Nach dem Formel-1-Wochenende in Austin ist Feuer am Dach bei McLaren, ob sie es nun zugeben oder nicht. Max Verstappen hat in nur einem Sprint und Grand Prix 23 Punkte auf WM-Leader Oscar Piastri aufgeholt und liegt nun nur noch 40 Zähler zurück., Gleichzeitig steckt Piastri in einem Negativ-Strudel und war beim USA-GP erschreckend langsam.

Der ehemalige Haas-Teamchef Günther Steiner ist überzeugt davon, dass Max Verstappen jetzt voll im WM-Kampf dabei ist. Gegenüber Motorsport-Magazin.com will er den Niederländer zwar nicht zum Topfavoriten erklären, aber er spricht ihm gute Titelchancen zu. "[Er ist] Mitfavorit. Ich würde ihn nicht zum Hauptfavoriten erklären, aber er kann es jetzt noch schaffen", glaubt der Südtiroler.

Steiner: Wenn McLaren nicht reagiert, hat Verstappen eine gute Chance

Er verortet Verstappens und Piastris WM-Aussichten auf Augenhöhe: "Für mich stehen sie beide jetzt gleichauf." Bei McLaren ist es seiner Ansicht nach jetzt an der Zeit zu reagieren und das teaminterne Fairness-Prinzip, das darauf abzielt, beiden Fahrern gleiche Chancen im WM-Kampf zuzugestehen, beiseitezukehren. "Speziell wenn McLaren nicht reagiert und auf einen Fahrer setzt, logischerweise auf Piastri, hat er [Verstappen, d. Red] eine gute Chance", so Steiner.

"Wenn McLaren auf einen Fahrer setzt, glaube ich tut er sich schwer", vermutet er weiter. So logisch wie die Wahl auf Piastri angesichts der Punktesituation in der Formel-1-Tabelle erscheint, ist sie aber wohl nicht. Denn seit Monza befindet sich der Australier in einem echten Tief, verlor an jedem Rennwochenende Punkte gegen Norris und war die meiste Zeit auch der langsamere Papaya-Fahrer.

Könnte Oscar Piastri so aus seinem Formtief finden?

Der fehlerträchtige Auftritt in Baku und seine erschreckend langsame Pace am abgelaufenen Formel-1-Wochenende in Austin nähren Zweifel am Nervenkostüm von Oscar Piastri, dem im Laufe seiner Karriere eigentlich immer der Ruf nachhing, dass die mentale Komponente eine seiner großen Stärken sei. Dennoch bleibt sein WM-Vorsprung ein nicht umzukippendes Argument, das ihm die Nummer-1-Behandlung garantieren sollte, falls McLaren dem Rat von Steiner folgt und sich im Endspurt auf einen Fahrer konzentriert.

Was aber, wenn Piastris Pace in Mexiko erneut weit hinter jener von Norris liegt? Ein klares Team-Bekenntnis zu seinen Gunsten wirkt also wie ein großes Risiko. Steiner ist überzeugt, dass es aber auch eine große Chance wäre: "Das könnte ihn vielleicht aus dem Formtief holen. Wenn das Team sagt, dass er die Nummer 1 ist und 100 Prozent Unterstützung vom Team und von Lando bekommt, dann wird er auch wieder aufstehen."

"Du hast im Leben sehr wenige Gelegenheiten einen WM-Titel zu gewinnen. Und wenn du die Gelegenheit hast, musst du sie ergreifen", ist Steiner überzeugt, dass dieser Schritt der richtige ist. Vor allem, da er in den letzten Monaten eindeutig der schnellere McLaren-Fahrer war, wäre so eine Entscheidung eine bittere Pille für Lando Norris. Aber laut dem ehemaligen Haas-Teamboss eben eine notwendige: "Ich würde kein Risiko gehen, damit ich den WM-Titel holen kann. Und ich sage immer, einer von beiden Fahrern wird sowieso nicht glücklich sein, wenn er verliert."

"Ob du ihn jetzt unglücklich machst, oder in zwei Monaten, was ist der Unterschied? So holst du wenigstens den Titel und machst den Rest des Teams - Hunderte von Leuten, die zu Hause oder an der Strecke arbeiten – happy, dass sie die Konstrukteurs- und Fahrermeisterschaft gewonnen haben", erklärt Steiner seine Einstellung dazu.

Die Psychospielchen zwischen McLaren und Red Bull sind im WM-Kampf schon im vollen Gange. In Austin trieb es ein Red-Bull-Mechaniker ein bisschen zu weit und das Team wurde dafür bestraft. Mehr Infos im Video:

Formel-1-Eklat in USA: Wollte Red Bull Norris-Start behindern? (09:51 Min.)