schafften es seine Mechaniker, das Auto zumindest wieder fahrbereit zu bekommen.
Dann entdeckte Sauber nach dem Sprint ein Problem im Getriebebereich. Während man zeitgleich fieberhaft daran arbeitete, das Auto des im Sprint schwer verunfallten Gabriel Bortoleto für das Qualifying zu reparieren, musste man nun auch bei Hülkenberg das Getriebe ab- und wieder anbauen. Immerhin Hülkenberg war für das Qualifying fahrbereit. Bei Bortoleto schaffte es das Team knapp nicht.
Nico Hülkenberg: Jedes Qualifying-Segment kurz vor dem Ausfall
"Mit den Windböen und dem inkonstanten Grip war das Auto nicht leicht zu fahren", meint Hülkenberg. Im ersten Segment markierte er kurz vor Schluss eine 1:10,337, und musste dann zusehen, wie eine Reihe an Fahrern, darunter Max Verstappen, nun hinter ihm ihre letzten Versuche erst eröffneten.
Doch ein massiv mit seinem Red Bull hadernder Verstappen biss sich an Hülkenbergs Marke die Zähne aus. Um 66 Tausendstel blieb er hinter dem Sauber und flog damit raus, während Hülkenberg sich auf P15 liegend in Q2 rettete. Nur um dort erneut das Spiel zu wiederholen. Eine solide zweite Runde, dann abwarten, während diesmal sogar zwei Weltmeister hinter ihm versuchten, das erste Q3 des Jahres zu verhindern.
Doch Lewis Hamilton fuhr ein katastrophales zweites Segment und war auf beiden seiner Runden sogar langsamer als in Q1. Während Fernando Alonso zu Beginn des Segmentes eigentlich wie ein sicherer Q3-Anwärter aussah, doch es im zweiten Versuch nicht auf die Reihe brachte. Seine beste Runde war am Ende 16 Tausendstel langsamer als Hülkenberg. Der auf P10 wieder weiterkam.
Damit schien Hülkenberg das Limit aber bis aufs Äußerste strapaziert zu haben. In Q3 stagnierten seine Zeiten, er war sogar minimal langsamer als auf seiner besten Q2-Runde. Selbst wenn er die wiederholen hätte können, so wäre aber nicht mehr als P9 dabei rausgekommen. "Ich denke, meine Runde war sauber", urteilt er danach. "Es ist auch eine kurze Runde, das macht alle Lücken enger. Ich schätze, es war überall ein bisschen."
Ziel bleiben in Brasilien natürlich von P10 aus die Punkte, aber die weltmeisterlichen Verfolger lassen da Zweifel aufkommen: "Ein Ferrari ist dicht dran, der wird bei einem trockenen Rennen wohl schwer zu halten sein. Und Max von ganz hinten. Mal schauen, was das wird."



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