Max Verstappen und Red Bull haben die Weltmeisterschaft 2025 eigentlich längst aufgegeben. Trotz des Sieges in Monza fehlen dem amtierenden Formel-1-Weltmeister noch 94 Punkte auf WM-Leader Oscar Piastri. Doch bei McLaren sieht man das anders. "Red Bull ist ein sehr ernstzunehmender Anwärter auf Rennsiege und ein sehr ernstzunehmender Anwärter auf die Fahrer-Weltmeisterschaft", stellte McLaren-Teamchef Andrea Stella nach dem Qualifying in Baku klar.

Verstappen hatte zuvor seine erste Pole überhaupt in Aserbaidschan und seine sechste in der aktuellen Saison geholt. Für McLaren war das Qualifying ein Reinfall: Lando Norris und Oscar Piastri landeten nur auf den Rängen sieben und neun.

Das Baku-Qualifying war für die McLaren-Piloten aber nur ein Ausrutscher, dazu kommt der gigantische Punkte-Rückstand Verstappens. "Aber wir dürfen nicht vergessen, dass es Max Verstappen ist. Er hat die letzten vier Weltmeisterschaften gewonnen", mahnt Stella.

McLaren stehen harte Rennen bevor

Außerdem hält der Italiener McLarens Baku-Performance nicht nur für einen reinen Ausrutscher: "Es wird Rennen geben, bei denen McLaren keinen Performance-Vorteil haben könnte." Stella hält Baku zusammen mit Las Vegas für die schwierigsten Strecken für McLarens MCL39.

Das bislang so dominante Auto hat vor allem Stärken in langgezogenen Kurven. Die gibt es in Baku und Las Vegas kaum. Außerdem erreicht der MCL39 seine höchste aerodynamische Effizienz in einer Konfiguration mit deutlich mehr Abtrieb . Deshalb tat man sich schon in Monza so schwer.

Neuer Unterboden Red Bulls Schlüssel?

Dazu kommt Red Bulls Auferstehung. Dr. Helmut Marko feierte schon in Monza die Trendwende. Das Formel-1-Fahrerlager war da noch vorsichtig, jetzt steht Verstappen zum zweiten Mal in Folge auf Pole. "Wir haben das nach Monza intern überprüft und gehen mit der Einstellung in das letzte Saisondrittel, dass die Leistung von Red Bull in Monza nicht eine einmalige Erscheinung der Strecke oder aufgrund des geringen Abtriebs betrachtet werden sollte", verrät Stella.

Der Ingenieur meint auch die Hintergründe zu kennen: "Red Bull hat in Monza einen neuen Unterboden gebracht. Möglicherweise haben sie nun ein anderes Setup. Max spricht nun deutlich öfter davon, aufzusetzen. Sie könnten darin Performance gefunden haben und ich wäre nicht überrascht, wenn sie ihre Serie fortsetzen könnten."

Zwei gegen einen: McLarens Nachteil im WM-Kampf

Zusätzlich gibt es aus McLaren-Sicht noch ein Luxus-Problem. "Manchmal wird Lando ein paar Punkte mehr holen, manchmal Oscar, sodass sie sich gegenseitig Punkte wegnehmen können", weiß Stella. "Wir sind uns dessen sehr bewusst, aber wir lassen sie fahren, weil sie es beide verdienen, ihre Ziele zu verfolgen."

Derzeit liegt Piastri mit 324 zu 293 Punkten 31 Punkte vor Teamkollege Norris. Piastri gewann 2025 sieben Grands Prix, Norris fünf. An einem gewissen Punkt könnte es sein, dass sich McLaren auf einen Fahrer festlegen muss. "Wenn es irgendwann für alle - einschließlich beider Fahrer - offensichtlich ist, dass eine Entscheidung getroffen werden muss, dann werden wir diese Entscheidung möglicherweise treffen. Aber das ist im Moment noch sehr, sehr weit entfernt und entspricht auch nicht unserer derzeitigen Denkweise", stellt Stella klar.

Nicht nur McLaren erlebte im Baku-Qualifying eine böse Schlappe, auch Ferrari. Was bei der Scuderia schiefging und was sonst noch los war, erzählt euch Christian im Video:

McLaren patzt! Hamilton kritisiert Ferrari: Pole vergeigt?! (18:36 Min.)