104 Punkte waren es nach Zandvoort, 40 Punkte sind es nach Austin – der Abstand zwischen Max Verstappen und WM-Leader Oscar Piastri schrumpft seit der Sommerpause kontinuierlich. Was als Scherz mit als unrealistisch geglaubten Hochrechnungen und Szenarien begann, kann nach dem Formel-1-Wochenende in den USA nicht mehr abgestritten werden: Max Verstappen ist ein Kandidat für den Weltmeistertitel 2025 und McLaren muss sich in Acht nehmen.

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Teamchef Andrea Stella war die Gefahr von Verstappen schon seit Baku bewusst. "Ich habe es bereits glasklar gesagt: vorher Max ist im Kampf um den Titel in der Fahrerwertung. Und wenn ich etwas sage, dann meine ich das auch", stellte Stella klar und verwies auf seine jahrelange Erfahrung in der Königsklasse des Motorsports. Er weiß, welche Strecken noch anstehen und welche Bedrohung Verstappen auf ihnen sein kann.

"Wenn Max siegfähiges Material hat, dann ist er ein ernstzunehmender Anwärter auf den Sieg. Das ist kein Mysterium. Aber das ändert nichts an unserer Herangehensweise, was wir tun. Wir müssen unsere Performance und unsere Wochenenden weiter maximieren", erklärte Stella. Und genau daran ist McLaren in den letzten Rennen gescheitert.

Stella: Keine Bevorzugung bis Titel mathematisch unmöglich

Vor allem das Baku-Wochenende sticht für Stella heraus. Beim Großen Preis von Aserbaidschan crashte Oscar Piastri sowohl im Qualifying als auch im Rennen. Lando Norris konnte vom Fehler seines engsten WM-Rivalen nicht profitieren und wurde nur Siebter. "Wenn wir auf Baku zurückblicken, haben wir die Performance nicht maximiert und kein perfektes Wochenende abgeliefert", gab der McLaren-Teamchef zu.

Das muss sich jetzt ändern. Denn McLaren müsse sich einer Tatsache bewusstwerden: Sie können die Weltmeisterschaft nur selbst verlieren. "Das Ergebnis der Fahrer-Weltmeisterschaft liegt in unserer Hand, nicht in der eines anderen. Das ist die Einstellung, die wir haben wollen und die wir haben werden", so Stella. Würde Verstappen in Abu Dhabi seinen fünften Weltmeistertitel in Folge holen, wäre das die größte Aufholjagd der Formel-1-Geschichte. In diese unangenehme Situation will sich McLaren nicht begeben.

Mit fünf Rennen und zwei Sprints sind in der Saison 2025 noch maximal 141 Punkte zu holen. Mit dem Momentum, das Verstappen seit der Sommerpause auf seiner Seite hat, und dem Durchhänger, den die Papaya-Piloten zurzeit durchmachen, könnte sich die Lage bis Abu Dhabi also noch dramatisch zuspitzen. Doch so möchte Stella die Situation nicht sehen: "Wir sehen die nächsten fünf Rennen als eine Möglichkeit, den Abstand zu Max zu vergrößern. Wir kommen noch zu ein paar guten Strecken für unser Auto und wir können noch mehr Performance rauskitzeln."

Auch die Fahrer hätten eingesehen, an welchen Stellen sie noch arbeiten müssen. Deshalb schließt Stella auch eine Bevorzugung eines seiner Schützlinge aus, egal, wie knapp Verstappen an sie herankommt. Erst, wenn der Titel für einen der zwei mathematisch nicht mehr möglich ist, gebe es begünstigte Behandlung. "Denken wir an 2007 oder 2010 zurück, als wir ins letzte Rennen gestartet sind und der in der WM drittplatzierte Fahrer am Ende gewonnen hat. Wir werden niemandem die Chance nehmen, bevor es die Mathematik unmöglich macht", bleibt Stella seiner Fairness-Mentalität treu.

In Mexiko geht der WM-Kampf in die nächste Runde – doch ein Großteil der Hauptakteure wird im ersten Freien Training nicht im Auto sitzen. Wer alles sein Cockpit aufgeben muss, erfahrt ihr hier: