Der Sprint zum Sao Paulo GP 2025 in Brasilien lieferte mehr als so manches Rennen der modernen Formel 1. Mit dem Unfall von Oscar Piastri gab es ein Drama im Titelkampf, anschließend chaotische Szenen mit Unfällen von Nico Hülkenberg und Franco Colapinto und einer kurzen Rennunterbrechung und am Ende auch noch einen spektakulären Unfall von Gabriel Bortoleto, der zum Glück glimpflich für den Lokalmatador ausging.

Dazu wurde das Fan-Herz von einem echten Kampf um den Sprint-Sieg verwöhnt. Auch wenn Andrea Kimi Antonelli keine richtige Attacke gegen Sieger Lando Norris startete, so blieb ihm der Mercedes-Pilot das gesamte Rennen über auf den Fersen und fuhr die letzten Runden sogar im DRS.

"Das war definitiv um einiges kniffliger, als mir lieb war", sagte ein sichtlich erleichterter Norris nach seinem Sieg und Big Points in der F1-Weltmeisterschaft 2025. "Einerseits waren die Bedingungen hart", so der McLaren-Pilot. Vor dem Sprint-Start hatte es zwar aufgehört zu regnen, die Strecke war aber stellenweise noch leicht feucht.

"Wenn man das erste Mal den Berg hochfährt, weiß man nicht, wie stark man vom Gas muss. Ich hatte ein paar kleine Momente und das Anbremsen für Kurve 1 ist ohnehin immer schwierig. Ich wollte einfach nicht so viel Risiko eingehen", gestand der WM-Leader.

Piastri gibt Norris mit Crash recht

Titelrivale Oscar Piastri gab seinem Teamkollegen mit seinem Unfall in Runde 6 unfreiwillig recht. Dabei war Norris sogar der Auslöser. Der Brite kam in Kurve 3 etwas weit raus auf die Kerbs und wirbelte Wasser auf, das Piastri schließlich zum Verhängnis wurde.

"Das hat er gemacht wie bei Mario Kart mit den Bananen. Er ist der schlauste Kerl im Feld", scherzte George Russell, der dahinter einen Logenplatz hatte, über seinen Landsmann. Absicht war es aber nicht, wie Norris klarstellt: "Den Kerb nutzt du in der Qualifikation immer stark, aber bei diesen Bedingungen willst du von allen Kerbs wegbleiben. Ich bin etwas zu weit rausgekommen."

Für Antonelli, der direkt hinter Norris fuhr, war es eine Warnung. Der Italiener bekam die Wasserfontäne sogar direkt aufs Visier. "Ich habe die ganze Zeit versucht, den Kerbs fern zu bleiben, aber danach war ich noch vorsichtiger."

Antonelli hatte auch Zeit, darüber nachzudenken. Denn Sekunden nach dem Piastri-Unfall flogen auch noch Nico Hülkenberg und Franco Colapinto an der gleichen Stelle ab. Das Rennen musste für Reparaturarbeiten an der Streckenbegrenzung unterbrochen werden.

Norris wechselt auf Soft, Antonelli auf Medium

Der Restart erfolgte mit umgekehrten Vorzeichen. Nach dem Start auf Mediums entschied sich Norris schließlich für die weichen Reifen. Antonelli dahinter machte es genau umgekehrt, er wechselte von Soft auf Medium. Normalerweise gibt es im Sprint keine Reifenwechsel, durch die Rennunterbrechung gab es aber die Möglichkeit, ohne Zeitverlust zu wechseln.

"Am Start war es noch etwas feuchter, deshalb hatten wir uns da für die Softs entschieden", erklärt Antonelli. "Auch wenn die Oberflächentemperatur steigen würde, konnte man sie auf den feuchten Stellen wieder regulieren." Zudem startete der Mercedes-Rookie von der linken Seite, die noch deutlich feuchter war.

Der Restart erfolgte hinter dem Safety Car, der initiale Grip war also nicht mehr so entscheidend. "Außerdem war der Medium gestern ein guter Reifen für uns und die Strecke war dann schon komplett trocken", so Antonelli. Trotzdem ging Norris den anderen Weg. Eine lange Diskussion scheint dem nicht vorausgegangen zu sein: "Will [Joseph, Norris' Renningenieur] hat mich gefragt, ob ich Soft will und ich habe zugestimmt."

Angst um die Haltbarkeit machte sich Norris nicht: "Es waren ja schon acht Runden gefahren, ein Drittel war vorüber. Diejenigen, die auf Soft gestartet waren, wollten das ganze Rennen darauf fahren." Trotzdem bekam er vor allem am Ende des Sprints richtig Stress von Antonelli auf Medium.

Nicht wegen der Reifen, wie Norris meint. "Schon im ersten Teil des Rennens, als Kimi auf Soft fuhr und ich auf Medium, bin ich nicht davongefahren. Der Abstand war im zweiten Teil ziemlich ähnlich", verteidigt Norris. "Ich denke, wir waren einfach nicht so schnell, wie wir dachten. Es hatten sich viele Dinge geändert: Es war kühler und die Windrichtung hat sich um 180 Grad gedreht."

Norris verschenkt Sieg fast in Kurve 4

Dazu kam in Runde 20 ein Fehler in Kurve 4. Norris kam leicht von der Ideallinie ab und verlor gut eine halbe Sekunde. Von nun an war Antonelli im DRS-Fenster. Einen Angriff konnte der Italiener aber nicht starten: "Es ist nicht so, dass ich es nicht versucht hätte. Ich war dann nah dran, aber es war recht hart, so nah dranzubleiben. Vor allem durch den Wind war es aus den Kurven 10 und 11 heraus sehr knifflig."

Runde um Runde zeigte sich das gleiche Bild: Antonelli konnte sich mit DRS auf der langen Geraden heransaugen, war aber viel zu weit weg, um einen Überholversuch starten zu können. Im ersten Sektor kam er dann regelmäßig näher, doch am Überholspot in Kurve 4 war er noch immer etwas zu weit weg. Am Ende des Mittelsektors verlor er dann jedes Mal wieder die entscheidenden Meter.