Wie schon Monza ist auch Baku in der Formel 1 keine McLaren-Strecke. So lautet nach den Plätzen 7 und 9 im Qualifying das Fazit von Teamchef Andrea Stella. Der MCL39 kann langgezogene rollende Kurven. 90-Grad-Stop-und-Go mit kurzen Radien nicht. Doch P7 und P9? "Das Auto war trotzdem heute schnell genug und konnte um die Pole kämpfen." Moderat, aber doch ermahnt Stella sein Fahrerduo, und hebelt auch die Taktik-Kritik von Lando Norris aus.
Norris hatte nach dem Qualifying das Timing seiner entscheidenden letzten Q3-Runde als Fehler ausgemacht. Er hatte das Feld hinaus aus der Box angeführt. Bei leichtem Nieseln fand er daraufhin keinen Grip. Rückblickend glaubt er, dass er es weiter hinten in der Schlange - wo etwa Polesetter Max Verstappen fuhr - einfacher gehabt hätte.
Das sieht Stella nicht so. McLaren haderte über das ganze Qualifying hinweg mit der Reifenwahl. Die gesparten Medium-Reifen, von denen man sich bessere Performance erwartet hatte, funktionierten am MCL39 nicht so gut wie erwartet. Der Soft kam im ersten Sektor einfacher ins Temperaturfenster. Da Norris aufgrund eines chaotischen Q3-Verlaufs zu dem Zeitpunkt noch gar keine Zeit stehen hatte, war für McLaren die Taktik klar. Soft aufziehen, früh rausfahren, sich alles selbst einteilen.
Wettbewerbsfähiger McLaren sollte auch auf rutschiger Strecke schneller sein
"Wir haben ein wettbewerbsfähiges Auto, das Risiko einer gelben Flagge ist hoch, die Streckenbedingungen waren unklar und wir wollten sicherstellen, dass wir die Reifen gut anwärmen konnten", zählt Stella die Gründe für das frühe Rausfahren auf. "Wir sind immer noch happy damit. Wir wussten, wir würden ein kleines bisschen Zeit verschenken, aber das Wichtigste für uns war das Abliefern einer robusten Runde."
"Tatsächlich lieferten wir die nicht, aber aus Gründen, die nicht unbedingt etwas mit dem Grip auf der Strecke zu tun haben", zeigt Stella mit dem Finger auf seinen Fahrer, dessen Runde, dessen Reifenvorbereitung. "Es war eine kleine Fehleinschätzung von Lando, und er hat selbst auch die Wand berührt."
Schließlich verlor Norris aufsummiert 1,122 Sekunden auf Verstappens Pole-Zeit. Mehr als nur "ein kleines bisschen". Die Hälfte davon war schon im Mittelsektor weg und Norris bestenfalls auf Kurs zu einem abgeschlagenen dritten Platz, ehe er das Auto dann in Kurve 15 beinahe in die TecPro-Absperrung stopfte und beim Berühren dieser weichen Schutzelemente vor der Betonwand noch eine halbe Sekunde verlor.
McLaren muss im Rennen aufholen: Das Auto gibt in Baku viel mehr her
Da Oscar Piastri seinerseits schon lange davor sein Auto schrottete, steht McLaren jetzt mit sehr schlechten Startplätzen da. "Wir wollen Positionen aufholen, die wir heute auf jeden Fall in Sachen Wettbewerbsfähigkeit realisieren hätten können", spricht Stella Klartext, "aber die wir heute aufgrund schlechter Umsetzung im Qualifying nicht realisiert haben. Nicht, weil wir den Speed für die Pole nicht hatten."
"Morgen wollen wir ums Podest kämpfen", kündigt Stella an. Und darauf sollten sich seine Fahrer besser konzentrieren. Nicht auf den jeweils anderen. "Ich glaube, sie werden nicht schauen, wo das andere Papaya-Auto ist. Sie werden auf die Autos vor sich schauen. Überholen wollen. Siegen wollen. Das ist das Mindset, das jeder Meister braucht. Nicht an den Gegner denken, sondern den Sieg jagen."
"Ich bin mir sicher, dass das in den Köpfen von Oscar und Lando bei den Vorbereitungen heute am Abend drin ist", meint Stella. "Erst recht, nachdem sie beide mit dem Qualifying nicht zufrieden sein werden. Da werden beide denke ich zusätzliche Motivation für ein sehr gutes Rennen morgen haben."



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