Das Autódromo José Carlos Pace liefert überzeugende Argumente dafür, Kimi Antonellis neue Lieblingsstrecke zu werden: Mit Platz zwei fuhr er sein bestes Ergebnis in einem Grand-Prix-Qualifying ein. Der zweite Platz im Formel-1-Sprint und eine starke Pace machen dem Mercedes-Rookie Hoffnung auf große Punkte im São Paulo Grand Prix. Über zwei Zehntelsekunden gab er seinem Teamkollegen George Russell mit – und das, obwohl seine finale Runde nicht fehlerfrei war.

Horror-Crash in Brasilien, Verstappen schreibt Formel-1-WM ab! (19:46 Min.)

Auf seinem zweiten schnellen Versuch blockierten Antonellis Hinterräder in der letzten Kurve. Mit 0,174 Sekunden Abstand wäre er aber auch ohne den Patzer nicht an Lando Norris' Bestzeit herangekommen. "Es war eine schwierige Session mit dem Wind, der war die ganze Runde über nervig. Also keine perfekte Runde, aber gut genug für P2", resümierte der 19-Jährige. Dass die Pace seines W16 in Interlagos für zumindest einen Podestplatz reicht, bewies er im Sprint: Antonelli jagte Norris über die gesamten 24 Runden, gegen Ende befand er sich sogar im DRS-Fenster des WM-Führenden.

Für ein Überholmanöver reichte die Zeit im Sprint nicht, im dreimal so langen Grand Prix könnte sich das allerdings sehr wohl ausgehen. Auch die Temperaturen, die für das Brasilien-Rennen vorhergesagt sind, spielen den Silberpfeilen in die Karten. Zur Rennzeit soll es kalt und bewölkt sein – Bedingungen, bei denen sich der W16 bisher wohlfühlte. Doch Hinterherfahren geht bekanntlich auf die Reifen. In der modernen Formel 1 siegt meist derjenige, der das Rennen nach der ersten Kurve anführt. Die Frage ist also: aggressiv reinstechen oder abwarten?

Norris gibt Antonelli Ratschläge für erste Kurve: "Sei nett, Kimi!"

Entscheidungsberatung kam ausgerechnet von der Konkurrenz. In der FIA-Pressekonferenz wurden Charles Leclerc (P3) und Lando Norris nämlich nach Ratschlägen für den Rookie in Turn eins gefragt. "Hinten bleiben, wahrscheinlich", konnte Antonelli die Antworten seiner Rivalen bereits vorhersehen. "Ich sollte Ratschläge von ihm verlangen, schließlich startet er vor mir", scherzte Leclerc.

"Manchmal ist es gut, keine Risiken einzugehen und auf Nummer sicher zu sehen. Lieber ein paar gute Punkte einsacken und nach hinten verteidigen", lautete Norris' Tipp, der mit einem Sieg einen guten Schritt in Richtung Weltmeisterschaft machen könnte. "Mir wurde immer gesagt, dass ich nett zu älteren Menschen sein muss. Also sei nett, Kimi!", ermahnte der 25-jährige McLaren-Pilot lachend.

Zu Norris' Erleichterung hatte Antonelli ohnehin nicht geplant, sich übermäßig aggressiv zu verhalten. "Am Start bräuchten wir schon etwas Außergewöhnliches [, um nach vorne zu kommen, Anm. d. Red.]. Ich will einfach einen normalen Start haben und nicht zu viel versuchen. Zumindest die Position halten und dann weiterschauen. Hoffentlich können wir um den Sieg kämpfen", steckte der Mercedes-Fahrer seine Ziele ab.

George Russell strauchelt: Auf Wunschreifen noch langsamer als davor

Im Kontrast zu Kimi Antonellis Höhenflug steht George Russells Enttäuschung. Nach einem schwachen Qualifying wird der Brite den Grand Prix von Platz sechs beginnen. Die ganze Session klagte er über fehlenden Grip. "Es fühlt sich scheiße an. Uns fehlt etwas, ich weiß aber nicht, was", regte er sich im Q2 über den Soft-Reifen auf. "Ich erreiche nichts mit diesem Reifen. Ich weiß nicht, was los ist", beschwerte er sich in der dritten Qualifying-Runde weiter.

Für seinen letzten Versuch im Q3 zog Russell deshalb den gelben Reifen auf. Bisher bestand in Sachen Performance zwischen dem Medium- und dem Soft-Reifen in Interlagos praktisch kein Unterschied, doch Russell bewies das Gegenteil: Er fuhr die schlechteste Runde seines gesamten Qualifyings auf dem C3-Pneu. "Die Session war nicht angenehm, aber P6 ist Schadensbegrenzung, wenn man bedenkt, wie schlecht es sich anfühlte", so Russell.

Der Brasilien-Sieger von 2022 muss sich in der Startaufstellung hinter dem Racing Bull von Isack Hadjar einreihen. "Ich hoffe, ich kann ihn überholen und etwas nach vorne kommen. Aber wir haben schnelle Autos vor uns. Aufs Podium zu fahren, wird sehr schwierig für mich", lamentierte Russell. Für Mercedes ist im engen Kampf um den zweiten Platz in der Konstrukteurswertung jeder Punkt wichtig. Mit dem guten Sprint-Ergebnis konnten sich die Silberpfeile vier Punkte vor Ferrari setzen. Mit Lewis Hamilton nicht in den Top-10 und Leclerc hinter Antonelli ist der Große Preis von São Paulo eine gute Gelegenheit, den Vorsprung auszubauen.

Was war Antonellis bisherige Lieblingsstrecke? Motorsport-Magazin.com hat gerechnet und die Lieblingsstrecken aller F1-Fahrer herausgefunden! Alle Details gibt es hier: