Zweimal musste Lando Norris im Rennen der Formel 1 in Austin Charles Leclerc auf der Strecke überholen. In Summe steckte er praktisch 36 Runden hinter dem Ferrari fest. Am Ende schaffte er es vorbei und wurde acht Sekunden hinter Max Verstappen Zweiter. Was schließt McLaren daraus? Dass man im USA-GP mit Norris siegfähig war.
"In Sachen Trend ist das ein recht beruhigendes Rennen, denn ohne den Kampf mit Charles, der sicher unterhaltsam war, hatte Lando die Pace für den Sieg", urteilt Teamchef Andrea Stella. "Natürlich hätte er die Position auf der Strecke holen müssen, was mit Max nie einfach ist, und mit einer Ein-Stopp-Strategie gab es nicht unbedingt viele strategische Chancen, aber in Sachen Performance sind wir beruhigt, dass die Pace für den Sieg gereicht hätte."
Lando Norris ein Verstappen-Gegner? Schon Leclerc eine Herausforderung
"Leider wurde Landos Rennen von Leclercs Pace bestimmt anstatt von der allgemeinen Pace", bedauert Stella. Der Ferrari stellte sich allerdings bereits als äußerst hohe Hürde heraus, nachdem er Norris am Start den zweiten Rang abknöpfte. Norris agierte nach dem Sprint-Startcrash am Vortag zögerlich: "Ich wollte nicht wieder zu weit raus, weil ich nicht wieder im Schotter landen wollte. Also hielt ich mich weiter innen, auf der sicheren Route. Charles hat einen guten Job gemacht und ging vorbei."
Leclerc profitierte auch von einem mutigen Start auf Soft. Was allerdings bedeutete, dass er zwecks Reifen-Management sofort von Verstappen abriss und Norris aufhielt. Doch Norris steckte bei wiederholten Anläufen Runde um Runde zurück. Erst in Runde 21 kam er nah genug aus der Haarnadel, um mit DRS an Leclerc vorbeizuziehen. Davor überfuhr er schon dreimal die Track Limits und war nun an der Grenze zur Strafe. Ein vierter Verstoß hätte fünf Strafsekunden bedeutet.

Weil Leclerc deutlich früher zum Reifenwechsel kam, lag er nach den Boxenstopps wieder direkt vor Norris. Wieder hob ein ähnliches Spiel an. Leclerc, jetzt mit älteren Mediums gegen Norris auf neuen Soft, schien den McLaren aufzuhalten, aber Norris fand keinen Weg vorbei. Zwischenzeitlich überhitzten am McLaren die filigranen Soft auch, Norris musste sich zurückfallen lassen: "Kurz dachte ich, dass ich nicht Zweiter werden würde, dass er etwas zu schnell für uns wäre."
"In seiner Lage zeigte er Geduld, wenn das Überholen nicht möglich war", lobt Stella dafür das Herangehen seines Fahrers. "Es mag entscheidend gewesen sein, dass er sich ganz zurückfallen hat lassen, um die Reifen abzukühlen und es dann noch einmal zu versuchen. Ich denke, wir haben Lando in bester Form gesehen. Wenn überhaupt, dann müssen wir uns anschauen, ob es in der ersten Kurve eine Chance gab, die Position zu halten."
Norris minimiert den McLaren-Schaden im Rennen in Austin
Dass Norris zwei Mal so lange brauchte, um an Leclerc vorbeizukommen, führen er und sein Team letztendlich dann darauf zurück, dass der Ferrari in den USA gar nicht einmal so schlecht war. "Bis 10 Runden vor Schluss war er was, sechs Sekunden hinter Max?", erinnert Norris. Der McLaren mochte im Rennen das schnellste Auto gewesen sein, wenn auch nur knapp. Und wegen Leclerc konnte Norris nie den eindeutigen Beweis antreten.
Trotzdem fühlt sich McLaren erleichtert, dass das Rennen so ausging. Erst recht nach dem Doppel-Aus im Sprint, wegen dem das Team beim Setup auf Nummer sicher hatte gehen müssen. Stella bestätigt nach dem Rennen, dass das Auto beim Unterboden mangels Daten rückblickend nicht am Limit gefahren wurde: "Es ging um die fehlenden Referenzen, um voll auszureizen, was erlaubt ist."
Vielleicht hätte der McLaren mit optimalem Setup besser abgeschnitten. Vielleicht hätte Norris ohne Leclerc Verstappen bedrängen können. Viel Theorie am Ende. "Wer weiß?", mag Norris das Spekulieren nicht. Und bemüht neben Verstappen in der Pressekonferenz ein berühmtes Zitat des Niederländers: "Was hast du mal gesagt? Wenn deine Mutter Eier hätte ... wäre sie dein Vater. Ja, wer weiß."



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